Erste Anzeichen

Parkinson beginnt schleichend: Wenn man plötzlich nichts mehr riecht und schmeckt

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Ein gestörter Geruchssinn ist nicht nur Folge einer Corona-Infektion. Bei einer beginnenden Parkinson-Erkrankung ist das fehlende Riechen ein erstes, sicheres Anzeichen.

Plötzlich auftretende Riech- und Schmeckstörungen gelten als eines der bekanntesten Symptome einer Corona-Infektion. Bei bis zu 20 Prozent der Betroffenen können diese über Monate oder länger andauern, manche Menschen leiden auf unbestimmte Zeit an der Störung bzw. sogar einem Verlust ihres Geruchs- und Geschmacksvermögens. Was eine Begleiterscheinung von Corona ist, stelllt auch ein sicheres Frühsymptom der neurologischen Erkrankung Parkinson dar.

Parkinson und Corona: Wenn bestimmte Lebensmittel plötzlich ohne Geruch und Geschmack sind

Hintergrund der Riechstörungen bei einer Corona-Infektion ist vermutlich eine Schädigung der sogenannten Stützzellen, die normalerweise die Riechzellen schützen. „Wenn die Stützzellen absterben, sterben mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auch die Riechzellen ab“, so Professor Dr. med. Thomas Hummel, Leiter des Interdisziplinären Zentrums für Riechen und Schmecken am Universitätsklinikum Dresden. Im schlimmsten Fall kann der Geruchs- wie auch Geschmackssinn bei Corona-Patienten nie wieder kommen.

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Parkinson: Nicht bloß eine Erkrankung, die Motorik, Muskeln und Bewegung betrifft

So verläuft es auch bei vielen Menschen, die – noch ohne es zu wissen – an Parkinson erkrankt sind. Der Verlust des Geruchs- und Geschmackssinn zeigt sich in vielen Fällen schon sehr früh und geht unaufhaltsam verloren. „Lange Zeit glaubte man, dass diese rein motorischen Symptome die einzigen seien“, erklärte Professor Dr. Claudia Trenkwalder der Paracelsus-Elena Klinik in Kassel und der Universitätsmedizin Göttingen gegenüber der Deutschen Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen (DPG). Heute weiß man, dass die möglichen Symptome wesentlich komplexer sind und über die verlangsamten Bewegungen (Akinese) gepaart mit Muskelsteifheit (Rigor), Zittern (Tremor) sowie Haltungsstörungen hinausgehen. Parkinson kündigt sich lange vorher an.

Frühsymptome bei Parkinson: Wie wichtig das Riechen und der Geruch in der Diagnostik ist

Gewohnte und geliebte Speisen beim Kochen und Essen nicht mehr riechen und schmecken – viele Parkinson-Patienten beschreiben dieses Phänomen als ein frühes Anzeichen ihrer Erkrankung – und ein typisches Symptom, das sie letztlich zum Arzt führt. Neben Vanille und Nelken zeigt sich dies besonders bei Gewürzen wie Oregano.

Was hat nun aber Parkinson mit dem Geruchssinn zu tun? Für Laien mag es zunächst abwegig klingen, so ist es jedoch wissenschaftlich belegt: Eine Störung bzw. der Verlust des Geruchs- sowie Geschmackssinns ist ein sehr frühes und relativ eindeutiges Anzeichen dieser neurologischen Erkrankung. Auch bei dem Musiker und Sänger Fredl Fesl kündigte sich Parkinson mit diesem Frühsymptom an. Viele Patienten bemerken besonders beim Kochen und Essen, dass sie weniger riechen und demnach auch weniger schmecken.

Parkinson ist allgemein bekannt als eine neurologische Erkrankung im Gehirn, welche die Motorik und Bewegung beeinträchtigt. Die Folge ist dann das bekannte Symptom des Zitterns der Hände und Beine im Ruhezustand, sogenannter Tremor. Auch Schwierigkeiten der Bewegung (Akinese) und Muskelsteife (Rigor) sind deutliche Anzeichen einer Parkinson-Erkrankung. Eine Studie unter der Leitung von Prof. Dr. med. Christoph J. G. Lang konnte nachweisen, dass Riechstörungen bei Parkinson bilateral und im Frühstadium der Erkrankung auftreten. Die Ergebnisse wurden in der Zeitschrift „Der Nervenarzt“ veröffentlicht. Im Rahmen der Untersuchung kam man zu dem Schluss, dass die Überprüfung der Geruchsfunktion eine wertvolle Methode in der klinischen Diagnostik sein kann.

Anzeichen für Parkinson: Riechtest mit Gewürzen wie Vanille und Oregano

Einen frühen und doch entscheidenden Hinweis, ob Sie Defizite im Geruchssinn und möglicherweise erste Anzeichen einer Parkinson-Erkrankung zeigen, kann Ihnen schon ein ganz einfacher Riechtest zu Hause zeigen. Alles, was Sie dafür brauchen, finden Sie wahrscheinlich in Ihrer Küche im Gewürzschrank.

Halten Sie allen voran Oregano, Vanille oder Nelken unter die Nase und prüfen, ob Sie es riechen. Wenn Sie von den Gewürzen nichts oder entscheidend weniger als sonst riechen, wiederholen Sie den Test zu einem anderen Zeitpunkt mindestens einmal. Kommen Sie dann zu einem ähnlichen Ergebnis, sollten Sie sich mit Ihren Beobachtungen an Ihren Hausarzt wenden. Dieser kann mit Ihnen zusammen entscheiden, ob es sinnvoll ist, Sie an einen Neurologen weiter zu überweisen.

Parkinson frühzeitig erkennen: 13 Symptome können die Erkrankung zum Teil schon Jahre vorher ankündigen

Wenn Betroffene bestimmte Düfte nicht mehr riechen, kann dies eine Begleiterscheinung einer Corona-Infektion oder ein sehr frühes Warnzeichen einer angehenden Parkinon-Erkrankung sein.
Die eingeschränkte Wahrnehmung des Geruchs von Gewürzen, insbesondere Oregano, gilt als ein typisches, erstes Frühsymptom einer Parkinson-Erkrankung. Wer an sich bemerkt, dass er Oregano oder Vanille nicht mehr riechen kann, sollte mit dieser Beobachtung seinen Hausarzt aufsuchen. © Robijn Page/Imago
Frau fasst sich an den Bauch.
Auch Verstopfung, die länger anhält, sollte von einem Arzt abgeklärt werden. Denn chronische Verstopfung zählt auch zu den frühen Anzeichen von Parkinson. © Iordache Magdalena/Imago
Frau mit Schmerzen fasst sich in den Nacken
Frühsymptome der Parkinson-Erkrankung sind meist unspezifisch, wie die Deutsche Parkinson Vereinigung e. V. bekräftigt. Betroffene berichten von Beschwerden im Nacken- und Lendenwirbelbereich sowie diffusen Rückenschmerzen. Gerade zu Beginn der Parkinson-Erkrankung sind vorrangig der Nacken, die Schultern oder Oberarme von der Versteifung der Muskulatur betroffen – die Beschwerden werden dann nicht selten irrtümlich mit einer rheumatischen oder orthopädischen Erkrankung verwechselt. © YAY Images/Imago
Mann sitzt auf dem Bett
Der Abbau von Nervenzellen in der schwarzen Substanz im Gehirn hat Auswirkungen auf verschiedene Körperbereiche, nicht nur die Motorik. Manche Menschen mit Parkinson bemerken an sich schon früh eine Beeinträchtigung Ihrer Lust auf Sex. Männer sind vor allem von Erektionsstörungen und vorzeitiger Ejakulation betroffen. Frauen mit Parkinson leiden ebenfalls unter verringerter Erregbarkeit. © tommaso79/Imago
Mann liegt traurig im Bett
Depressive Verstimmungen können sich ebenfalls im Frühstadium der Parkinson-Erkrankung zeigen. Gerade in diesen Fällen wird häufig kein Zusammenhang zu Parkinson erkannt. © tommaso79/Imago
Mann wacht auf
Auch Schlafstörungen insbesondere in der Traumschlafphase mit zum Teil heftigen Alpträumen können vorzeitig auf eine Parkinson-Erkrankung hindeuten oder das Risiko dafür erhöhen. Für Menschen, die über 50 Jahre alt sind und eine derartige Form der Schlafstörung an sich bemerken, ohne dass andere Ursachen dafür vorliegen, erhöht sich das Risiko für Parkinson in den kommenden Jahren auf nahezu 80 Prozent. Die Störung des REM-Schlafs in der Traumschlafphase ist ein deutliches Frühsymptom für Parkinson. © Monkey Business 2/Imago
Person schreibt Brief
Einige Betroffene bemerken an sich, dass ihr Schriftbild kleiner wird – auch dies kann ein Indiz für eine Parkinson-Erkrankung sein. © YAY Images/Imago
Frau telefoniert mit Familie über das Telefon
Außenstehenden oder Angehörigen fällt zum Teil auf, dass manche Betroffenen leiser sprechen als gewöhnlich, insbesondere im direkten Gespräch. Dies kann ebenfalls ein Anzeichen einer sich entwickelten Parkinson-Erkrankung sein. © Zoonar.com/Dasha Petrenko/Imago
Hand hält Hand, die ein Glas hält
Eines der bekanntesten und typischen Symptome von Parkinson ist das Zittern (Tremor) von einer Hand oder beiden Händen. Betroffene müssen dann nicht selten die zitternde Hand mit der zweiten Hand stützen und festhalten. Auch in den Beinen zeigt sich der Tremor – anfangs nur in bestimmten Situationen, etwa beim Laufen oder Treppensteigen. An den Händen wird das Zittern häufig beim Schreiben oder Greifen von Gegenständen deutlich. © Astrid08/Imago
Frau hält Hand mit einem Glas Wasser, das verschüttet wird
Die Bewegungsarmut, sogenannte Akinese, zählt zu den typischen Symptomen bei Parkinson. Bewegungen sind verlangsamt oder geschehen willkürlich, sodass der Griff zum Glas auch darin enden kann, dass der Inhalt unbeabsichtigt ausgeschüttet wird. © Astrid08/Imago
Älterer Mann läuft am Stock
Der erhöhte Muskeltonus, sogenannter Rigor, ist ein typisches Anzeichen von Parkinson. Durch dieses Symptom sind die Muskeln steif und stark angespannt, obwohl keine bewusste Anstrengung erfolgt. Ein Rigor kann auch durch Stress, Angst oder Muskelverletzungen hervorgerufen werden. Bei Parkinson zeigt sich der Rigor häufig in Form der gebeugten Haltung mit angewinkelten Armen. © Zoonar.com/Yuri Arcurs peopleimages.com/Imago
Frau mit Müslischüssel
Schluckbeschwerden, sogenannte Dysphagie, zählt im Verlauf zu den häufigen Symptomen bei Parkinson. Direkte Anzeichen sind dann das gehäufte Verschlucken am eigenen Speichel oder bestimmten Speisen sowie Getränken, häufiges Räuspern oder Husten bis hin zu Hustenanfällen, erschwerte Atmung nach dem Schlucken, vermehrter Speichelfluss und ein Kloßgefühl im Hals. Indirekte Anzeichen einer Dysphagie bei Parkinson können sich verzögert zeigen: trockene Haut, besonders an den Händen, Gewichts- und Flüssigkeitsverlust, Sodbrennen und Aufstoßen, erhöhte Körpertemperatur, Bronchitis sowie Lungenentzündung. © Cavan Images/Imago
Fettige Haut mit hoher Talgproduktion
Manche Menschen, die an Parkinson erkrankt sind, entwickeln ein sogenanntes Salbengesicht, ein fettig glänzendes Gesicht infolge einer erhöhten Talgproduktion der Haut. © YAY Images/Imago

Parkinson früh erkennen: Diagnostik über „Sniffin Sticks“-Test und Nasenschleimhautbiopsie

Bei ca. 80 Prozent der Parkinson-Patienten treten viele Jahre vor dem Ausbruch der motorischen Symptome bereits Riechstörungen auf, wie die Pharmazeutische Zeitung berichtet. Diese können mithilfe eines in der Diagnostik anerkannten „Sniffin‘ Sticks“ Riechtests als sehr früher Risikofaktor identifiziert werden. Darüber hinaus ist es mittels eines speziellen Aggregations-Assay (RT QuiC) möglich, Verklumpungen des Proteins α-Synuclein in Gewebeproben der Nasenschleimhaut nachzuweisen. α-Synuclein-Ansammlungen befinden sich bei Parkinson-Patienten allen voran im Gehirn, wo sie im Verlauf der Erkrankung fortschreitend Nervenzellen in der schwarzen Substanz, sogenannte Substantia nigra, zerstören. Der Abbau der Nervenzellen in der schwarzen Substanz hat die typischen Bewegungsstörungen bei Parkinson-Patienten zur Folge.

Parkinson: Weltweit verbreitete Erkrankung mit komplexen Symptomen

Jedes Jahr am 11. April wird am Welt-Parkinson-Tag auf die Erkrankung, ihre Erforschung und Therapiemöglichkeiten aufmerksam gemacht. Über sechs Millionen Menschen weltweit leben mit einer diagnostizierten Parkinson-Erkrankung, die auch durch Prominente wie dem deutschen Schauspieler und Kabarettisten Ottfried Fischer (68) sowie US-amerikanischer Schauspieler Michael J. Fox (60) ins öffentliche Bewusstsein gerückt wurde. Aktuell wird die Vermutung laut, ob möglicherweise auch Wladimir Putin erste Symptome der Parkinsonkrankheit zeigt.

Neben den Riechstörungen gibt es weitere Symptome, die auf ein frühes Stadium einer Parkinson-Erkrankung hindeuten können:

  • Schlafstörungen mit lebhaften und bedrohliche Träumen, verbunden mit Sprechen im Schlaf.
    Traumschlafstörungen können bereits bis zu 15 Jahre vor den ersten motorischen Störungen bei Parkinson-Patienten auftreten.
  • Depressive Verstimmungen
  • Diffuse Rückenbeschwerden
  • Beschwerden im Nacken- oder Lendenwirbelbereich.
  • Sexuelle Unlust

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unserer Redaktion nicht beantwortet werden.

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