VonSebastian Oppenheimerschließen
Gebrauchte Elektroautos verkaufen sich aktuell schlecht, der Wertverlust ist hoch. Eine neue Experten-Studie zeigt, welche Faktoren den Preis drücken.
Gestrichene E-Auto-Förderung, sinkende E-Auto-Neuzulassungen und eine düstere E-Auto-Absatzprognose der Autohändler für 2024: Die Elektromobilität befindet sich in Deutschland aktuell in einer Krise. Und auch andernorts hat sich die Einstellung zu Elektroautos teils gedreht: So verkauft beispielsweise der Autovermieter Hertz ein Drittel seiner Stromer-Flotte. Sixt hatte zuvor bereits verkündet, keine Teslas mehr anschaffen zu wollen. Neben geringer Nachfrage und hohen Reparaturkosten zählen zu den Gründen für diese Entscheidungen auch die geringen Restwerte von Elektroautos. Eine Analyse zeigt nun, wie hoch der Wertverlust im Vergleich zu einem Benziner ist und wieso er so hoch ausfällt.
Wertverlust von Elektroautos: Im Schnitt um zwölf Prozent höher als bei vergleichbaren Benzinern
Laut einer Auswertung der auf die Automobilindustrie spezialisierten Unternehmensberatung Berylls kosteten Elektroautos, die mit durchschnittlich drei Jahren Haltedauer als Ex-Leasing- oder Abo-Autos, auf den Gebrauchtwagenmarkt kommen, als Neuwagen im Schnitt knapp 43.600 Euro. Ein durchschnittliches, drei Jahre altes, gebrauchtes Elektroauto mit 60.000 Kilometer Laufleistung erlitt in dieser Zeitspanne einen durchschnittlichen Wertverlust von 57 Prozent – sprich: 24.800 Euro. Nach den Berechnungen der Experten liegt der Wertverlust für ein durchschnittliches Elektroauto um zwölf Prozent – und damit rund 5.600 Euro – über einem vergleichbaren Benziner.
Die Analyse zeigt auch, dass der Wert dieser Differenz die ursprünglich ausgezahlte staatliche Förderung sogar übersteigt. Bei einem Zulassungsvolumen von 524.000 Elektroautos in Deutschland im Jahr 2023 und unter Annahme einer vergleichbaren Restwertkurven-Entwicklung in den nächsten drei Jahren, errechneten die Unternehmensberater einen Wertverlust von 2,99 Milliarden Euro. Dies sei deutlich mehr als die rund 2,4 Milliarden Euro, die 2023 insgesamt als BAFA-Förderung gezahlt wurden. „Eine horrende Summe“, die sich perspektivisch nicht verringern werde, denn der Ausblick für die bestehende Secondhand-Flotte sei schlecht.
Welche Faktoren sich auf die Preise gebrauchter E-Autos auswirken
Der Analyse zufolge wirken sich folgende Punkte negativ auf den Preis gebrauchter E-Autos aus:
- Neue Elektroauto-Modelle, mit mehr Reichweite und zu günstigeren Preisen drängen auf den Markt und konkurrieren direkt mit den jungen Gebrauchten.
- Viele gebrauchte E-Autos sind große und teure SUV, sie fallen nicht in die Kategorie Massenmarkt, was sie für viele Gebrauchtkäufer uninteressant macht.
- Der beginnende Preiskampf bei Elektroautos: Rabatte und Preissenkungen für Neuwagen lassen die Anschaffungskosten für einen Neuen, an die für einen Gebrauchten heranschrumpfen.
Nach Einschätzung der Unternehmensberatung gibt es für die aktuelle Elektroauto-Generation kaum Hoffnung am Gebrauchtwagenmarkt. Hier können lediglich die immensen Verluste minimiert werden. Junge gebrauchte Elektroautos stehen laut Berylls „im Handel wie Blei, die Standzeiten steigen und die Restwerte sind im freien Fall“. Speziell für Händler sind die niedrigen Preise von gebrauchten Elektroautos ein Problem.
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Elektroauto: „Abwartungshaltung bei privaten und professionellen Kunden wie Flotten und Vermietern“
„Wir sehen an den stagnierenden – in manchen Ländern sinkenden – Zulassungszahlen von neuen Elektrofahrzeugen eine Abwartungshaltung bei privaten und professionellen Kunden wie Flotten und Vermietern“, sagt Christopher Ley, Partner bei Berylls Strategy Advisors. „Und das, obwohl die Hersteller aktuell teilweise massiv Neuwagen mit Preisnachlässen versehen. Es scheint, dass der noch nicht vollständig entwickelte Gebrauchtwagenmarkt einen Einfluss auf den Markt für neue Elektrofahrzeuge hat.“ Die Unternehmensberatung empfiehlt den Autobauern, ihre „Vertriebsmodelle radikal zu verändern“: Hersteller oder Leasingfirmen müssten bestrebt sein, die Fahrzeuge auch in zweiter und dritter Hand selbst auszulasten. Weil die massenhafte Vermarktung gebrauchter Fahrzeuge bislang jedoch nicht zur Kernkompetenz der Hersteller zähle, müssten diese schnell lernen müssen, damit umzugehen.
Anmerkung der Redaktion: Dieser Text ist bereits in der Vergangenheit erschienen. Er hat viele Leserinnen und Leser besonders interessiert. Deshalb bieten wir ihn erneut an.
Zuletzt gab es Anzeichen, dass das für 2035 in der EU-geplante Verbrenner-Aus kippen könnte. Der Autobauer Mercedes hat inzwischen seine ehrgeizigen Elektroautoziele gestutzt: Einige Verbrenner-Baureihen sollen länger gebaut werden als ursprünglich geplant. Beim Konkurrenten Audi bleibt man hingegen dabei, dass ab 2033 keine Verbrenner mehr produziert werden sollen. Die Zukunft des Autos sei „ganz klar elektrisch“, betonte Audi-Chef Gernot Döllner kürzlich in einem Interview.
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