Verschleierungstaktik bei Preisen

Versteckte Preiserhöhung bei Aldi: Verbraucherschützer sprechen von Verschleierungstaktik 

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Viele Händler schrecken vor versteckten Preiserhöhungen nicht zurück. Verbraucherschützer haben das Thema schon lange auf dem Schirm. Aktuell warnen sie vor einer Aldi-Eigenmarke.

Kassel ‒ Aktuell zieht Aldi Nord nach Einschätzung der Verbraucherzentrale Hamburg (VZHB) alle Register, um seine Kunden hinters Licht zu führen. Die Verbraucherschützer bemängeln mehrere Preiserhöhungen bei Schokoladen-Eigenmarken. So seien die Tafeln der Schokoladenmarke Chocolat Amandes der Eigenmarke Moser Roth von Aldi Nord versteckt um 15 Prozent teurer geworden, obwohl der Verkaufspreis gesunken ist. Denn gleichzeitig sei deren Inhalt „von 184 bzw. 168 Gramm auf 150 Gramm geschrumpft“, so das Ergebnis der Hamburger.

Versteckte Preiserhöhungen bei Aldi: Discounter sorgt für Preiswirrwarr

Der Discounter zieht dem Bericht der Verbraucherzentrale zufolge die Kunden im wahrsten Sinne durch den Kakao. Es herrsche ein „unglaubliches Preiswirrwarr“. So sei der Preis für die Tafel Schokolade von 1,59 Euro auf nun 1,49 Euro gesunken, was zunächst nach einem Schnäppchen klingt. Doch gleichzeitig ist auch die Füllmenge der Tafel geschrumpft, was damit zu einer „versteckten Preiserhöhung um bis zu 15 Prozent“ führt.

Diese Marken sind betroffen:

Mogelpackungen bei Aldi Nord: Die Tafeln der Eigenmarke Moser Roth stehen in der Kritik von Verbraucherschützern.
ProduktFüllmenge altFüllmenge neu
Chocolat Amandes Edel Marzipan Vollmilch 184 Gramm150 Gramm
Chocolat Amandes Edel Marzipan Zartbitter184 Gramm150 Gramm
Chocolat Amandes Edel Marzipan Mozart168 Gramm150 Gramm
Quelle: Verbraucherzentrale Hamburg

Ein weiterer Vorwurf der Hamburger Verbraucherschützer ist, dass Aldi die „alten“ Schokoladentafeln (184 bzw. 168-Gramm-Packungen) zu einem höheren Preis verkauft. So gehen die Tafeln nicht zu dem sonst verlangten Preis von 1,59 Euro über die Ladentheke. Die Kunden müssten nun 1,89 Euro für diese Tafeln an der Kasse bezahlen. Dahinter verberge sich ein „billiger Taschenspielertrick“. Denn durch die Preisanpassungen „liegt bei den neuen Packungen mit geschrumpften Inhalt gar keine versteckte Preiserhöhung vor“.

Preistrickserei im Handel: Aldi zieht die Tafeln in die Länge

Doch damit nicht genug der Trickserei. Aldi zieht die Umverpackung seiner Tafeln jetzt in die Länge, obwohl weniger Gewicht enthalten ist (150 Gramm statt 184 Gramm). Dabei war die Schokolade bereits vorher um ein Drittel des Inhalts geschrumpft. So seien bereits im letzten Jahr die Füllmengen der Sorten Edel Marzipan Vollmilch sowie Edel Marzipan Zartbitter von 230 auf 184 Gramm gesunken, so der VZHB weiter.

Von einer versteckten Preiserhöhung kann hier nicht gesprochen werden, da die Preise im ganzen Schokoladensortiment zuletzt gestiegen sind. Den Verkaufspreis für die Restmengen für die alte Grammatur 184 g/168 g haben wir auf 1,89 Euro angepasst.“

Stellungnahme von Aldi Nord gegenüber der Verbraucherzentrale Hamburg

Zur Verschleierungstaktik des Discounters gehöre auch, dass nun fünf anstatt vier Täfelchen in die Packung liegen. Der Trick dabei: Ein Stäbchen wiege aber nur noch 30 Gramm statt wie bisher 46 Gramm. Aldi-Kunden müssen also ganz genau hinschauen. Denn auch an der Rezeptur wurde offenbar gearbeitet. „Bei den Sorten Chocolat Amandes Edel Marzipan Vollmilch sowie Chocolat Amandes Edel Marzipan Zartbitter werden jetzt nur noch 38 Prozent Edelmarzipan pro Schokoladentafel verarbeitet, vorher waren es 45 Prozent“, warnen die Verbraucherschützer. Ähnliches lässt sich auch bei der Sorte Chocolat Amandes Marzipan beobachten. Auch hier sinke der Anteil an Marzipan und Nougat um ein paar Prozentpunkte.

Haribo, Funny Frisch, Leerdammer: Höherer Preis, weniger Inhalt – Die größten Mogelpackungen

Leerdammer Original
Beim Käse „Leerdammer Original“ schlägt die Preiserhöhung gleich doppelt zu. Das Produkt kostet nicht nur 50 Cent mehr, sondern hat auch noch 20 Gramm weniger Inhalt. Insgesamt kommt das Produkt so auf eine Preiserhöhung von 43 Prozent. Andere Produkte der Marke sind auch um bis zu 40 Prozent im Preis gestiegen. Als Hauptgrund dafür nennt das Unternehmen die stark gestiegenen Preise für Milch. © Verbraucherzentrale Hamburg
Beerenmischung Gut & Günstig
Die Shrinkflation gibt es auch bei Eigenmarken. So wurde die Beerenmischung der Edeka-Marke Gut & Günstig um satte 60 Prozent teurer. Während man früher für 750 Gramm Beeren noch 2,49 Euro bezahlt hat, muss man nun 2,65 Euro für 500 Gramm bezahlen. Die Packungsgröße ist also um 250 Gramm geschrumpft – der Preis aber trotzdem gestiegen. Edeka nennt Ernteschwankungen und stark gestiegene Transportkosten als Grund. © Verbraucherzentrale Hamburg
funny-frisch ungarisch Multipack
Bei den kleinen Multipacks von Funny Frisch ist der Preis gleich geblieben. Doch in jeder Einzelpackung befinden sich zehn Gramm weniger Chips. Folgende Begründung liefert der Hersteller gegenüber der Verbraucherzentrale Hamburg: „Um unserem hohen Qualitätsanspruch weiterhin gerecht werden zu können, waren wir gezwungen, ab September 2022 den Kostenanstieg über eine Anpassung der Funny Frisch Chipsfrisch-Grammaturen auszugleichen. Dabei hat auch die Unsicherheit hinsichtlich der Verfügbarkeit einzelner Rohstoffe, wie beispielsweise Sonnenblumenöl eine große Rolle gespielt.“ © Verbraucherzentrale Hamburg
CD Cremeseife
Die Shrinkflation betrifft nicht nur Lebensmittel. Auch bei Drogerieprodukten schrumpfen die Verpackungsgrößen. Beispielsweise bei der CD Cremeseife. Diese wiegt bei gleichem Preis nur noch 100 statt 125 Gramm und ist somit um 25 Prozent teurer geworden. © Verbraucherzentrale Hamburg
Crunchips Cheese & Onion
Nicht nur Funny Frisch hat an der Preisschraube gedreht. Auch der Snack-Produzent Lorenz hat versteckt die Preise erhöht. In der Crunchips-Packung sind jetzt 25 Gramm weniger – doch der Preis bleibt gleich. Das kommt einer Preiserhöhung von 17 Prozent gleich. Als Grund nennt der Hersteller die Kostensteigerungen. © Verbraucherzentrale Hamburg
Verpoorten Desserts
Die Firma Merl hat den Preis für ihre Verpoorten Desserts im Rahmen einer Neugestaltung der Verpackung angepasst. Das Produkt ist zwar jetzt ein wenig billiger – doch mit deutlich weniger Inhalt. Grund dafür sei laut Merl die neue nachhaltige und hochwertige Glas-Verpackung. Diese sei schließlich teurer als Plastik. © Verbraucherzentrale Hamburg
Rewe 5-Korn-Müsli
Rewe hat die Verpackung des hauseigenen 5-Korn-Müslis deutlich verkleinert. Doch trotz reduziertem Preis geht damit immer noch eine Preissteigerung von 17 Prozent einher. Als Begründung für die Veränderung erklärt der Hersteller lediglich, dass alle Wettbewerber auch nur 750-Gramm-Packungen anbieten. Daher wurde die Größe verändert. © Verbraucherzentrale Hamburg
Calgon Power Pulver
Beim Wasserenthärter von Calgon hat sich der Hersteller eines besonderen Tricks bedient. Der Preis hat sich nicht verändert – nein es sieht sogar aus, als wäre jetzt mehr enthalten. Denn auf der alten Packung war angegeben, dass mit der Menge 46 Waschladungen möglich sind. Jetzt sind es 50 Waschladungen. Was jedoch nicht deutlich gemacht wird: Bei der alten Angabe mit 46 Waschladungen handelt es sich um die Anzahl der Wäschen mit sehr hartem Wasser – bei hartem Wasser wären damit sogar 71 Wäschen möglich. Die neue Angabe mit 50 Wäschen pro Packung bezieht sich allerdings nur auf hartes Wasser. Somit fehlen mit der neuen Mogelpackung insgesamt 21 Waschgänge. © Verbraucherzentrale Hamburg
Vivil Hustenbonbons
Auch bei den Hustenbonbons der Marke Vivil gibt es mittlerweile weniger fürs Geld. Insgesamt kostet die Packung mit jetzt 120 Gramm statt zuvor 132 Gramm 17 Prozent mehr. Als Grund nennt auch dieser Hersteller die gestiegenen Produktionskosten. © Verbraucherzentrale Hamburg
Haribo Roulette
Selbst der berühmte Gummibären-Hersteller Haribo scheut sich nicht vor der Shrinkflation. Bei der Sorte Roulette wurde jetzt schlichtweg eine Rolle entfernt, wodurch die Packung nur noch 150 Gramm wiegt. Der Preis bleibt gleich. Auch diverse andere Haribo-Sorten wiegen jetzt 25 bis 10 Gramm weniger. © Verbraucherzentrale Hamburg

Allerdings werden die Verbraucher nicht nur bei Schokolade hinters Licht geführt. Auch bei Marken-Stiehleis von Oreo, Daim, Milka, Langnese und Mars stellten die Hamburger Verbraucherschützer jüngst Mogeleien mit Preisen und Packungsgrößen bei Discountern und Supermärkten wie Edeka, Kaufland und Netto fest. Regelmäßig küren Verbraucherschützer diese Tricks des Handels als Mogelpackung des Monats, um so mehr Transparenz für Verbraucher beim Einkaufen zu schaffen.

Rubriklistenbild: © IMAGO

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