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E-Autos aufladen: Ladesäulen-Mangel in Deutschland – aber ist das überhaupt wichtig?

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Jedes Jahr gibt es mehr E-Autos auf deutschen Straßen, doch die Anzahl der Ladepunkte steigt nicht ausreichend mit. Könnte deshalb das Ziel für E-Autos verfehlt werden?

Hannover – Mit elektrischen Autos soll Deutschland klimafreundlicher und nachhaltiger werden. Immerhin gibt es bundesweit laut dem Statistischen Bundesamt (Destatis) fast 50 Millionen Autos, von denen die meisten mit einem herkömmlichen Verbrennungsmotor betrieben werden. Da kommt einiges an Emissionen zusammen, im Jahr 2020 über 680 Millionen Tonnen Kohlendioxid in der EU.

Die Pläne der Bundesregierung sehen vor, dass es bis zum Jahr 2030 rund 15 Millionen E-Autos in Deutschland geben soll. Aktuell sind es laut dem MDR nur etwa eine Million. Der Trend für elektrisches Fahren setzt sich aber bereits seit Jahren fort und wird immer größer. Doch der Entwicklung der E-Autos steht möglicherweise ein Hindernis im Weg: die Ladepunkte.

Zahl der E-Autos aktuellEine Million
Geplante Zahl der E-Autos15 Millionen
Ziel-Datum2030

E-Autos aufladen: Nur halb so viele öffentliche Ladepunkte wie geplant

Derzeit teilen sich im Bundesdurchschnitt über 20 Autos einen öffentlichen Ladepunkt – doppelt so viele wie ursprünglich geplant. Dabei kommt es auch zu starken regionalen Unterschieden, informiert der Verband der Automobilindustrie VDA. Damit die Wartezeiten an den Ladepunkten nicht zu lang werden, sei es wichtig, dass der Aufbau der Ladestationen dem wachsenden Bestand der E-Autos standhalte. In einer Studie der KFW-Bank wurde zudem festgestellt, dass 73 Prozent der E-Auto-Fahrer ihr Auto nicht an öffentlichen Stationen laden – mehr als die Hälfte lädt zu Hause und fast 20 Prozent am Arbeitsplatz.

Aktuell kommt im Durchschnitt bundesweit ein Ladepunkt auf 23 E-Autos. (Symbolbild)

Ein Mangel an öffentlichen Lademöglichkeiten wird trotzdem als einer der drei wesentlichen Hauptgründe aufgeführt, die für Fahrer gegen die Anschaffung eines E-Autos sprechen (neben dem Anschaffungspreis und Zweifeln an der Umweltbilanz). Die Bundesregierung plant deshalb bundesweit eine Million öffentlich zugängliche Ladepunkte bis zum Jahr 2030. Damit könnten die Ladepunkte als Grund, sich gegen ein E-Auto zu entscheiden, wegfallen. Doch wie entscheidend ist der schnelle Ausbau weiterer Ladepunkte wirklich?

Ladepunkte für E-Autos: Brauchen wir überhaupt mehr?

Kerstin Andreae, Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft BDEW, denkt nicht, dass mehr Ladepunkte auch zu mehr E-Autos führen werden. Der BDEW hält das Ziel der Bundesregierung von einer Million öffentlich zugänglichen Ladepunkten bis 2030 als „technisch überholt“.

Seit 2019 habe sich die Ladeleistung bei Fahrzeugen und Ladesäulen verdreifacht. Damit könnten pro Tag deutlich mehr Fahrzeuge an einer Ladesäule laden. Nicht mehr die Anzahl, sondern die installierte Ladeleistung sei relevant. Im vergangenen Jahr seien 80 Prozent mehr Ultra-Schnellladepunkte mit einer Ladeleistung von über 150 Kilowatt dazugekommen. Sie sieht die Anschaffungskosten als den entscheidenden Punkt und kritisiert statt den Mangel an Ladepunkten das Zurückfahren der stattlichen Förderungen.

Welche Autos gekauft werden, hängt auch davon ab, ob E-Autos oder Verbrenner in Zukunft günstiger sind. Zudem gibt es noch ganz andere Ideen als die Ladepunkte, beispielsweise wird in Bayern eine Strecke getestet, die E-Autos aufladen soll. (kiba/dpa)

Rubriklistenbild: © Jochen Tack/Imago

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