VonCarolin Gehrmannschließen
Das Aufbauen von Möbeln kann zu erheblichem Stress und Herzrasen führen. Bei welchen Ikea-Artikeln der Stress am größten ist – im Überblick.
München – Nicht nur ein Besuch in dem bekannten schwedischen Möbelhaus Ikea sorgt bei vielen Menschen für Stress, sondern offenbar auch der Aufbau der dabei erworbenen Möbelstücke. Denn die meisten Artikel werden in den Ikea-Filialen handlich verpackt in Einzelteilen verkauft und müssen von den Kunden in ihrem neuen Heim erst noch montiert werden.
Die Bauanleitungen sind dabei oft nicht auf den ersten Blick zu verstehen und nicht selten ist der neue Tisch oder das Regal anschließend leicht schief oder wackelig. Manchmal bleiben auch einzelne Schrauben und ein ungutes Gefühl zurück, da diese eigentlich einen Platz gehabt hätten und jetzt an unbekannter Stelle fehlen.
Menschen, die Ikea-Möbel selbst aufbauen, zeigten im Experiment Stresssymptome
Viele Menschen geraten bei dieser Aufgabe an ihre Grenzen – sie entwickeln echte Stresssymptome, wie die Online-Plattform „Hotukdeals“ ermittelt hat. In einem Experiment mit 100 Teilnehmern zwischen 18 und 60 Jahren wurden Zweierteams gebildet, die innerhalb eines vorgegebenen Zeitfensters zusammen einige der beliebtesten Ikea-Möbel aufbauen sollten. Über Pulsmesser wurde währenddessen ihre Herzfrequenz gemessen. Tatsächlich unterschied sich das Pulsniveau bei den 20 getesteten Möbeln nicht, bei allen war der Stress gleich hoch. Es gab sogar einen klaren Sieger, der die Probanden am stärksten ins Schwitzen brachte.
Dabei hat es durchaus auch positive Effekte auf die Psyche, seine Möbel selbst zusammenzubauen, wie aus einer Studie unter Beteiligung der Harvard University aus dem Jahr 2011 hervorgeht. So fanden die Forschenden heraus, dass es einen sogenannten „Ikea-Effekt“ gibt. Es zeigte sich nämlich, dass Menschen Einrichtungsgegenstände stärker wertschätzen, die sie selbst zusammengesetzt haben. Eine Begründung für dieses Phänomen sahen die Wissenschaftler in dem Erfolgserlebnis nach dem gelungenen Aufbau.
Bei einem Schrank von Ikea war purer Stress angesagt – auch wegen der schlechten Erfolgsquote
Doch es geht auch anders. Vor allem der Ikea-Kleiderschrank aus der Reihe „Pax“ sorgte bei den Teilnehmern des jüngsten Experiments für Stress pur. Dabei handelt es sich um ein individuell zusammensetzbares Schranksystem mit vielen Türen, Schubladen und Eckelementen – das alles noch in unterschiedlichen Höhen und Breiten. Da ist es wenig verwunderlich, dass die Herzfrequenz des Teams „Pax“ während des Aufbaus um rund 20 Prozent anstieg. Auch das Erfolgserlebnis blieb oft aus: Nur rund die Hälfte der Teams schaffte es, den Schrank innerhalb des vorgegebenen Zeitfensters vollständig zusammenzusetzen. Vor Kurzem verriet eine ehemalige Ikea-Mitarbeiterin sieben Dinge, die Kunden im Geschäft besser nicht machen sollten.
Auch einige Betten-Modelle von Ikea trieben den Puls in die Höhe
Aber nicht nur Pax bringt Menschen an den Rand der Verzweiflung, auch andere Stücke des schwedischen Möbelriesen machen es den Menschen nicht gerade leicht. Das „Kallax“-Regal hingegen schon. Der Aufbau des Klassikers fiel den Probanden im Vergleich relativ leicht, was an seiner recht simplen Konstruktion liegen dürfte.
In Sachen Stresslevel zeigte sich in dem Experiment mit den Ikea-Möbeln folgende Reihenfolge:
- „Pax“ Schrank
- „Brimnes“ Bett
- „Hemnes“ Bett
- „Besta“ TV-Board
- „Besta“ Sideboard
- „Eket“ Schrank
- „Hemnes“ Kommode
- „Nordli“ Bettgestell
- „Nikkeby“ Kommode
- „Trulstorp“ Couchtisch
- „Songesand“ Bettgestell
- „Regissör“ Schrank
- „Bekannt“ Schreibtisch
- „Lommarp“ Schreibtisch
- „Brimnes“ Kleiderschrank
- „Idanäs“ Sideboard
- „Godmorgon“ Spiegelschrank
- „Norden“ Tisch
- „Billy“ Regal
- „Kallax“ Regal
Ikea: Puls steigt beim Aufbau von Bettgestellen
Beim „zweitplatzierten“ Bettgestell „Brimnes“ stieg der Puls der Teilnehmer demnach um rund 18,5 Prozent an. Derselbe Wert wurde auch beim Aufbau des Betts „Hemnes“ ermittelt. Die Erfolgsquote beim Zusammensetzen war bei „Brimnes“ allerdings geringer: nur 62 Prozent schafften es, das Bett rechtzeitig aufzubauen. Bei „Hemnes“ schafften es immerhin 64 Prozent. Auch bei Möbelstücken zur Selbstmontage von anderen Herstellern dürfte es ähnlich aussehen.
Der „Ikea-Effekt“ wurde innerhalb des Experiments auch untersucht. Dabei zeigte sich, dass das Erfolgserlebnis und die Zufriedenheit nicht mit dem Schwierigkeitsgrad anstieg. Am zufriedensten waren demnach die Teilnehmenden, die Möbelstücke aus dem mittleren Stress-Bereich aufgebaut hatten. Bleibt nur zu hoffen, dass der stressige Aufbau von „Pax“ oder einem der Betten den Teilnehmenden nicht den Schlaf raubt. (Carolin Gehrmann)
Rubriklistenbild: © Jochen Tack/IMAGO

