Adieu Europa

Porsche Cayenne Turbo GT: Super-SUV steht vor dem Aus

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Wieder einer weniger. Ab Mitte April wird es das Spitzenmodell des Porsche Cayenne, den Turbo GT mit 640 PS, nicht mehr geben.

Brüssel mustert aus. Zu viel CO2 – zu schmutzig. Die dritte Generation des neben dem Macan wohl erfolgreichsten Porsche-Modells der Neuzeit muss ohne seine fahrtechnische Speerspitze auskommen. Zumindest in Europa. Zwar bekommt der Cayenne Turbo GT mit dem Cayenne S einen Nachfolger, der zwar auch einen Achtzylinder hat, aber mit 165 PS deutlich schwächer ist. Was der Cayenne Turbo GT kann, beweist er auf der Rennstrecke – und zwar nicht irgendeiner Rennstrecke: 600 Kilometer Nürburgring-Nordschleife haben uns davon überzeugt.

Hetzjagd durch die 78 Kurven der Nürburgring-Nordschleife mit dem Porsche Cayenne GT Turbo, natürlich geführt von einem Rennfahrer.

Porsche Cayenne Turbo GT – Abschied auf der Nordschleife

Die Strecke: Die Nordschleife in der Eiffel ist Legende. Ihr Spitzname: Die Grüne Hölle. So hat sie der Rennfahrer Jackie Stewart anno 1968 bezeichnet als er den Nürburgring beim Anflug zum ersten Mal sah. Für Niki Lauda endete der Große Preis von Deutschland acht Jahre später mit einem brutalen Crash – es war das letzte Formel-1-Rennen auf der Nordschleife. Der Formel-1-Zirkus ging, der Kult blieb. Bergwerk, hohe Acht, Schwedenkreuz, Galgenkopf. So heißen einzelne Streckenabschnitte. 78 Kurven hat die Nordschleife heute, Steigungen bis 18 und Gefälle bis 11 Prozent machen den 20,832 Kilometer langen Kurs zur Achterbahnfahrt. „Die Nordschleife ist eigentlich keine Rennstrecke“, sagt Porsche-Testfahrer Lars Kern, „sondern ein asphaltierter Feldweg. Wahnsinnig eng, dafür ziemlich schnell.“

Die zehn seltensten Autos der Welt – und was sie kosten

Das wertvollste Auto der Welt: Mercedes-Benz 300 SLR Uhlenhaut Coupé.
Uhlenhaut-Coupé: Teurer als der Mercedes 300 SLR Coupé, benannt nach dem Ingenieur und Daimler-Benz-Vorstand Rudolf Uhlenhaut, ist kein anderes Auto auf der Welt. Es erzielte bei einer Versteigerung 135 Millionen Euro. Ein weiteres Exemplar des für Autorennen konzipierten, aber nie eingesetzten 302-PS-Wagens von 1955 steht (ohne Motor) im Stuttgarter Mercedes-Museum. © Mercedes-Benz AG – Communicati
Ferrari 250 GTO
Ferrari 250 GTO: Gerade mal 39 dieser Rennwagen wurden von 1962 bis 1964 produziert. Damals kostete das Coupe mit 301 PS starkem V12-Motor 18.000 US-Dollar – vor einigen Jahren erzielte ein von Stirling Moss pilotiertes Exemplar bei einer Auktion über 38 Millionen Dollar. Ein anderer Wagen soll sogar für 70 Millionen Dollar privat verkauft worden sein. © Simon West/Imago
Aston Martin DB4 GT Zagato
Aston Martin DB4 GT Zagato: 20 Exemplare der leichteren und verbesserten Version des normalen DB4 wurden Anfang produzierte Aston Martin Anfang der 60er-Jahre. Eines der 314 PS starken Coupés mit viel Alu-Teilen wurde vor Kurzem für 14,3 Millionen Dollar versteigert. © Ingo Wagner
Mercedes 300 SL Flügeltürer
Mercedes 300 SL Flügeltürer: 1.400 Coupés und 1.858 Roadster baute Mercedes von 1954 bis 1963 – die frühere, geschlossene Version mit den charakteristischen, nach oben schwingenden Türen ist also die rarere und auch höher gehandelte. Der bisherige Auktions-Höchstpreis des bis zu 240 PS starken Sechszylinder-Sportlers liegt bei 4,62 Millionen Dollar. © Oscar Gonzalez/Imago
Lamborghini Veneno
Lamborghini Veneno: Der (wie bei der VW-Tochter üblich) nach einem Kampfstier benannte Extremsportler wurde ab 2013 nur fünf mal gebaut. Die Leistung des V12-Motors ist mit 740 PS gar nicht mal besonders spektakulär, trotzdem fand der Roadster für die aufgerufenen 4,5 Millionen Dollar problemlos seine Käufer. © Lamborghini
Maybach Exelero
Maybach Exelero: 2005 war so einiges anders. Die Mercedes-Benz Group hieß noch DaimlerChrysler, Maybach agierte als eigenständige Marke – und baute für den Reifenhersteller Fulda diese Version der Luxus-Limousine mit 700 PS starkem V12-Motor. Gerüchten zufolge kaufte ein US-Rapper das Einzelstück, das immer mal in TV-Serien und Musik-Videos zu sehen war, für acht Millionen US-Dollar. © Mercedes-Benz
Jaguar XKSS
Jaguar XKSS: Nur 16 Exemplare dieses 237 PS leistenden Roadsters bauten die Briten 1956 und 1957. Hollywood-Star Steve McQueen erstand einen für vergleichsweise lächerliche 5.000 Dollar, der Wert dieses speziellen Exemplars wird heute auf 30 Millionen Dollar geschätzt. Schnäppchenjäger können den „Jag“ aber schon für 1,5 Millionen schießen. © Daniel Prest/Imago
Ferrari Testa Rossa
Ferrari 250 Testa Rossa: Der Rennwagen wurde 1957 bis 1961 in verschiedenen Varianten und mit bis zu 390 PS 34 mal gebaut. Der mittlerweile legendäre Name steht für die roten Zylinderköpfe. Das bislang teuerste Exemplar wurde für 39,8 Millionen US-Dollar versteigert. © epa ansa Benvenuti/Ho
BMW 507
BMW 507: Der ikonische Roadster von Designer Albrecht Graf von Goertz wurde 1956 bis 1959 nur 252 mal gefertigt. Mit 150 PS war er seinem direkten Konkurrenten, dem offenen Mercedes SL 300, zwar leistungsmäßig unterlegen, US-Stars wie Elvis Presley griffen trotzdem zu – sein Exemplar ist heute wieder in BMW-Besitz. Der Marktwert für gut gepflegte 507 liegt bei etwa zwei Millionen Dollar. © Imago
W Motors Lykan HyperSport
W Motors Lykan HyperSport: Der durch den Film „Furious 7“ bekannte, 792 PS starke Supersportler ist das einzige nicht europäische Auto dieser Liste – er stammt nämlich aus dem Libanon. Seit 2012 wurde er sieben mal gebaut, im Preis von 3,4 Millionen Dollar sind 420 Diamanten an den Scheinwerfern inbegriffen. © Ali Haider

Die Höllenmaschine des Cayenne Turbo GT

Die Maschine: Mit 640 PS bringt der Porsche Cayenne Turbo GT eine gepfefferte Leistung auf die Straße. Das Top-Modell der Cayenne-Reihe hat den stärksten Achtzylinder, den Porsche je gebaut hat, unter der Motorhaube. Doppelt aufgeladen schiebt er schon im unteren Drehzahlbereich gewaltig an. Ab 2.300 U/min liegt das volle Drehmoment von 850 Newtonmetern an. Nach 3,3 Sekunden erreicht die Wuchtbrumme Tempo 100. Damit lässt ein ausgewachsenes SUV sogar einen ausgesprochenen Sportwagen wie den 911er GT 3 stehen. Der Cayenne ist tatsächlich um ein Hundertstel schneller. Im Vergleich zum herkömmlichen Turbo-Modell liegt der Turbo GT um 17 Millimeter tiefer, auffällig ist die größere Spoilerlippe an der Heckklappe. Sie bringt noch mal 40 Kilogramm mehr Anpressdruck auf die Räder. Den können wir gut gebrauchen.

Der kann ja sogar fliegen. Abgehoben gut ist der Porsche Cayenne Turbo GT.

Cayenne Turbo GT: Ein Elefant unter Flundern

Der Scout: Wir sind natürlich nicht allein unterwegs auf der Nordschleife. Heute ist Perfektionstraining der Zeitschrift sport auto. Und deshalb haben wir dann doch ein Alleinstellungsmerkmal: Wir sind die einzigen SUV´s unter lauter flachen Flundern. Echte Exoten. Um hier trotzdem bestehen zu können, haben sie uns einen der besten Nordschleifen-Kenner zur Seite gestellt, den es gibt. Den Rennfahrer Timo Kluck (50). Er ist Reifentester für Porsche und ein echter Eiffeler, aufgewachsen in Adenau, nur 5 Kilometer entfernt. Der Vater hat hier schon Nachtwache geschoben, drüben im Haus A. Timo und seine Freunde verbrachten als Kinder und Jugendliche fast ihre ganze Freizeit an der Nordschleife. „Wir haben Pfandflaschen gesammelt, damit wir unsere Pommes bezahlen konnten“, erzählt Timo. Er hat die Nordschleife im Blut – wie viele Kilometer er hier unterwegs war, das weiß er nicht mehr. Dafür erinnert er sich genau an das erste Mal. Ganz ohne Führerschein. „200 Meter nach dem Start hat mich ein Kumpel an das Steuer seines Autos gelassen.“ Seitdem hat ihn der Ring in den Bann geschlagen. „Die Faszination lässt einen nie mehr los, die bleibt ein Leben lang“, grinst er – und steigt in seinen roten 911er Turbo ein.

  • Porsche Cayenne Turbo GT
  • Motor/Antrieb                             V8 Biturbo Benziner / Heck
  • Leistung / Drehmoment             471 kW (640 PS) / 850 Nm
  • V. max / 0 -100 km/h                  300 km/h / 3,3 s
  • Länge / Breite / Höhe                4,94 / 1,96 / 1,64 m
  • Gepäckraum / Leergewicht        549 - 1464 l / 2.220 kg
  • Verbrauch / CO2                        14,1 l / 319 g/km 
  • Preis:                                         ab 205.003 Euro              

Nordschleife: Wer hier abfliegt, der fliegt wirklich

Der Selbstversuch: Walkie-Talkie im Flaschenhalter, Helm auf dem Kopf, Schweiß an den Händen. So warten wir auf unseren Start. Ein Elefant unter Flundern. Timo gibt mit seinem 911er den Takt an, zeigt die ideale Fahrlinie und krächzt Tipps über das Walkie-Talkie. Wir stürzen uns in das Abenteuer „Nordschleife“ und stürmen mit den Cayennes hinterher. Mit einigem Mut – aber auch mit „viel Respekt und Demut“, wie Lars Kern uns beim Briefing eingeschärft hat. Wie von Furien gehetzt, jagen wir durch die Eiffel. „Asphaltierter Feldweg“. Wie treffend. Wahnsinnig eng ist es hier eigentlich die ganze Zeit. Kaum Auslaufzonen. Wer hier abfliegt, der fliegt wirklich. Deshalb ist das mit dem Respekt keine schlechte Idee. Runde um Runde wird das Herzklopfen ruhiger, nicht alleine deshalb, weil man die Strecke besser kennt. Der Cayenne GT Turbo gibt auch Sicherheit. Die Bremsen beißen kräftig und beherzt zu, das Lenkrad liegt perfekt in der Hand, um mit chirurgischer Präzision die 78 Nordschleifen-Kurven zu meistern. Das Fahrwerk zähmt die Fliehkräfte in den Kurven so perfekt, dass man wirklich glaubt in einem Sportauto zu sitzen. Dafür hat der Cayenne jede Menge Technik an Bord. Allradlenkung, Allrad-Antrieb mit Torque Vectoring, 4D-Chassis-Control und noch viel mehr. Das alles arbeitet im Hintergrund, um das Selbstwertgefühl des Fahrers auf dezente Art und Weise zu fördern. Funktioniert prächtig. Wir sind Rennfahrer.

Smalltalk am Ring. Porsche Rennfahrer Lars Kern (links) drehte eine Runde mit Autor Rudolf Bögel. Eine kleine Lehrstunde.

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Cayenne Turbo GT: Rekord am Nürburgring

Die Lehrstunde: Derartig gestärkt, wagen wir nun eine Runde mit Lars Kern als Beifahrer. Mit dem Cayenne Turbo GT hat er 2021 den aktuellen Nordschleifen-Rundenrekord für SUVs aufgestellt. 7:38,92 Minuten. Schon Kerns erster Versuch war erfolgreich. „Aber ich war nicht richtig zufrieden mit der Fahrt“, erzählt der 35-Jährige. „Also neuer Satz Reifen, dann nochmal in die Grüne Hölle. Ich war drei Sekunden besser, das ist schon eine Hausnummer auf dem Nürburgring.“ Kern nimmt neben uns Platz. Schließlich will man ja etwas lernen. Und noch mal 20 Kilometer über die Nordschleife, so perfekt wie möglich. Mit einem Gefühl zwischen „Wahnsinn ist das toll“ und „Du bist ja völlig wahnsinnig“ geht es über den Kurs. Beim Abkühlen kurz vor dem Zieleinlauf holen wir uns Tipps. „Vor den Kurven erst stark, dann sanft bremsen, weil das Fahrwerk dann feiner reagiert“, sagt er. Auch beim Lenken sieht er Verbesserungspotenzial: „Sanft und rund lenken und nach der Kurve erst dann Gas geben, wenn das Steuerrad wieder in die richtige Richtung zeigt.“ Alles logisch: Ein sauberer Fahrstil zahlt auf die Rundenzeit ein. Machen wir beim nächsten Mal. Denn der Ring, der hat nach 600 Kilometern Selbstversuch, jetzt auch die Macht über uns. Rudolf Bögel

Rubriklistenbild: © Porsche

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