Gewinner und Verlierer im Überblick

Lebensmittel-Ampel hat neue Regeln: Das bedeutet die neue Bewertung für Verbraucher

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Die Berechnung des Nutri-Score wurde überarbeitet. Schlechte Inhaltsstoffe werden kritischer bewertet. Ein Problem stellt die lange Übergangsfrist dar.

München – Im Herbst 2020 wurde der Nutri-Score in Deutschland als freiwillige Kennzeichnung eingeführt. Seitdem findet sich die Lebensmittel-Ampel mit ihrer Bewertungsskala von A bis E auf zahlreichen Lebensmitteln. Sie erlaubt es Verbrauchern, Produkte gleichen Typs auf einen Blick zu vergleichen und die gesündere Option wählen zu können. Es gab jedoch auch immer wieder Kritik: sowohl an der Berechnung des Nutri-Scores als auch daran, dass die Lebensmittel-Ampel nicht Produktkategorie-übergreifend verwendet wird.

Verbraucherschützer mokierten insbesondere, dass einige Inhaltsstoffe nicht berücksichtigt wurden und manch schlechter Inhaltsstoff nicht zu genug Punktabzug führte. Nun wurde jedoch nachgebessert. Die französische Gesund­heits­behörde Santé publique, die für den Nutri-Score verantwortlich zeichnet, hat bei der Berechnung nachgebessert, wie Stiftung Warentest berichtet. Für viele Lebensmittel bedeutet das in Zukunft eine schlechtere Bewertung. Es gibt jedoch auch einige Aufsteiger.

Neue Regeln beim Nutri-Score – Salz, Zucker und Fett führen zu schlechterer Lebensmittel-Ampel-Bewertung

Um den Nutri-Score eines Produkts zu bekommen, werden Punkte für positive wie negative Eigenschaften vergeben und verrechnet. Zu den positiven Inhaltsstoffen zählen Ballast­stoffe, Eiweiß sowie ein hoher Pflanzen­anteil. Negativ sind hingegen Zucker, Fett oder Salz.

Der Nutri-Score einiger Lebensmittel wird angepasst, um aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse besser zu reflektieren.

In Zukunft werden einige Stoffe differenzierter behandelt, um neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen Rechnung zu tragen. Beispielsweise Zucker. Zum einen kann ein hoher Zuckergehalt einem Produkt nun bis zu 15 Negativpinkte einbringen (bisher 10). Zum anderen können Hersteller bei der Bewertung nicht länger durch die Verwendung von Süßstoffen tricksen. Auch hierfür gibt es künftig Negativpunkte.

Noch härter trifft es Produkte mit hohem Salzgehalt wie beispielsweise Chips oder Salzstangen. Übermäßig salzige Lebensmittel werden künftig mit bis zu 20 Punkten abgestraft, so Stiftung Warentest. Und Produkte, die rotes Fleisch enthalten, können künftig maximal mit C bewertet werden. Denn: dieses wird von der WHO als krebserregend eingestuft.

Nüsse, Natürliche Öle und Fisch sind die Gewinner den neuen Regeln bei der Lebensmittel-Ampel

Durch die Anpassung werden viele Produkte künftig schlechtere Bewertungen haben. Es gibt jedoch auch einige Neuerungen, die Produkten zu besseren Bewertungen verhelfen können. So wird das Thema Fette in Zukunft differenzierter betrachtet. Das kommt unter anderem Fisch zugute, der dank der enthaltenen gesunden Omega-3-Fette in Zukunft eine bessere Bewertung erhält.

Auch Nüsse und natürliche Öle wie beispielsweise Olivenöl werden künftig anders eingestuft. Bisher bekamen sie aufgrund ihres hohen Fettgehalts stets nur sehr schlechte Bewertungen, obwohl sie in Maßen durchaus gesund sind. Jaana Kleinschmit von Lengefeld, Präsidentin des Verbands der ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland (OVID), begrüßt diesen Schritt. „Pflanzliche Öle und Fette sind elementarer Bestandteil unserer gesunden Ernährung“, so von Lengefeld gegenüber der dpa.

Verbraucherzentrale kritisiert kulante Übergangszeit beim Nutri-Score

Für die Verbraucher ist die Neuregelung an sich positiv. Es gibt jedoch einen Haken: Die Hersteller haben bis Ende 2025 Zeit, die Lebensmittel-Ampel auf ihren Verpackungen dem neuen Berechnungs-Standard anzupassen. In dieser Zeit darf die bisherige Auszeichnung weiter verwendet werden und auch Produkte mit alter und neuer Auszeichnung parallel verkauft werden.

Das kann schnell zu Verwirrung im Supermarkt führen, zumal für Verbraucher nicht ersichtlich ist, ob ein Nutri-Score nach neuem oder alten Berechnungs-Standard zustande gekommen ist. Die Verbraucherzentrale Hambürg übt daran ganz klar Kritik. „Das ist aus unserer Sicht ein Versäumnis, das ohne Not die Glaubwürdigkeit des Nutri-Score einschränken kann.“, heißt es auf der Webseite der Verbraucherzentrale. (sp)

Rubriklistenbild: © Markus Mainka/Zoonar/IMAGO

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