In „stark erhöhten“ Mengen

Öko-Test meldet Fund: Chemikalie in zahlreichen Dosentomaten – lediglich zwei Ausnahmen

  • schließen

Bei einer Untersuchung von Dosentomaten hat „Öko-Test“ in der Mehrzahl ein gefährliches Hormongift nachgewiesen. Die Mengen sind teils groß.

München – Das Verbrauchermagazin „Öko-Test“ hat in einer neuen Testreihe 20 verschiedene Dosentomaten untersucht und dabei einen kritischen Fund gemacht. Auch wenn der Großteil der Produkte zunächst positiv auffiel und zusammenfassend kaum Hinweise auf Pestizide oder Schimmelpilzgifte gefunden wurden, konnte bei der Untersuchung in fast allen getesten Dosentomaten das Gift Bisphenol A (BPA) in „stark erhöhten“ Mengen nachgewiesen werden. Dabei erleichtern Dosentomaten das Kochen eigentlich sehr, nur bei der Lagerung sollten einige Dinge beachtet werden.

Bei Bisphenol A handelt es sich laut dem Bundesinsitut für Risikobewertung (BfR) um „eine Industriechemikalie, die vor allem als Ausgangssubstanz für die Herstellung von Polycarbonatkunststoffen“ verwendet wird. Aus den Kunststoffen werden wiederum Behälter und Flaschen für Lebensmittel hergestellt, darunter auch Konservedosen. Das Problem mit Bisphenol: Nach dem europäischen Chemikalienrecht gilt BPA als besonders besorgniserregende Substanz. Sie wurde 2016 als reproduktionstoxisch eingestuft, da das Gift fortpflanzungsschädigende Eigenschaften sowie eine hormonähnliche Wirkungsweise vorweist. 

Hormongift: 18 von 20 Dosentomaten sind laut Öko-Test mit Bisphenol A belastet

„Öko-Test“ konnte in 18 der 20 getesteten Dosen-Tomaten das Hormongift in einer Menge nachweisen, die weit über den empfohlenen TDI-Wert („Tolerierbarer täglicher Einnahmewert“) hinausgeht. Denn die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (ESFA) hatte den TDI-Wert nach einer wissenschaftlichen Langzeitstudie erst in diesem Jahr deutlich gesenkt. Während der Wert von 2015 bis 2023 bei 4 Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht Pro Tag lag, wurde er nun auf 0,2 Nanogramm gesenkt. „Der TDI-Wert ist etwa 20.000 Mal niedriger als zuvor“, erklärt die ESFA dazu.

Mit dem neuen, strengeren TDI-Wert schneiden einige Dosentomaten bei „Öko-Test“ sehr schlecht ab. Bei einer Marke sei der Wert sogar so hoch, dass ein erwachsener Mensch mit 60 kg Körpergewicht beim Verzehr innerhalb einer Woche „28 Mal mehr Bisphenol A (BPA) aufnimmt, als die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) nach neuester Einschätzung für unschädlich hält“.

Selbst bei den Dosentomaten in der Testreihe, in denen die niedrigste Menge des Hormongifts nachgewiesen wurde, ist der Wert immer noch viermal so hoch als der TDI-Wert der EFSA. Eine wichtige Anmerkung: Bei dem TDI-Wert handelt es sich um keinen gesetzlichen Grenzwert. Die nachgewiesenen Mengen in den Dosentomaten befinden sich laut „Öko-Test“ rechtlich gesehen im vorgeschriebenen Rahmen.

Öko-Test findet Hormongift in Dosentomaten - in deutlich höheren Mengen als empfohlen

Der empfohlene TDI-Wert unterscheidet sich zudem je nach Behörde. Anders als die EFSA auf Europa-Ebene hat das BfR in Deutschland den Wert 200 Nanogramm pro Kilogramm Körpergewicht und Tag festgelegt. Die Entscheidung sei auf Grundlage von mehr als 600 Studien erfolgt. Damit ist er wiederum viel höher und „lockerer“ als der aktuelle Wert der EFSA und erlaubt größere Mengen.

Die Öko-Tester konnten in 18 von 20 untersuchten Dosen mit geschälten Tomaten das Hormongift Bisphenol A nachweisen.

Besonders auffällig bei der Untersuchung von „Öko-Test“ war, dass die achtzehn von zwanzig Dosentomaten aus Konservedosen stammen. Die einzigen Produkte, in denen das Hormongift nicht gefunden wurde, waren Tomaten im Glas. Dabei hätten sämtliche Anbieter mit Konservedosen gegenüber „Öko-Test“ versichert, dass sie sogenannte BPA-non-intent-Dosen verwenden. In diesen Dosen kommt bewusst kein Bisphenol A zum Einsatz. Einige hätten die Behauptung sogar mit Zertifikaten bewiesen.

Öko-Test: 18 von 20 Dosentomaten enthalten Hormongift BPA - mit zwei Ausnahmen

Befindet sich das Gift somit aus Umwelteinflüssen in den Tomaten selbst und nicht in der Verpackung? „Wir halten das für wenig wahrscheinlich: Denn in den einzigen beiden Testprodukten aus dem Glas hat unser Labor trotz hypersensibler Methode kein BPA messen können“, schreibt „Öko-Test“ weiter.

So schneiden die Produkte ab – zwei sind laut „Öko-Test“ zumindest frei von Bisphenol A, überzeugen kann jedoch nur ein Produkt:

  • 1. Testsieger: „La Selva Pomodorini Pelati, Kleine geschälte Tomaten“, Preis (pro 400 Gramm): 2,61 €
    Schimmelpilze: Spuren | BPA: nein | Testergebnis Inhaltsstoffe: sehr gut | Herkunft: Norditalien / Toskana | Faire Arbeitsbedingungen: überwiegend
    Gesamturteil: gut
  • 2. Platz – trotz BPA: „Alnatura Ganze Tomaten geschält“, Preis (pro 400 Gramm): 0,99 €
    Schimmelpilze: Spuren | BPA: stark erhöht | Testergebnis Inhaltsstoffe: befriedigend | Herkunft: Süditalien | Faire Arbeitsbedingungen: vollständig
    Gesamturteil: befriedigend
  • 3. Kein BPA, aber nur ausreichend: „Naturata Geschälte Tomaten, Demeter“, Preis (pro 400 Gramm): 2,18 €
    Schimmelpilze: Spuren | BPA: nein | Testergebnis Inhaltsstoffe: sehr gut | Herkunft: Nordspanien | Faire Arbeitsbedingungen: gering
    Gesamturteil: ausreichend
  • 4. Durchgefallen: „Manufactum San Marzano Tomaten, ganz und geschält“, Preis (pro 400 Gramm): 2,90 €
    Schimmelpilze: AOH erhöht | BPA: stark erhöht | Testergebnis Inhaltsstoffe: mangelhaft | Herkunft: Süditalien | Faire Arbeitsbedingungen: überwiegend
    Gesamturteil: mangelhaft

In der vergangenen Ausgabe hatte das Verbrauchermagazin zahlreiche Sonnencremes unter die Lupe genommen. Zuletzt überzeugten diverse Katzenfutter beim „Öko-Test“ überraschenderweise; dabei handelte es sich um rein pflanzliche Nahrungsprodukte für die Miezen. (nz)

Rubriklistenbild: © Bernd Diekjobst/dpa-tmn

Kommentare