Nachhaltige Schokolade

Schokolade zu Ostern – diese Hersteller können Experten überzeugen

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Beim Einkauf fürs Osternest darf eines nicht fehlen - Schokolade. Doch meist steckt hinter der leckeren Süßigkeit eine nicht so schöne Kakao-Industrie.

Wer an Ostern Schokolade kauft, verliert schnell den Überblick im riesigen Sortiment. Nicht nur auf Geschmack und Lieblingsmarke sollte geachtet werden, sondern auch auf das Thema Nachhaltigkeit. In Deutschland werden laut der Regenwaldstiftung „Oro Verde“ jährlich 400.000 Tonnen Kakaobohnen verarbeitet, von denen 2017 nur rund 8% aus Fairtrade-Anbau stammten. Dennoch wurden laut dem „Spiegel“ im Jahr 2019 über 114 Millionen Schoko-Osterhasen produziert, was einer Menge von 1,4 Hasen pro Kopf entspricht.

Afrika produziert 63 Prozent der weltweit angebauten Kakaobohnen, das erschreckende daran: Circa 200.000 Kinder werden auf Kakaoplantagen in West- und Mittelafrika zur Arbeit gezwungen, wie die Website „Ecowoman“ berichtet. Des Weiteren wird durch Monokulturen die Artenvielfalt auf vielen Plantagen enorm reduziert. Zur Gewinnung neuer Anbauflächen werden Hektarweise natürliche Regenwälder abgeholzt und somit der Lebensraum vieler wichtiger Tier- und Pflanzenarten zerstört.

„The Chocolate Scorecard“ misst zu Ostern die Nachhaltigkeit von 56 Schokoladenunternehmen

Passend zu Ostern veröffentlicht die „Chocolate Scorecard“, ein Gemeinschaftsprojekt von 37 NGOs, 25 Fachexperten und drei Universitäten, jährlich eine Schokoladen-Studie. Laut eigenen Angaben sind sie „die größte Umfrage ihrer Art“, genauer gesagt bewerten sie die Beschaffungsrichtlinien und -praktiken von 56 der weltweit größten Schokoladenunternehmen, darunter Händler, Verarbeiter und Hersteller. Diese würden wohl rund 95 Prozent der weltweiten Schokoladenprodukte ausmachen und Giganten wie Mars, Lindt, Nestlé und Ferrero umfassen.

Die „Chocolate Scorecard“ besitzt ein eigenes Bewertungssystem, bei dem Unternehmen auf die Probe gestellt werden und zu Vorreitern und Verlierern ernannt werden. In sechs Bereichen werden die Firmen und Einzelhändler miteinander verglichen: Rückverfolgbarkeit und Transparenz, Lebensfähiges Einkommen, Kinder- und Zwangsarbeit, Waldrodung und Klima, Agroforstwirtschaft und Agrarchemisches Management. So lässt sich auch abwägen, inwiefern die Schokolade im Osternest nachhaltig ist.

Ein Osternest mit einem Goldhasen von Lindt.

Ferrero, Lindt und Nestlé - so bewertet die „Chocolate Scorecard“ die Schokoladenhersteller zu Ostern

Zusammen mit vier anderen Marken schneidet die derzeit in Deutschland immer beliebter werdende Marke „Tony‘s Chocolonely“ am besten ab und gilt somit als „Führend in der Branche in Bezug auf Richtlinien und Auswirkungen“. Viele bekannte Marken wie „Rittersport“, „Ben&Jerrys“, „Nestlé“ (Smarties), „Ferrero“ (Kinder; Nutella) oder „Mars Wrigley“ (Snickers; Mars) schneiden nur mittelmäßig ab und haben noch viel Luft nach oben auf ihrem Weg zur nachhaltigen und fairen Schokolade.

Der Hersteller des goldenen Schoko-Osterhasen „Lindt & Sprüngli“ stehe laut der Nachforschung erst am Anfang der Implementierung von guten Richtlinien. Auch wenn die goldenen Hasen besonders qualitativ aussehen, müsse bei den Themen lebensfähiges Einkommen, Waldrodung und Klima oder Agrarchemisches Management viel mehr an den Richtlinien und der Umsetzung gearbeitet werden. Die Hersteller „Storck“ (Toffifee) und „Kelloggs“ schneiden extrem schlecht ab und müssen gegenüber der Industrie stark aufholen. Für ein nachhaltiges Osternest sollte von manchen Marken also eher abgesehen werden.

Aldi, Lidl und Co. - hier kaufen sie laut „The Chocolate Scorecard“ am besten ein

Wer zum an Ostern zum Schokoladenkauf in den Discounter geht, sollte am besten bei Aldi einkaufen. Der Einzelhändler steht in diesem Jahr nämlich auf Platz Eins der „Chocolate Scorecard“. In vier der abgefragten Bereichen wird hier die Umsetzung von Initiativen und Partnerschaften zusätzlich zur Zertifizierung begonnen oder läuft schon. Nur beim Thema Waldrodung und Klima verlässt Aldi sich derzeit wohl noch auf Zertifizierungen.

Lidl hingegen befindet sich nur im mittleren Bereich des Rankings. Was Kinder- und Zwangsarbeit, Waldrodung und Klima und Agroforstwirtschaft angeht, würde sich der Einzelhändler nämlich nur auf Zertifizierungen verlassen. Die Einzelhändler Edeka und Metro haben aufgrund fehlender Transparenz keinen Platz im Ranking, da sie entweder nicht geantwortet oder die Umfrage nicht abgeschlossen haben.

Rubriklistenbild: © Angelika Warmuth/dpa

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