Abgasnorm Euro 7 durch Umweltausschuss deutlich abgemildert – „Wendung zum Realismus“
VonSebastian Oppenheimer
schließen
Die strengen Abgasregeln der Euro-7-Norm scheinen sich in Luft aufzulösen. Der Umweltausschuss des EU-Parlaments stimmte nun für eine deutlich abgemilderte Variante.
Mit der von der EU-Kommission im November 2022 vorgelegten Abgasnorm Euro 7 sollten noch einmal deutlich verschärfte Grenzwerte für die Emissionen von Pkw gelten. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) zeigte sich damals wenig begeistert: Die Normen seien „in kurzer Zeit kaum bis nicht erfüllbar“, teilte der Verband auf X (ehemals Twitter) mit. Die Folge der Verschärfung seien deutlich höhere Kosten für Verbraucher. Ganz offensichtlich wurden die Klagen der Autobranche erhört: Die drastische Verschärfung der Grenzwerte kommt wohl in der geplanten Form doch nicht.
Kaum Veränderungen der Grenzwerte: Es bleibt im Prinzip bei Euro 6
Der Umweltausschuss des EU-Parlaments (ENVI) votierte mit 52 zu 32 Stimmen für eine abgemilderte Version des Vorschlags der EU-Kommission. Auch die Fristen für die Umsetzung wurden verlängert. Eingeführt werden sollten die verschärften Euro-7-Vorschriften für Pkw bereits ab 2025 – doch nun heißt es in einer ENVI-Mitteilung, die Euro-6-Vorschriften für Pkw und Transporter würden erst im Sommer 2030 aufgehoben, für Busse und Lkw erst im Sommer 2031. Im Prinzip wird sich also vor dem geplanten Verbrenner-Aus ab 2035 (gegen das eine deutsche Firma klagt) nicht mehr viel an der bestehenden Euro-6-Norm ändern – zumindest für Pkw.
Kompromiss im EU-Umweltausschuss: Interessen der Autohersteller erhört
„Wir haben erfolgreich ein Gleichgewicht zwischen Umweltzielen und den lebenswichtigen Interessen der Hersteller gefunden“, erklärte der tschechische Abgeordnete Alexandr Vondra, Mitglied des Umweltausschusses des EU-Parlaments. „Es wäre kontraproduktiv, eine Umweltpolitik umzusetzen, die sowohl der europäischen Industrie als auch den Bürgern schadet. Durch unseren Kompromiss dienen wir den Interessen aller Beteiligten und vermeiden extreme Positionen.“
Die schönsten Autos aller Zeiten: Zehn Exemplare, die uns faszinieren
„Wendung zum Realismus“: ZDK zeigt sich erfreut über die Entscheidung
Beim Zentralverband des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes (ZDK) zeigte man sich erfreut, über die Entscheidung: „Wir begrüßen, dass die Diskussion um Euro 7 eine Wendung zum Realismus genommen hat. Technische Umsetzbarkeit bedeutet ein Mehr für den Umweltschutz bei Beibehaltung der individuellen Mobilität für viele Menschen“, erklärte ZDK-Hauptgeschäftsführer Dr. Kurt-Christian Scheel.
Endgültig entschieden ist aber noch nichts: Zunächst muss sich das an der Gesetzgebung ebenfalls beteiligte EU-Parlament noch auf eine Position einigen – was voraussichtlich im November 2023 geschehen soll. Der finale Schritt ist schließlich die Findung eines Kompromisses zwischen den Forderungen des Parlaments und den EU-Regierungen.