Fluggastrechte

Nach Geiselnahme am Hamburger Flughafen: Was Passagiere jetzt wissen müssen

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Die Geiselnahme am Hamburger Flughafen wurde beendet. Insgesamt 38.000 Passagiere waren von der Sperrung betroffen. Diese Rechte haben Fluggäste.

Hamburg - Nachdem am Wochenende eine Geiselnahme am Hamburger Flughafen Einsatzkräfte über 20 Stunden lang in Atem gehalten hatte, kehrt jetzt wieder normaler Betrieb am Flughafen ein. Am Sonntagnachmittag ergab sich der Mann, der mit seinem Auto und seinem vierjährigen Kind auf das Vorfeld des Flughafens gefahren war. Bereits nach Ende des Polizeieinsatzes gegen 17:30 am Sonntagabend, wurde der Flugbetrieb wieder aufgenommen. Dabei kam es aber noch bis zum Betriebsende zu Streichungen von Flügen und Verzögerungen.

220 Flugverbindungen mussten aufgrund der Sperrung gestrichen werden. Laut Angaben des Hamburg Airport waren insgesamt etwa 38.000 Fluggäste von Verspätungen und Flugausfällen betroffen. Viele Passagiere mussten die Nacht in einem Flughafen-Hotel verbringen.

Nach der Geiselnahme am Flughafen Hamburg: Diese Ansprüche haben Passagiere

Mittlerweile scheint der Flugbetrieb wieder weitgehend normal zu laufen. Am Montagmorgen (6. November) starteten gegen 6 Uhr die ersten Maschinen Richtung Lissabon und Frankfurt am Main. Für den Tag sind insgesamt 152 Starts und 162 Landungen geplant und auch bei den Passagier- und Gepäckkontrollen läuft der Betrieb wieder regulär. Trotzdem teilt der Flughafen mit, dass immer noch vereinzelte Flüge gestrichen werden oder sich verzögern könnten.

Passagiere mussten am Hamburger Flughafen evakuiert werden, nachdem ein Geiselnehmer am Samstagabend auf das Vorfeld gerast war.

Doch was können Passagiere tun, wenn sie von solchen Einschränkungen betroffen sind? Normalerweise gibt es einen Anspruch auf Entschädigungen, sollte der Flieger zu spät abfliegen oder komplett gestrichen werden. Laut der Fluggastrechtsexpertin Claudia Brosche vom Rechtsdienstleister Flightright, seien die Entschädigungsansprüche bei dem Hamburger Vorfall jedoch nicht sehr erfolgversprechend. „Von diesem Anspruch auf Entschädigung kann sich die Airline befreien, wenn, wie in diesem Fall, ein außergewöhnlicher Umstand vorliegt und sie gegebenenfalls sämtliche zumutbaren Maßnahmen ergriffen hat“, so die Expertin auf Anfrage von IPPEN.MEDIA. Die Sperrung des gesamten Flugbetriebs aufgrund der Geiselnahme auf dem Flugplatz in Hamburg stelle definitiv einen außergewöhnlichen Umstand dar, für den die Fluggesellschaften nicht verantwortlich seien, so Brosche weiter.  

Passagiere können nach Geiselnahme am Hamburger Flughafen Rechte einfordern

Flugreisende können aber trotzdem bestimmte Rechte einfordern und geltend machen. So können sich diejenigen, deren Flug gestrichen wurde, entscheiden, ob sie die Ticketkosten zurückverlangen wollen und einen späteren Ersatzflug nicht mehr antreten möchten. Wenn sie doch noch zu einem späteren Zeitpunkt fliegen möchten, müssen die Fluggesellschaften ihnen dafür kostenlose, alternative Flüge vorschlagen. „Dabei darf die Airline nicht nur ausschließlich auf die eigenen Flüge zurückgreifen, sondern muss auch Flüge anderer Fluggesellschaften berücksichtigen, die die Passagiere schneller an ihr Ziel bringen könnten als die Flüge der eigenen Flotte“, so die Fluggastrechtsexpertin.

SEK-Scharfschützen, Panzerfahrzeuge und der Moment der Festnahme: Bilder zur Geisellage am Flughafen Hamburg

Ein Polizeifahrzeug steht auf dem Flughafen vor einem Flugzeug, an dem ein Auto mit einem Geiselnehmer steht.
Ein Polizeifahrzeug steht auf dem Flughafen vor einem Flugzeug, an dem ein Auto mit einem Geiselnehmer steht. Ein bewaffneter Mann hält auf dem Airport seine vierjährige Tochter in seiner Gewalt. Hintergrund soll nach Polizeiangaben ein Sorgerechtsstreit sein.  © Foto: Daniel Bockwoldt/dpa
Ein Polizist ist am Flughafen im Einsatz. Am Hamburger Flughafen wurden seit Samstagabend um etwa 20.20 Uhr auch für den Sonntag alle Flüge gestrichen.
Ein Polizist ist am Flughafen im Einsatz. Am Hamburger Flughafen wurden seit Samstagabend um etwa 20.20 Uhr auch für den Sonntag alle Flüge gestrichen. © Foto: Jonas Walzberg/dpa
Auf dem Vorfeld des gesperrten Hamburger Flughafens steht eine Maschine der Turkish Airlines.
Auf dem Vorfeld des gesperrten Hamburger Flughafens steht eine Maschine der Turkish Airlines. Hinter der Maschine steht ein Auto, in dem der mutmaßliche Geiselnehmer mit seinem Kind sitzen soll.  © Foto: Bodo Marks/dpa
Flughafen Hamburg Amokalarm SEK Polizei Entführung
Die Polizei Hamburg und das Sondereinsatzkommando sind am Flughafen vor Ort. © Sebastian Peters
Die Polizei hat die Evakuierung von Personal und Passagieren im Blick.
Die Polizei hat die Evakuierung von Personal und Passagieren im Blick. © Photo by NEWS5 / DESK / NEWS5 / AFP
Personal und Passagiere wurden mit Evakuierungsbussen aus der Gefahrenzone rund um den Flughafen Hamburg gebracht.
Personal und Passagiere wurden mit Evakuierungsbussen aus der Gefahrenzone rund um den Flughafen Hamburg gebracht. © Photo by NEWS5 / DESK / NEWS5 / AFP
Einsatzkräfte sperren während eines Einsatzes weiträumig die Zufahrt zum Hamburger Flughafen.
Einsatzkräfte sperren während eines Einsatzes weiträumig die Zufahrt zum Hamburger Flughafen. Ein bewaffneter Mann hält auf dem Airport seine vierjährige Tochter in seiner Gewalt. Hintergrund soll nach Polizeiangaben ein Sorgerechtsstreit sein.  © Foto: Bodo Marks/dpa
Flughafen Hamburg Sondereinsatzkommando Scharfschützen Geiselnahme
Scharfschützen des SEK brachten sich am Samstagabend am Hamburger Flughafen in Stellung. © Sebastian Peters
Dieser Panzerfahrzeuge kam sogar aus Hannover nach Hamburg, um bei dem Einsatz zu unterstützen
Dieser Panzerfahrzeuge kam sogar aus Hannover nach Hamburg, um bei dem Einsatz zu unterstützen © Sebastian Peters
Einsatzkräfte der Feuerwehr stehen auf der Alsterkrugchaussee während eines Einsatzes auf dem Hamburger Flughafen in Bereitschaft.
Einsatzkräfte der Feuerwehr stehen auf der Alsterkrugchaussee während eines Einsatzes auf dem Hamburger Flughafen in Bereitschaft.  © Foto: Bodo Marks/dpa
Eine beschädigte Schranke, durch die ein Mann am Flughafen mit seinem Auto gerast sein soll.
Eine beschädigte Schranke, durch die ein Mann am Flughafen mit seinem Auto gerast sein soll. Der Bewaffnete habe mit seinem Fahrzeug ein Tor durchbrochen und bereits zwei Mal in die Luft geschossen, sagte ein Sprecher der Bundespolizei am Samstagabend.  © Foto: Jonas Walzberg/dpa
Bewaffnete Polizisten besprechen den Einsatz am Flughafen Hamburg.
Bewaffnete Polizisten besprechen den Einsatz am Flughafen Hamburg. Die Polizei steht mit dem Geiselnehmer in Kontakt, heißt es. © Jonas Walzberg/dpa
Hamburger Flughafen gesperrt
Schwer bewaffnete Einsatzkräfte sichern den Zugang zu einem Terminal am Hamburger Airport. © Bodo Marks/dpa
Der Moment der Festnahme am Sonntagnachmittag am Hamburger Flughafen. Polizisten gehen auf den Geiselnehmer mit gezückten Waffen zu. Der Mann gab nach rund 18 Stunden auf.
Der Moment der Festnahme am Sonntagnachmittag am Hamburger Flughafen. Polizisten gehen auf den Geiselnehmer mit gezückten Waffen zu. Der Mann gab nach rund 18 Stunden auf. © Sebsatian Peters
Der Geiselnehmer am Hamburger Flughafen wird zunächst zu Fuß weggebracht. Sprengstoffentschärfer schauten sich unterdessen das Fahrzeug des Mannes an.
Der Geiselnehmer am Hamburger Flughafen wird zunächst zu Fuß weggebracht. Sprengstoffentschärfer schauten sich unterdessen das Fahrzeug des Mannes an. © Sebsatian Peters

Außerdem bestehe, ähnlich wie der Deutschen Bahn auch, ein Anspruch auf Verpflegung während der Wartezeit in Form von Essen und Trinken. Dabei können Passagiere sich auch selbst verpflegen. Denn viele Fluggesellschaften kämen dem nicht proaktiv nach, so die Einschätzung der Expertin. „Wir empfehlen den Passagieren, die Belege für Getränke, Snacks und Essen aufzubewahren, um diese anschließend bei der Fluggesellschaft geltend zu machen.“ Bei der Sperrung in Hamburg, mussten auch viele Reisende eine Nacht länger in Hamburg bleiben, bis ihr Ersatzflug startete. Für den Fall habe die Fluggesellschaft auch die Hotelunterkunft zu zahlen, betont Claudia Brosche.

Hamburger Flughafen empfiehlt Passagieren nach Geiselnahme Fluginfos zu prüfen

Der Flughafen teilte mit, dass Fluggäste und Abholende auch noch am Montag gebeten werden, sich weiterhin laufend über den aktuellen Status ihres Fluges zu informieren und bei Bedarf ihre Airline oder den Reiseveranstalter zu kontaktieren. Die Abflugs- und Ankunftszeiten werden auf der Internetseite des Flughafens aktualisiert. Und auch die einzelnen Kontaktmöglichkeiten der Airlines führt der Flughafen online auf.

Die Sicherheit des Flughafens soll laut eigenen Angaben in Zukunft erhöht werden. „Wir werden weitere bauliche Maßnahmen umsetzen, um mögliche Zugangspunkte zum Sicherheitsbereich zu verstärken“, so eine Sprecherin am Montag in Hamburg. Die Geiselnahme am Wochenende war nicht der einzige Vorfall beim Hamburger Flughafen in jüngster Zeit. Im Juli blockierten stundenlang Klimaaktivisten der Gruppe „Letzte Generation“ den Airport, nachdem sie ein Loch in den Zaun geschnitten hatten und bis aufs Flugfeld vorgedrungen waren. (alm/dpa)

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