400 km Reichweite

Erster Praxistest: Wie gut ist der Elektro-Kombi E-308 SW von Peugeot?

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Peugeot bringt den ersten Elektro-Kombi aus Europa: Wie effizient ist der E-308 SW, der mit dem Preis von 45.000 Euro kein Schnäppchen ist? Fahrtest.

Selbst diese Domäne haben die chinesischen Autohersteller geschliffen: Der Kombi ist zwar das Lieblingskind der Europäer und speziell der Deutschen. Aber die ersten Elektro-Caravans rollten aus dem Reich der Mitte zu uns. Bei den Kompakten war es der Hersteller MG, der mit dem Marvel5 als erster ins Ziel ging. In der gehobenen Klasse zog Nio mit dem BMW-Fünfer-Konkurrenten ET5 Touring nach. Aber immerhin darf sich Peugeot jetzt ganz offiziell freuen, „der erste europäische Automobilhersteller zu sein, der eine 100 Prozent elektrische Kombi-Variante anbietet.“ Man muss die Superlative feiern, wie sie fallen. Und lange wird es ja nicht mehr dauern, bis mit dem Opel Astra Electric Sports Tourer der nächste Elektro-Kombi aus dem Hause Stellantis auf den Markt kommt.

Top 10: Das sind die beliebtesten Dienstwagen der Deutschen

Ein Polestar 2
Platz 10 – Polestar 2 (1,33 %): Nur ein reines Elektroauto hat es in die Top 10 der beliebtesten Dienstwagen der Deutschen des Jahres 2022 geschafft – von einer relativ jungen Marke: der Polestar 2. Neben der Tatsache, dass es sich um einen Stromer handelt, ist auch die Karosserieform im Dienstwagen-Ranking außergewöhnlich: Es handelt sich weder um ein SUV und noch einen Kombi. © Polestar
Ein VW Golf Variant
Platz 9 – VW Golf Variant (1,35 %): Während viele Autokäufer inzwischen lieber zum SUV greifen, stehen Kombis bei Dienstwagenfahrern noch immer hoch im Kurs. Den neunten Platz im Ranking belegt daher die „praktische“ Version des VW Golf mit dem Namenszusatz „Variant“. © VW
Ein Skoda Kodiaq
Platz 8 – Skoda Kodiaq (1,52 %): Lange Zeit waren Dienstwagen eine nahezu reine Kombi-Domäne – doch auch hier haben sich die Zeiten geändert. Den achten Rang hat sich der Skoda Kodiaq gesichert, der seit dem Jahr 2017 auf dem Markt ist. © Skoda/Hans-Dieter Seufert
Ein Seat Leon Sports Tourer
Platz 7 – Seat Leon Sports Tourer (1,53 %): Nach dem Golf Variant und dem Skoda Kodiaq ist der Seat Leon Sports Tourer auf Platz 7 im Dienstwagen-Ranking bereits das dritte Fahrzeug aus dem VW-Konzern. Der spanische Kompaktwagen kam 1999 auf den Markt – inzwischen wird er in der vierten Generation produziert. © Seat
Ein Opel Insignia Sports Tourer
Platz 6 – Opel Insignia Sports Tourer (1,55 %): Der einzige Opel in der Top-10-Liste der Dienstwagen rangiert auf dem sechsten Platz. Es dürfte übrigens das letzte Mal gewesen sein, dass der Name Insignia in dem Ranking auftaucht: Die Baureihe der Rüsselsheimer wird eingestellt. Angeblich arbeitet man aber schon an einem Nachfolger im selben Segment. © Sebastian Geisler/Imago
Ein Skoda Octavia
Platz 5 – Skoda Octavia Combi (2,04 %): Ein weiteres Fahrzeug aus dem VW-Konzern sichert sich den fünften Rang im Dienstwagen-Ranking. Der Octavia kam 1996 auf den Markt, inzwischen wird die vierte Generation des tschechischen Mittelklasse-Wagens gebaut. © Skoda
Ein Skoda Superb Combi
Platz 4 – Skoda Superb Combi (2,07 %): Der Superb rangiert nicht nur in der Positionierung eine Klasse über dem Octavia – sondern auch einen Platz im Dienstwagen-Ranking. Seit 2001 wird der Superb bereits produziert, inzwischen ist die dritte Generation auf dem Markt. © Skoda
Ein Ford Kuga
Platz 3 – Ford Kuga (2,91 %): Zwei SUV haben es unter die zehn beliebtesten Dienstwagen der Deutschen im Jahr 2022 geschafft: eines davon immerhin auf Rang drei – der Ford Kuga. Inzwischen ist bereits die dritte Generation des im Jahr 2008 in Produktion gegangenen Kompakt-SUV auf dem Markt © Ford
Ein Ford Focus Turnier
Platz 2 – Ford Focus Turnier (3,38 %): Auch auf dem zweiten Platz der Dienstwagen-Rangliste hält weiter ein Vertreter der Kombi-Gattung die Stellung. Das große Plus beim Turnier ist der geräumige Fond. Smartes Extra: Beim Öffnen der Seitentüren schmiegt sich ein beweglicher Gummischutz automatisch um den am meisten exponierten Teil der Türblechkante, was Lackschäden in engen Parklücken verhindern soll. Bald müssen sich Dienstwagenfahrer aber anderweitig umschauen: Die Produktion des Ford Focus endet im Jahr 2025. © Ford
Ein VW Passat Variant
Platz 1 – VW Passat Variant (5,47 %): Auch wenn viele Familien inzwischen lieber zum SUV greifen – bei den Dienstwagen ist mit dem VW Passat Variant immer noch ein Kombi König. Fragt sich nur: wie lange noch? © Volkswagen

Mit 156 PS ist der Peugeot E-308 SW kein Kraftmeier, aber...

Beide Kombis verfügen über den gleichen Antrieb: Der Frontmotor mit 156 PS ist zwar kein ausgesprochener Kraftmeier, aber er verfügt wie alle E-Aggregate über einen ordentlichen Wumms. Darf man ja mittlerweile so sagen, nachdem der Kanzler dieses Wort geadelt hat. Mühelos bewegt das Aggregat die 1,8 Tonnen Gewicht auch auf Bergstrecken und zirkelt den 4,6 Meter langen Kombi erstaunlich leicht durch die Kurven. Auszusetzen haben wir nur etwas an der Lenkung. Auf der Stellung Sport ist sie zu viel zu schwergängig. Dafür macht das Fahrwerk seine Sache richtig gut. Selbst bei den buckligen Tempo-Stoppern auf der Straße bockt das Auto nicht, Federn und Dämpfer arbeiten sauber und präzise.  

Der Kühlergrill des neuen Peugeot E-308 SW wurde deutlich überarbeitet. Er ist größer und präsenter, in der Mitte thront das neue Löwen-Logo der Franzosen.

Peugeot E-308 SW: So steht es um die Reichweite

Die Beschleunigung (10,0 Sekunden von 0 auf 100) und das Fahrwerk sind die eine Sache, viel entscheidender ist jedoch, wie weit man mit einem Elektroauto wie dem E-308 kommt. Zwischen der theoretisch möglichen und der tatsächlichen Reichweite klafft meistens nicht nur eine große Lücke, oftmals ein ganzer Canyon. Und da macht auch der Peugeot e-308 SW keine Ausnahme. Der Test: Wir starten mit vollem 51-kWh-Akku und 422 Kilometer Reichweite. Das wäre ja recht ordentlich. Nach einer Strecke von 172 km bei batteriefreundlichen Temperaturen um die 20 Grad und gelegentlicher sportlicher Fahrweise stellen wir das Auto wieder ab. Die Bilanz: Verbraucht haben wir etwas mehr als prognostiziert: 16,7 statt 15,9 kW. Als Rest-Reichweite stehen 132 km auf dem Tacho. Und das ist überraschend wenig: Denn das bedeutet, dass wir auf 172 km Strecke 290 Kilometer Reichweite liegen lassen mussten. Wenn man das weiter hochrechnet und erfahrungsgemäß bei 50 km Rest „auftankt“, dann stehen realistisch 250 Kilometer Reichweite zur Verfügung. Entsprechend weniger natürlich in der kalten Jahreszeit.

Das Cockpit des E-308 gibt es in der 3-D-Ausführung. Sieht wie im Science-Fiction aus, erfüllt aber trotzdem seinen Zweck.

Peugeot E-308 SW: 80 Prozent Ladung in 35 Minuten

Das muss jeder Käufer wissen, bevor er sich den kompakten Franzosen in die Garage stellt: Langstrecke kann er nur bedingt. Denn neben dem dafür zu kleinen Akku sind auch die Ladezeiten eher durchschnittlich. Mit 100 kW Ladeleistung powert man den Akku zwar in 35 Minuten wieder auf. Aber dann erreicht er nur 80 Prozent seiner Kapazität. Das heißt wiederum, hier muss man 20 Prozent abziehen: Statt der 400 Kilometer möglichen Reichweite bleiben dann bei jedem erfolgreich durchgeführten Ladestopp nur 320 Kilometer. Realistischerweise sind hier je nach Witterung und Fahrstil auch nur noch 250 Kilometer übrig. Wer eine schwache Blase hat, freut sich vielleicht über die daraus resultierenden häufigen Zwangspausen, alle anderen dürften sich darüber ärgern. Apropos: Leider gibt es keine aktive Ladeplanung, die mit dem Navi gekoppelt ist. Eine eigene App, die demnächst kommt, soll das Manko beseitigen. Sie ist im Paket Connect Plus sechs Monate gratis enthalten, danach kann sie gegen eine Gebühr abonniert werden. Das Abo-Modell gilt auch für alle anderen Ausstattungsvarianten.

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Endlich ein Elektro-Kombi aus europäischer Produktion. Peugeot bringt mit dem E-308 SW die erste Langversion für die Kundschaft.

Platzverhältnisse im E-308 SW: Nur leichte Abstriche im Vergleich zu Verbrenner und Hybrid

Ebenso wichtig wie die Reichweite sind beim Kombi die Platzverhältnisse. Hier muss der elektrische 308 im Vergleich zu den Verbrennern und Hybriden, die auch weiterhin im Peugeot-Programm bleiben, nur leichte Abstriche machen, 60 Liter sind es weniger, das ist verkraftbar. Die Sitzbank kann recht praktisch mit zwei Hebeln in der Seitenwand umgeklappt werden. Leider entsteht keine ebene Ladefläche, die Stufe ist aber Gott sei Dank nicht allzu groß. Von außen wirkt der e-308 ziemlich mondän. Zumindest vorne. Denn wie der im nächsten Frühjahr kommende größere E-3008 hat der Kompakte schon das neue Markengesicht mit dem überarbeiteten und präsenteren Löwen-Logo. Der Kühlergrill ist ziemlich groß und wallt wie die Mähne des französischen Wappentiers.

Technische Daten Peugeot e-308 SW

  • Antrieb: Frontmotor / Automatik
  • Spitzenleistung: 115 kW (156 PS)
  • Drehmoment: 270 Nm
  • 0 – 100 km/h: 10,0 s
  • V. max: 170 km/h (limitiert)
  • Akku-Kapazität: 51 kWh (netto)
  • Ladezeiten: 3,7 kW AC (dreiphasig) 7 h 5 min
  •                     100 kW DC (0 – 80 %) 35 Minuten
  • Verbrauch: 15,1 – 15,9 kWh / 100 km
  • Reichweite: 409 km
  • Länge / Breite / Höhe: 4,64 / 1,85 / 1,44 m
  • Radstand: 2,68 m
  • Leergewicht / Zuladung: 1.791 / 459 kg
  • Anhängelast / Stützlast: keine / 80 kg
  • Kofferraum: 548 – 1.574  l
  • Preis: 45.765 Euro

Peugeot E-308 SW: Einstiegspreis bei 45.765 Euro

Günstig ist der neue E-308 auch nicht unbedingt, aber das ist im Augenblick ja kein Neuwagen. Mit 45.765 Euro Einstandspreis liegt er um circa 2.000 Euro höher als der Astra Sportstourer. Das ist auch Absicht, weil der Stellantis-Konzern die Marke Peugeot etwas höher ansiedelt als Opel. Dafür soll das Basismodell aber wiederum mehr Ausstattung haben als der Konzernbruder in Rüsselsheim. Apropos Verwandtschaft: Der etwas kleinere Peugeot 208 kommt ebenfalls Ende des Jahres neu. Der Bestseller (eine Million verkaufter Exemplare) präsentiert sich optisch aufgefrischt: Die vertikalen Lichtkrallen an der Front und die horizontalen am Heck lassen das Kätzchen aus dem Hause Peugeot ganz schön motzig dastehen. Auch der E-208 bekommt den 156-PS-Antrieb mit der 51-kWh-Batterie. Er soll bis auch zu 410 Kilometer Reichweite haben und fährt sich einen Tick agiler als der E-308. Kein Wunder, schließlich wiegt er gut 200 Kilogramm weniger. Kostenpunkt: Ab 40.325 Euro.

Unser Fazit: Ist der E-308 ein König der Löwen oder nur Salonlöwe?

Der E-308 fährt sich präzise, flott und erstaunlich agil. Er ist praktisch, bedienungsfreundlich und komfortabel. Leider haben die Franzosen eine zu kleine Batterie eingebaut. So wird aus dem Löwen bei der Reichweite bedauerlicherweise kein König der Löwen, sondern nur ein Salonlöwe. Rudolf Bögel

Rubriklistenbild: © Peugeot

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