Ehemals teuerstes Dressur-Pferd der Welt

Doku über den millionenschweren Dressur-Hengst Totilas packt Zuschauer mit tragischen Wenden

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Totilas war wohl das teuerste und berühmteste Dressurpferd der Welt. Es starb 2020 im Alter von 20 Jahren an einer schweren Kolik. Eine aktuelle dreiteilige Doku zollt dem Wunder-Hengst Tribut.

Totilas war der Star im Dressursport, manche munkeln sogar, er sei das berühmteste Pferd der Welt gewesen. Mit einem stolzen Preis von über 10 Millionen Euro bewegte sich der Hengst in Ablösehöhen, wie wir sie sonst nur aus dem Profi-Fußball kennen. Es wurde zum gefeierten Superstar der Szene und durfte der Welt dennoch sein Ausnahme-Potenzial nie wirklich beweisen.

Die aktuelle Dokumentation „Totilas – das Millionengeschäft mit dem Jahrhundertpferd“ zeichnet den Lebensweg des Dressur-Hengstes nach und berichtet über die bewegten Jahre voller Höhen, aber auch voller Rückschläge für das schöne Tier.

Die Geschichte von Totilas, dem Millionen-Hengst

Mit Totilas wurden im Spitzensport Dressurreiten neue Maßstäbe gesetzt. Während die Sportart bis dahin in der Öffentlichkeit eher als eher eintönig wahrgenommen wurde, änderte sich dieses Bild, als Totilas in Erscheinung trat. Gemeinsam mit seinem niederländischen Reiter Edward Gal gewann Totilas 2009 zunächst die niederländischen Meisterschaften und holte auch bei den Europameisterschaften 2009 die Goldmedaille. Das Duo stellte Weltrekorde auf und erreichte beispiellose Punktzahlen. Zwei Weltmeistertitel ließen nicht lange auf sich warten. Die Riege aus Experten staunte über die Pirouetten, Passagen und Piaffen, die Totilas mit maximaler Leichtigkeit, Stärke und Eleganz ausführte. Aber auch das Laienpublikum der Sportwelt war verzaubert vom dramatisch schönen, schwarzen Wunderpferd.

Deutschland zeigte mit seinen zunehmenden Erfolgen ebenfalls Interesse an Totilas. 2010 erwarb Reitstar Paul Schockemöhle den berühmten Hengst für eine kolportierte Summe von 10 bis 15 Millionen Euro, die bis heute allerdings nie offiziell bestätigt wurde. Paul Schockemöhle trat die Sportrechte an Ann Kathrin Linsenhoff ab.

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In Deutschland angekommen, brach der Hype um Totilas erst so richtig los. Auf seinem Karrierehöhepunkt wurde er vermarktet wie kein anderes Tier vor ihm: Totilas bekam eine eigene Homepage und Fans konnten Merchandising-Artikel erwerben wie etwa bedruckte Tassen. Zur Regeneration seiner teuren Muskeln stellte man den Hengst sogar in ein extra für ihn temperiertes Salzwasser-Becken.

Aktuelle Doku über Totilas

Die dreiteilige Dokumentation „Totilas – Das Millionengeschäft mit dem Jahrhundertpferd“ kann nach Anmeldung auf RTL+ gestreamt werden.

Mit seinem vierbeinigen Superstar malte sich Deutschland goldene Olympia-Hoffnungen für die Spiele 2012 in London aus. Doch dieser Plan konnte nie in die Tat umgesetzt werden: Gemeinsam mit seinem neuen Reiter Matthias Rath gewann der gebürtige Niederländer Totilas zwar die deutschen Meisterschaften, an vorangegangene Erfolge konnte das Duo jedoch nicht mehr anknüpfen.

Als es schließlich ernst wurde und man Totilas in die Liga der Pferdelegenden aufsteigen lassen wollte, folgte der nächste Schock: Matthias Rath musste die Teilnahme an den Olympischen Spielen krankheitsbedingt absagen. Von nun an sollte es Totilas nie wieder gelingen, seine Leistung vor aller Welt zu beweisen.

In der aktuellen Doku werden die Höhen und Tiefen des Duos um Dressurpferd Totilas und Matthias Rath erzählt. (Archivbild)

Reiter Matthias Rath war es nicht gelungen, den Erwartungen an Totilas und dem öffentlichen Druck gerecht zu werden. 2014 gab er der Zeitung „Die Welt“ ein Interview, in dem er sagte, dass der Rummel um Totilas „damals sehr extrem“ gewesen sei. Dass Hengst Totilas nie wieder die Möglichkeit haben würde, an den Olympischen Spielen teilzunehmen, um seine Magie zu zeigen, ahnte zu diesem Zeitpunkt niemand.

Totilas erkrankt – Ende der Weltkarriere

Im Jahr 2015 wurde am linken Hinterfuß ein Knochenödem diagnostiziert – das Ende für Totilas’ Weltkarriere. Aber auch als Deckhengst bescherte er seinen Besitzern schöne Umsätze: Um Totilas-Abkömmlinge zu bekommen, mussten Käufer bis zu 8.000 Euro aufbringen.

Bis zu seinem Ende lebte Totilas ein glückliches Leben ganz ohne sportliche Zwänge. Bei Matthias Rath und dessen Familie auf dem Schafhof in Kronberg im Taunus war er ein einfaches Pferd, das sein Leben in vollen Zügen genießen durfte.

Sein Tod im Dezember 2020, hervorgerufen durch eine schwere Kolik, soll allerdings dramatisch gewesen sein, wie Rath gegenüber Eurodressage berichtete: „Er wurde operiert und ist sogar wieder aufgestanden, hat es dann aber nicht geschafft. Er war super fit. Ann Kathrin [Linsenhoff; Anm. d. Red.] ist mit ihm auf der Galoppbahn gelaufen.“ Und weiter: „Er war täglich auf der Koppel, ging viel im Schritt, an der Hand und unter dem Reiter auf der Galoppbahn. Zwanzig Jahre sind viel zu früh. So alt ist er gar nicht.“

Zu Lebzeiten hatte Totilas viele Menschen in seinen Bann gezogen. Dementsprechend emotional war die Anteilnahme am Tod des berühmten Hengstes. Auch Edward Gal, Totilas erster Besitzer, nahm auf Facebook Abschied.

Die zehn außergewöhnlichsten Pferderassen – und ihre wichtigsten Eigenschaften

Ein Pferd im Miniatur-Format ist das American Miniature Horse. Diese Rasse zeichnet ein feiner, eleganter Körper mit schönen Proportionen aus.
Ein Pferd im Miniatur-Format ist das American Miniature Horse. Diese Rasse zeichnet ein feiner, eleganter Körper mit schönen Proportionen aus. (Symbolbild) © agefotostock/Imago
Von mini zu maxi: Eine imposante Erscheinung sind die Shire Horses aus England. Die größte Pferderasse der Welt wird auch liebevoll als sanfter Riese bezeichnet. Mit ihrem coolen Temperament sind sie der ideale Freizeitpartner.
Von mini zu maxi: Eine imposante Erscheinung sind die Shire Horses aus England. Die größte Pferderasse der Welt wird auch liebevoll als sanfter Riese bezeichnet. Mit ihrem coolen Temperament sind sie der ideale Freizeitpartner. (Symbolbild) © Horst Galuschka/Imago
Die American Bashkir Curly Horses haben nicht nur lockiges Fell und Langhaar, sondern sind auch für die meisten Allergiker geeignet. Ihr Proteinmuster in den Hautzellen unterscheidet sich von anderen Rassen, weshalb sie als hypoallergen gelten.
Die American Bashkir Curly Horses haben nicht nur lockiges Fell und Langhaar, sondern sind auch für die meisten Allergiker geeignet. Ihr Proteinmuster in den Hautzellen unterscheidet sich von anderen Rassen, weshalb sie als hypoallergen gelten. (Symbolbild) © Anni Sommer/Imago
Das Exmoor Pony hat Ähnlichkeit mit dem Urtyp des europäischen Wildpferds. Ihr Körperbau ist klein und kompakt. Sie sind als äußerst robuste Pferderasse bekannt, die in Südengland nahezu wild im gleichnamigen Nationalpark aufwachsen.
Das Exmoor Pony hat Ähnlichkeit mit dem Urtyp des europäischen Wildpferds. Ihr Körperbau ist klein und kompakt. Sie sind als äußerst robuste Pferderasse bekannt, die in Südengland nahezu wild im gleichnamigen Nationalpark aufwachsen. (Symbolbild) © Miroslav Chaloupka/Imago
Der Marwari hat ein markantes Erkennungsmerkmal: seine Sichelohren, die sich fast an der Spitze berühren. Die elegante, indische Pferderasse hat seidiges Fell und Langhaar.
Der Marwari hat ein markantes Erkennungsmerkmal: seine Sichelohren, die sich fast an der Spitze berühren. Die elegante, indische Pferderasse hat seidiges Fell und Langhaar. (Symbolbild) © Vladimir Sklyarov/Imago
Seinen Namen hat der Jütländer von der gleichnamigen Region Dänemarks, aus der er stammt. Er zählt zu den ältesten europäischen Kaltblutrassen, die ein Gewicht von bis zu 800 Kilogramm erreichen.
Seinen Namen hat der Jütländer von der gleichnamigen Region Dänemarks, aus der er stammt. Er zählt zu den ältesten europäischen Kaltblutrassen, die ein Gewicht von bis zu 800 Kilogramm erreichen. (Symbolbild) © Antje Lindert-Rottke/Imago
Robust, intelligent und vielseitig: Die Eriskay Ponys sind an der Westküste Schottlands beheimatet. Sie gelten als die letzten Überlebenden der ursprünglich einheimischen Ponys. Die Rasse wird daher vom Rare Breed Survival Trust (RBST) als vom Aussterben bedroht eingestuft.
Robust, intelligent und vielseitig: Die Eriskay Ponys sind an der Westküste Schottlands beheimatet. Sie gelten als die letzten Überlebenden der ursprünglich einheimischen Ponys. Die Rasse wird daher vom Rare Breed Survival Trust (RBST) als vom Aussterben bedroht eingestuft. (Symbolbild) © Ernie Janes/Imago
Eine Kreuzung aus Warmblut und Kaltblut ist der Budjonny. In Deutschland sind die Pferde eher selten vertreten, in ihrer Heimat in Südrussland sind sie dagegen umso bekannter. Budjonny Pferde sind temperamentvoll und äußerst zäh, da sie ursprünglich für die russische Kavallerie gezüchtet wurden.
Eine Kreuzung aus Warmblut und Kaltblut ist der Budjonny. In Deutschland sind die Pferde eher selten vertreten, in ihrer Heimat in Südrussland sind sie dagegen umso bekannter. Budjonny Pferde sind temperamentvoll und äußerst zäh, da sie ursprünglich für die russische Kavallerie gezüchtet wurden. (Symbolbild) © agefotostock/Imago
Kinsky-Pferde sind mittelgroße, leichte Warmblüter, deren Ursprung in Tschechien liegt. Daher sind sie in Deutschland eher weniger verbreitet. Die Rasse ist vor allem für ihren goldenen Schimmer im Fell bekannt. Dafür ist das sogenannte Cream-Gen verantwortlich.
Kinsky-Pferde sind mittelgroße, leichte Warmblüter, deren Ursprung in Tschechien liegt. Daher sind sie in Deutschland eher weniger verbreitet. Die Rasse ist vor allem für ihren goldenen Schimmer im Fell bekannt. Dafür ist das sogenannte Cream-Gen verantwortlich. (Symbolbild) © agefotostock/Imago
Bei den Mérens handelt es sich um schwarze, stämmige Gebirgspferde aus den Pyrenäen. Sie sind robust, trittsicher und sanftmütig. Vom Aussehen ähneln sie dem englischen Fell Pony und dem Dales-Pony.
Bei den Mérens handelt es sich um schwarze, stämmige Gebirgspferde aus den Pyrenäen. Sie sind robust, trittsicher und sanftmütig. Vom Aussehen ähneln sie dem englischen Fell Pony und dem Dales-Pony. (Symbolbild) © Carol Walker/Imago

Wem Totilas einmal in die Augen geschaut hat, der vergisst diesen Blick sein Leben lang nicht mehr. Dunkelbraune, fast schwarze Augen, eingerahmt von langen, pechschwarzen Wimpern, die einen sekundenlang fixieren. Voller Stärke und Zuneigung, aber auch voller Traurigkeit und Melancholie. Es sind die Augen eines Pferdes, die eine bewegende Geschichte erzählen. Nicht die eines einfachen Pferdes, sondern die des berühmtesten der Welt. Jetzt ist dieser Blick für immer erloschen.

RTL News

Bewunderer werden das schöne Niederländische Warmblut wohl für immer in Erinnerung behalten, wie auch RTL News mit dieser treffenden Beschreibung seines Wesens in Worte fasst.

2022 kehrte Dressurreiter Matthias Rath zurück ins Rampenlicht – auf einem Abkömmling von Totilas namens Destacado.

Rubriklistenbild: © Jacques Toffi/Imago

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