Lebkuchen & Co. werden teurer

Preis-Explosion bei Weihnachts-Süßigkeiten? Hersteller warnen vor regelrechtem „Kosten-Tsunami“

  • schließen

Die Sommerhitze ist noch nicht vorüber, schon stehen Weihnachts-Leckereien in den Supermärkten im Fokus. Diese werden in diesem Jahr wohl deutlich teurer.

Kassel – Vier Monate noch bis Weihnachten, doch demnächst gibt es schon Weihnachtsgebäck in den Regalen: Auch in diesem Jahr kommen die Produkte für die Weihnachtszeit bereits in die Supermärkte, wenn draußen an Schnee noch gar nicht zu denken ist.

Die Produktion läuft bereits auf Hochtouren: Lebkuchen, Stollen, Schoko-Nikoläuse und anderen Spezialitäten sollen auch in diesem Jahr wieder die Herzen der Süßigkeiten-Liebhaber höher schlagen lassen. Bei Lebkuchen-Schmidt in Nürnberg backen die großen Öfen zurzeit an sechs Tagen in der Woche rund um die Uhr die traditionellen Nürnberger Lebkuchen und anderes Gebäck. Ähnlich sieht es bei der Aachener Lambertz-Gruppe aus, in deren Werken die Beschäftigten seit Juni verstärkt Aachener Printen, Nürnberger Lebkuchen und Dresdner Stollen fertigen. Anfang September kommen die ersten Weihnachtsleckereien in den Handel. Doch diesmal könnten sie deutlich teurer werden als gewohnt.

Preissteigerung bei Weihnachtsgebäck: „Lässt sich heuer nicht vermeiden“

Wie bei so vielen Produkten sind die Kosten für die Herstellung von Weihnachtsgebäck gestiegen. Die Herstellung von Lebkuchen verbraucht viel Energie, auch die Preise für Rohstoffe wie Zucker sind höher geworden. Für die Nascherei in der Adventszeit könnten die Verbraucherinnen und Verbraucher in diesem Jahr deshalb mitunter mehr zahlen müssen. „Leider lässt sich heuer eine Preisanpassung nicht vermeiden, nachdem wir letztes Jahr viele Erhöhungen noch abfangen konnten“, sagt Geschäftsführer Jürgen Brandstetter von Lebkuchen-Schmidt.

Bald gibt es in den Supermärkten wieder Lebkuchen zu erstehen.

Lambertz-Sprecher Martin Heinen spricht sogar von einem „Kosten-Tsunami“ bei Rohstoffen, Energie, Verpackung, Logistik und Personal. Wie sich das auf die Preise im Handel auswirkt, kann er nicht sagen. Bei Saisongebäck seien die Preissteigerungen im Vergleich zu anderen Gebäckgruppen bislang aber immer moderat gewesen, sagt er.

Geht der Umsatz deshalb zurück? Dass die Menschen wegen erhöhter Preise an Lebkuchen und Stollen sparen, erwartet Heinen nicht: Der Konsum sei in der Vergangenheit konstant geblieben. „Wenn es um Weihnachten und Advent geht, verzichten die Leute ungern.“ Bei Edeka müssen die Kunden ebenfalls tiefer in die Tasche greifen - für Verpackungen.

Wetter hat Einfluss darauf, wann der Verkauf für Weihnachtsgebäck startet

Auch das Wetter spielt eine Rolle, wann der Verkauf für Weihnachtsgebäck in diesem Jahr losgeht. Bleibt es im September sommerlich, geht es erst im Oktober richtig los. Das Nürnberger Traditionsunternehmen Lebkuchen-Schmidt macht im letzten Quartal des Jahres zum Beispiel seinen Hauptumsatz. Auch der Thüringer Schoko-Hersteller Viba macht mit Weihnachtsartikeln wie Nikoläusen rund ein Drittel seines Jahresumsatzes. Die ersten Waren gehen bereits Ende August raus.

Die Produktion an Lebkuchen ist zuletzt insgesamt leicht gestiegen: Fast 87 600 Tonnen Lebkuchen produzierten die deutschen Hersteller im vergangenen Jahr, wie das Statistisches Bundesamt auf Anfrage mitteilt. Ein Jahr zuvor waren es noch 84 500 Tonnen. 22 900 Tonnen des beliebten Weihnachtsgebäcks gingen 2022 demzufolge in den Export. Der Großteil davon ins europäische Ausland, vor allem nach Polen, Österreich und Frankreich.

Deutsche Lebkuchen im Ausland gefragt „wie nie zuvor“

„Ein wichtiges Absatzgebiet ist Osteuropa, wo Lebkuchen über das ganze Jahr konsumiert werden, also traditionell nicht nur als saisonale Produkte angesehen werden“, erläutert Lambertz-Sprecher Heinen. In mehr als 60 Länder verkaufen die zur Gruppe gehörenden Unternehmen Lebkuchen, Printen, Stollen und Co. Besonders in den USA und Großbritannien habe die Nachfrage nach originalen deutschen Weihnachtsspezialitäten zugenommen, sagt Heinen.

Auch Lebkuchen-Schmidt sendet seine Produkte in alle Länder der Welt außer Nordkorea. In Asien und Nordamerika sei das Interesse gestiegen. „Dort sind deutsche Tradition und althergebrachte Handwerkskunst gefragt wie nie zuvor“, sagt Brandstetter. Auch in Deutschland seien vor allem Klassiker gefragt - „mit behutsamen Innovationen“, wie zum Beispiel Lebkuchen mit einer feinen Orangennote oder als Konfekt.

Nicht nur Preis-Schocks gibt es für Kunden, sondern auch gute Nachrichten: Eine Kaufland-Kundin war hocherfreut, dass ihre Filiale eine bestimmte Maschine aufgestellt hat. Sie postete ein dickes Lob auf Facebook. (cgsc)

Rubriklistenbild: © Michael Gstettenbauer/Imago

Kommentare