VonMaximilian Kettenbachschließen
Der Bruch der Ampel-Koalition könnte die Fortsetzung des Deutschlandtickets gefährden. Politiker mahnen. Unterdessen flattert den Kunden eine Ankündigung ins Postfach.
München – Es war ein Beschluss nach langen Verhandlungen und einigem Hin und Her. Die Verkehrsministerkonferenz hatte im September entschieden, dass das bislang 49 Euro teure Deutschlandticket von 2025 an 58 Euro pro Monat kosten soll. Für wie lange, ist offen.
Viele Millionen Bürger nutzen das Deutschlandticket – doch es wird teuerer
Im Mai 2024 meldete der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) 11,2 Mio. Menschen im Besitz eines D-Tickets. „Im Laufe des ersten Jahres haben rund 20 Mio. Bürgerinnen und Bürger mindestens einmal ein Deutschlandticket besessen“, heißt es auf der VDV-Website.
Ob die Zahlen ab Januar 2025 mit der Teuerung nun weiter zurückgehen werden, bleibt abzuwarten – und ebenso, wie lange das 58-Euro-Ticket überhaupt bleibt. Das Ampel-Aus gefährdet nämlich auch die Pläne für die weitere Finanzierung des Deutschlandtickets. Um das Angebot für den Bahnverkehr zu sichern, dringen Baden-Württemberg und Niedersachsen trotz des Bruchs der Ampel-Koalition auf eine geplante Gesetzesänderung durch den noch bestehenden Bundestag.
Söder will Deutschlandticket abschaffen – neuer Vorschlag stößt auf Kritik
Zwar habe das Aus für die Regierungskoalition und der nicht verabschiedete Haushalt für das kommende Jahr keine unmittelbaren Folgen für das Deutschlandticket, versicherte das nordrhein-westfälische Verkehrsministerium, das bis Ende 2024 den Vorsitz der Verkehrsministerkonferenz hat. Der baden-württembergische Ressortchef Winfried Hermann (Grüne) mahnte aber, nicht gebrauchte Mittel müssten dringend ins nächste Jahr übertragen werden – womöglich würde das Ticket sonst teurer. „Das Nachsehen hätten die Fahrgäste.“
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) dagegen hält das Deutschlandticket in seiner jetzigen Form für nicht mehr finanzierbar. „Unser Ziel ist, eine Änderung am Deutschlandticket herbeizuführen“, sagte er am Dienstag (12. November). Der Bund müsse das Deutschlandticket in Zukunft alleine zahlen, wenn es weiter existieren solle. Verbände und Verkehrsminister anderer Länder protestierten.
Wo gilt das Deutschlandticket?
Mit dem Ticket kann der öffentliche Nahverkehr in ganz Deutschland genutzt werden – unabhängig von Bundesland, Verkehrsverbund oder Tarifgebiet. Das Ticket gilt für Bus und Bahn. Ausgenommen sind lediglich Züge des Fernverkehrs wie beispielsweise ICEs, ICs und TGVs.
Abbuchung noch 2024: Neue Ankündigung zur Preiserhöhung erreicht Millionen Bahnfahrer
Für den Januar sind die 58 Euro gesichert. In den vergangenen Tagen wurden Millionen Bahnkunden darüber von ihrem jeweiligen Verkehrsverbund in Kenntnis gesetzt, über den man sein D-Ticket bezieht – oder von der Deutschen Bahn direkt, wenn man etwa über die Bahn-App sein Ticket kauft.
„Diese Preisanpassung betrifft alle D-Tickets mit Gültigkeit ab dem 01.01.2025. Bitte beachten Sie, dass die Tickets für den Januar 2025 bereits ab Mitte Dezember 2024 ausgegeben werden. Der neue Preis von 58 Euro wird somit bereits bei der Abbuchung Mitte/Ende Dezember 2024 für das Januar-Ticket fällig und von dem Zahlungsmittel abgebucht, welches Sie beim Abschluss des Abos angegeben haben“, heißt es etwa in einer E-Mail vom Münchner VerkehrsVerbund (MVV).
„Sollten Sie mit dieser Preisanpassung nicht einverstanden sein, haben Sie bis einschließlich 10.12.2024 die Möglichkeit, Ihr Deutschland-Ticket-Abo im MVV-Ticketshop zum Ende des Jahres zu kündigen. Wenn Sie Ihr Abo bis zum 10.12.2024 nicht gekündigt haben, stimmen Sie der Preisanpassung automatisch zu“, heißt es weiter.
Wie kann ich das Deutschlandticket kündigen?
In der App (ohne Wartezeit): Gehen Sie in der MVV-App zum „Ticketshop“ und klicken Sie oben rechts auf das Profil-Symbol. Wählen Sie unter „Abonnements“ Ihr Abo aus und klicken Sie auf den Kündigungsbutton.
In der Bestätigungs-E-Mail (ohne Wartezeit): Sie haben beim Kauf des Deutschland-Tickets zwei E-Mails erhalten. In der zweiten E-Mail, die den Abschluss des Abos bestätigt, finden Sie einen Kündigungslink. Dieser Link ist auch in der jeweiligen E-Mail für das Ticket des Folgemonats enthalten.
Falls Sie die beiden Kündigungsmöglichkeiten nicht nutzen können, senden Sie uns einfach eine formlose E-Mail als Antwort auf diese Nachricht mit Ihrem Kündigungswunsch.
Quelle: Münchner VerkehrsVerbund (MVV)
Verkehrsministerium mit Klarstellung zur Finanzierung des Deutschlandtickets
So hoffen nun viele Millionen Bahn-, Tram- und Busfahrer auf die Fortführung des Tickets. Das Bundesverkehrsministerium um Minister Volker Wissing (parteilos) scheint dem positiv entgegenzublicken. „Wir appellieren an alle handelnden Akteure, dass man sich bei offenen Finanzfragen einig wird“, sagte ein Sprecher. Gültig sei weiter die generelle Vereinbarung, nach der Bund und Länder bis 2025 jeweils 1,5 Milliarden Euro im Jahr beisteuern – entgegen aller Forderungen aus München. Pikanterweise wandert der Vorsitz der Verkehrsministerkonferenz zum Jahresbeginn 2025 nach Bayern. (mke, dpa)
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