Liste mit allen teureren Lebensmitteln

Preisschock bei Penny: Discounter erhöht Preise um fast 100 Prozent – als Experiment

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Discounter Penny macht zahlreiche Produkte eine Woche lang um fast 100 Prozent teurer. Ein gewagtes Preis-Experiment in Inflationszeiten:

Lebensmittel werden fast 100 Prozent teurer – seitdem die Inflation 2022 heftig angezogen hatte, ist das zwar nichts, was es noch nie gegeben hätte, für die meisten Verbraucher ist es dennoch ein unerwarteter Preisschock. Auch wer diese Woche zu Penny geht, kann dort mit dicken Preiserhöhungen rechnen. Doch die Preisaufschläge haben einen besonderen Grund, wie Penny mitteilt. HEIDELBERG24 berichtet:

Preisschock bei Penny: Lebensmittel bis zu 94 Prozent teurer

Ab Montag (31. Juli) startet der Preisschock bei Penny. Dann hat der Discounter vor, für neun Produkte die „wahren Preise“ zu verlangen. In diese zählen auch verdeckte Kosten – für die anfallende Umweltverschmutzung sowie gesundheitliche Folgen – hinein, die beim Handel mit der entsprechenden Ware eigentlich berechnet werden müssten, so berichtet es die Deutsche Presseagentur (dpa).

Es ist ein besonders böses Erwachen, nachdem große Discounter wie Aldi, Lidl und Kaufland in Deutschland zuletzt die Preise senkten, beispielsweise bei Toilettenpapier und Waschmittel. Die Produkte vom Käse bis zum Wiener Würstchen werden bei Penny nun dagegen um bis zu 94 Prozent teurer, wie die Handelskette am Sonntag (30. Juli) mitteilt. Hier die Lebensmittel, die jetzt teurer werden:

  • Mühlenhof Wiener Würstchen 400 Gramm: 6,01 Euro (zuvor 3,19 Euro)
  • Naturgut Bio Wiener Würstchen 200 Gramm: 5,36 Euro (zuvor 3,29 Euro)
  • San Fabio Mozzarella 200 Gramm: 1,55 Euro (zuvor 0,89 Euro)
  • Naturgut Bio Mozzarella 200 Gramm: 1,92 Euro (zuvor 1,29 Euro)
  • Penny Zukunftsbauer Fruchtjoghurt 450 Gramm: 1,44 Euro (zuvor 0,99 Euro)
  • Naturgut Bio Fruchtjoghurt 400 Gramm: 1,56 Euro (zuvor 1,19 Euro)
  • Lindenhof Maasdamer Scheiben 300 Gramm: 4,84 Euro (zuvor 2,49 Euro)
  • Naturgut Bio Maasdamer Käsescheiben 200 Gramm: 3,70 Euro (zuvor 2,19 Euro)
  • Food for Future Vegane Schnitzel 200 Gramm: 2,83 Euro (zuvor 2,69 Euro)

Preis-Experiment bei Penny: Kunden sollen „wahren Preis“ zahlen

Es handelt sich um ein etwas ausgefallenes Experiment. Ein gewagter Schritt in aktuellen Zeiten. Viele Haushalte leiden ohnehin unter den gestiegenen Lebenshaltungskosten, besonders durch teurer werdende Lebensmittel. Dem Händler ist das durchaus bewusst, er will dennoch ein Zeichen setzten.

„Wir sehen, dass viele unserer Kundinnen und Kunden unter den unverändert hohen Lebensmittelpreisen leiden. Dennoch müssen wir uns der unbequemen Botschaft stellen, dass die Preise unserer Lebensmittel, die entlang der Lieferkette anfallen, die Umweltfolgekosten nicht widerspiegeln“, sagt Penny-Manager Stefan Görgens.

Lebensmittel bei Penny fast doppelt so teuer: Darum steigen die Preise um bis zu 94 Prozent

Die Aktion soll eine Woche dauern und in allen 2.150 Filialen stattfinden. Damit wolle das Unternehmen ein Problembewusstsein bei den Kunden schaffen. Die größeren Einnahmen, die dadurch anfallen, will das Unternehmen laut eigenen Angaben allerdings nicht selbst kassieren, sondern an ein Projekt zum Klimaschutz und Erhalt familiengeführter Bauernhöfe im Alpenraum spenden.

Doch wie kommen diese „wahren Preise“ zustande? Wissenschaftler der Technischen Hochschule Nürnberg und der Universität Greifswald hatten laut Penny berechnet, wie viel die Lebensmittel kosten müssten, wenn man die tatsächlichen Kosten durch die landwirtschaftliche Produktion für Umwelt, Gesellschaft und kommende Generationen berücksichtige.

Preisanstieg bei Lebensmitteln: So berechnet sich der „wahre Preis“ bei Penny

Durchgerechnet an einer 300-Gramm-Packung Maasdamer Käse setzt sich der neue Preis so zusammen: Auf den ursprünglichen Preis von 2,49 Euro kommen 85 Cent für klimaschädliche Emissionen aus der landwirtschaftlichen Produktion wie Methan und CO2. 76 Cent werden für die Bodenbelastung durch die Landwirtschaft sowie die Futterproduktion für Nutztiere aufgeschlagen.

63 Cent zahlt man für den Einsatz von Pestiziden drauf und schließlich kommen um die 10 Cent für die Belastung des Grundwassers, unter anderem durch Düngemittel, hinzu. Am Ende landet man damit bei einem „wahren Preis“ von 4,84 Euro.

Penny-Kunden zahlen „wahren Preis“ – kommt die Botschaft an?

Aus dieser Berechnung wird ersichtlich, warum nicht alle Produkte gleich viel teurer werden. Bei pflanzlichen Produkten zahlt man für die Umweltbelastung weniger drauf als etwa bei den Wiener Würstchen. Die Rechnung wird auch durch Studienergebnisse der Universität Oxford bestätigt, laut denen die Folgen durch die Produktion von tierischen Lebensmitteln mehr kosten als die pflanzlicher Nahrungsmittel.

Es bleibt die Frage, ob die Botschaft so auch bei den Kunden ankommt. Aus ganz anderen Gründen erhöht Coca-Cola zuletzt die Preise bei Softgetränken – durch die gestiegenen Strom- und Gaspreise sollen Cola, Sprite und Co. darum ab September dauerhaft teurer werden. (paw/dpa)

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa/Oliver Berg/IMAGO/APress

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