VonSimon Monesschließen
In seinem Emdener Werk fährt VW die Produktion seiner Elektroautos ID.4 und ID.7 zurück. Grund soll die geringe Nachfrage sein.
Die Zukunft gehört dem Elektroauto, so viel scheint inzwischen klar. Doch in der Gegenwart müssen sich die Stromer noch gegen zahlreiche Vorurteile durchsetzten. 2023 war bisher jedoch eine Achterbahnfahrt. Mal brachen die Absatzzahlen ein und stiegen dann wieder an. Dennoch ist die Nachfrage aus Sicht von Volkswagen zu niedrig, weshalb im Emdener Werk nun weniger Fahrzeuge gebaut werden.
In den nächsten Wochen bis zu den Werksferien streicht der Autobauer die Spätschichten bei der Fertigung des Elektro-SUV ID.4 sowie bei den ersten Fahrzeugen der erst kürzlich vorgestellten Limousine ID.7. Betriebsratschef Manfred Wulff bestätigte auf Anfrage der dpa einen entsprechenden Bericht der Nordwest-Zeitung.
Werksferien in Emden werden verlängert
„Wir sind zuversichtlich, dass die Auslastung des Werks mit der Markteinführung des ID.7 Ende des Jahres wieder steigt“, sagte eine VW-Sprecherin der Zeitung. Die Mitarbeiter seien am Montag über die Drosslung der Produktion informiert worden, erklärte Wulff. Die Produktion von Verbrennermodellen, wie dem Passat, sei indes nicht betroffen.
Zudem werden die Werksferien im Elektrosegment um eine Woche verlängert. Für 300 der 1.500 Leiharbeiter endet die Beschäftigung im Emdener VW-Werk ab August. Der Betriebsrat begründet die Produktionseinschränkungen mit dem schwächelnden Absatz der Elektroautos. „Die Kundenzurückhaltung merken wir in der Elektrowelt ganz vehement“, erklärte Wulff. Die Nachfrage läge demnach 30 Prozent unter den anvisierten Produktionszahlen. In der Belegschaft herrsche angesichts der Kürzungen Ernüchterung, betonte Wulff.
Politik sieht Warnzeichen für Branche
Kein Wunder: Immerhin war ab Herbst eigentlich eine dritte Fertigung der Elektroautos geplant, erklärte der Betriebsrat. Stattdessen werden Schichten gestrichen und der Festakt zum Start der Produktion des ID.7 verschoben. Diese sei aber termingerecht und in geringer Stückzahl gestartet.
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Aus der Politik gab es Verständnis für diese Entscheidung. Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) sieht darin aber auch ein Warnsignal für die Branche: „Die Zulassungszahlen von E-Autos sind weiter hoch, was wir aber mit Sorge betrachten ist die aktuelle Delle in der Nachfrage – und zwar nicht nur bei Volkswagen, sondern bei allen Herstellern.“ Ein Faktor dürfte die geringere Kaufprämie für die Stromer sein. Daher macht sich Lies dafür stark, über neue Kaufanreize zu diskutieren, wie etwa eine vergünstigte Mehrwertsteuer.
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