Unangenehme Gefühle

Gefühle verdrängen: Warum Vergessen manchmal am besten ist

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Jeder Mensch hat Strategien, um unangenehmen Gefühlen aus dem Weg zu gehen. Verdrängung ist allerdings nicht immer negativ, in manchen Fällen kann der Abwehrmechanismus sogar hilfreich sein. 

Egal ob es sich um eine unbezahlte Rechnung, die aufgeschobene Steuer oder ob es sich gar um schmerzliche Erinnerungen handelt – Viele Menschen haben mit dem Verdrängen bestimmter Erfahrungen, Gefühle und Aufgaben zu kämpfen. Jeder hat dabei seine eigenen Strategien, um dem unangenehmen Ballast aus dem Weg zu gehen. Häufig wollen Betroffene so Emotionen wie Angst, Einsamkeit oder Traurigkeit unbewusst vermeiden. Während es sich in den meisten Fällen lohnt, sich diesen Gefühlen zu stellen und warum es manchmal sinnvoll sein kann, bestimmte Bewusstseinsinhalte zu vergessen, erfahren Sie hier. 

Überflüssigen Ballast loswerden: Verdrängung kann helfen

Unangenehme Gefühle und Gedanke wollen viele Menschen vermeiden. Das muss nicht immer problematisch sein, wie Forscher herausgefunden haben.

Verdrängung ist ein seelischer Abwehrmechanismus. Betroffene verbannen belastende, schmerzliche und unangenehme Gedanken oder Erinnerungen dabei aus dem Bewusstsein. Bestimmte Inhalte zu verdrängen ist jedoch nicht nur natürlich, sondern auch gesund und notwendig, um nicht vom Gewicht des Negativen heruntergezogen zu werden.

Jede Erfahrung im Hier und Jetzt, aber auch jede Entscheidung für die Zukunft, hängt sowohl von den vorhandenen Erinnerungen sowie von den Dingen, die wir nicht mehr wissen, ab. Nur wer vergisst, kann Unwichtiges von Wichtigem trennen, abstrakt denken und Probleme lösen. Die zentrale Aufgabe des Gedächtnisses ist es schließlich, aus Erfahrungen für die Zukunft zu lernen, wie das Wissenschaftsmagazin dasgehirn.info berichtet. 

Mach dich glücklich: Zehn Maßnahmen zur Selbstfürsorge, mit denen Sie sich Gutes tun

Eine Frau sitzt und schreibt in ein Notizbuch.
Schreiben Sie Tagebuch: Wer seine Gedanken und Gefühle aufschreibt, sieht viele Dinge meist klarer. Egal ob es sich um Wünsche, Träume oder Erinnerungen handelt - Schreiben Sie auf, was Ihnen durch den Kopf geht. Schreiben hilft, die eigenen Gedanken zu reflektieren und Erlebnisse von einem anderen Sichtpunkt wahrzunehmen.  © Tanya Yatsenko/Imago
Creative Highlights Symbolbilder Artist hands covered in paint. Young painter. Art concept. Las Palmas de Gran Canaria,
Nehmen Sie sich Zeit kreativ zu sein: Egal ob Musik, Tanz oder Kunst - Wer kreativ ist, vergisst für einen Moment alles um sich herum. Ängste und Sorgen treten in den Hintergrund. Dafür müssen Sie keinesfalls ein großer Künstler sein. © Cavan Images via www.imago-images.de
Eine Mädchen-Hand greift nach einer Blume.
Verbringen Sie Zeit in der Natur: Körperliche Bewegung in der Natur hat einen positiven Effekt auf das seelische Wohlbefinden. Sport, aber auch schon ein Spaziergang helfen das Stresshormon Cortisol abzubauen und sorgen dafür, dass das Gelückshormon Serotonin vermehrt ausgeschüttet wird. Bewusst Zeit in der Natur zu verbringen, hilft außerdem das Gedankenkarussell im Kopf zu stoppen.  © Imago
Eine junge Frau im Regenmantel breitet ihre Arme in der Natur aus.
Üben Sie Selbstakzeptanz: Wer sich selber so akzeptiert - mit allen Schwächen und Stärken -, zeigt auch mehr Verständnis für andere. Statt sich ständig innerlich zu kritisieren, hilft es aufbauend und tröstend mit sich selber zu sprechen. Dabei kann es helfen den eigenen Dialogue so aufzubauen, als ob man mit einem geliebten Menschen sprechen würde.  © Cavan Images/Imago
Jemand hält ein Geschenk in den Händen.
Machen Sie sich selber ein Geschenk: Niemand anders als Sie selbst ist dafür verantwortlich, dass es Ihnen gut geht. Wer sich hin und wieder selbst belohnt, steigert sein Wohlbefinden und damit auch sein Selbstwertgefühl.  © nndanko / Imago
Ein Kind läuft durch den Sand.
Seien Sie achtsam: Wer seinen Alltag achtsam gestaltet, ist laut Studien besser in der Lage mit Rückschlägen und Problemen umzugehen. Entspannungsübungen und Meditationen helfen Stress und negative Emotionen besser zu verarbeiten.  © Hodei Unzueta/Imago
IMAGO Nature: Unsere Erde, Umweltprobleme, Überbevölkerung From above unrecognizable people walking on zebra crossing o
Reduzieren Sie Stress: Wer von einem Termin zum nächsten hetzt, tut Körper und Seele keinen Gefallen. Dauerstress macht nachweislich krank. Planen Sie bewusst Ruhephasen ein und lassen Sie ausreichend Platz zwischen Terminen. Jeder braucht auch mal Zeit zum Durchatmen.  © IMAGO/Mikel Ponce
Eine Frau schaut mit traurigem Blick aus dem Fenster.
Fühlen Sie alle Emotionen: Statt Trauer oder Ärger zu verdrängen - und diesen Gefühle damit noch mehr Kraft zu geben - kann es helfen, sich klar zu machen, dass auch diese Emotionen zum Leben gehören. Misserfolge, Fehler und Enttäuschungen sind Teil der menschlichen Erfahrung und bringen uns weiter.  © Alberto Menendez/Imago
Frau im Rollstuhl hält Hand einer Pflegerin.
Helfen Sie anderen Menschen: Wie gut es tut, anderen zu helfen, haben viele Menschen verlernt. Wer keine Zeit hat direkt ein Ehrenamt zu übernehmen, kann beispielsweise damit anfangen, seinen Liebsten Unterstützung anzubieten. © ALFO/Imago
Vier Freunde, die gemeinsam in einem Innenhof essen und gerade anstoßen. (Symbolbild)
Pflegen Sie Ihre Freundschaften: Nehmen Sie sich Zeit Beziehungen zu Ihren Mitmenschen, Freunden und Familie zu pflegen. Es hilft zudem über Dinge, die einen belasten mit anderen zu teilen und sich einer nahestehenden Person anzuvertrauen.  © Philipp Dimitri/Imago

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Verdrängung ist auch ein seelischer Schutzmechanismus. Statt vom akuten Schmerz überrollt zu werden, können viele Menschen durch das Ignorieren leidvoller Erfahrungen erst mal besser agieren und ihr Leben bewältigen. Das erlebte Leid gerät so aus dem Zentrum der Gedanken und Gefühle. „Viele Menschen leben besser mit der Verdrängung“, sagt Rainer Richter, Präsident der Psychotherapeutenkammer, im Interview mit Geo.de: „Psychische Abwehrmechanismen wie die Verdrängung sind per se nicht negativ oder gar pathologisch“. Das heißt jedoch nicht, dass diese Emotionen auf ewig verdrängt werden sollten. Ist die Situation unter Kontrolle, kann eine zeitverzögerte Aufarbeitung gelingen. 

Mittelweg zwischen Verdrängen und Verarbeiten finden

Während manche Menschen Ablenkung im stundenlangen Anschauen von Serien suchen, verlassen andere tagelang ihr Bett nicht oder versacken regelmäßig an der nächsten Bar. Denn Verdrängen kann auch krank machen. Das Beiseiteschieben und Abwehren hilft zwar oberflächlich, wirklich vergessen und erledigt sind die Gefühle, Emotionen und Erinnerungen allerdings nicht. Sind sie dem Bewusstsein entzogen, arbeiten sie dennoch im Unterbewusstsein weiter und beeinflussen so das tägliche Verhalten. Im schlimmsten Fall kann dies zu Ängsten, Verhaltensstörungen und seelischen Problemen führen. Wer negative Gefühle verdrängt, leidet laut Forschern der Universität Klagenfurt zudem häufiger unter bestimmten Krankheiten wie erhöhtem Blutdruck.

Wer unangenehme Empfindungen durchgehend blockiert, sperrt auch viele positive Gefühle aus. Freude, Motivation und Zuversicht dringen dann ebenfalls weniger an die Oberfläche. Viele Menschen fühlen sich in diesem Fall entweder gefühlstaub oder kommen nur schwer zur Ruhe. Es ist daher wichtig, die Balance zu wahren, wie die Psychologin Annette Kluge im Interview mit dem SWR erklärt. Sie rät dazu, Erinnerungen in den richtigen Momenten auszupacken und sich nicht davon überfallen zu lassen. 

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren RedakteurInnen leider nicht beantwortet werden.

Rubriklistenbild: © Alberto Menendez/Imago

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