- VonStefanie Lipfertschließen
Laut WHO macht Deutschland im Kampf gegen den Tabakkonsum zu wenig. Raucher sollen deutlich mehr zur Kasse gebeten werden. Auch wegen der Kosten durch diese.
München – Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist Deutschland im Kampf gegen den Tabakkonsum eines der Sorgenkinder. Auch im europäischen Vergleich schneidet Deutschland nicht gut ab: Es bildet laut WHO eines der Schlusslichter innerhalb Europas. Mit der sogenannten „Tabacco Control Scale“ misst die WHO, wie sehr ein Land und dessen Regierung die gesetzliche Tabakkontrolle in die Tat umsetzt. Deutschland wird in besagtem Ranking nur auf Rang 34 geführt – von insgesamt 37 erfassten Ländern.
23 Euro für eine Zigaretten-Packung? Darum fordert die WHO eine krasse Preissteigerung
Rüdiger Krech, WHO-Direktor für Gesundheitsförderung, reagierte auf diese Tatsache mit Unverständnis: „Wir können nicht wirklich nachvollziehen, warum die Politik in Deutschland so lax in der Umsetzung von Maßnahmen in der Tabakkontrolle ist.“ Warum es so wenig Nicht-Raucher in Deutschland gebe, das liegt laut WHO an mehreren Elementen. „Die letzten Preiserhöhungen für Zigaretten liegen unterhalb der Inflationsrate und machen Rauchen im Endeffekt billiger, nicht teurer“, betont Krech.
Um dem starken Tabakkonsum in Deutschland entgegenzuwirken und durch Raucherinnen und Raucher entstehende Kosten zu decken, fordert die WHO einen drastischen Preisanstieg der Zigaretten-Packungen auf fast 23 Euro. Doch diese Forderung der WHO ist nicht ganz neu. Schon 2021 setzte der WHO-Direktor Krech in einem Spiegel-Interview für einen deutlichen Preisanstieg in Deutschland bei Zigaretten-Packungen ein. Sein Argument: „Die Tabakindustrie verursacht allein in Deutschland Kosten durch Krankheit und Arbeitsausfälle in Höhe von 97 Milliarden Euro im Jahr.“
Am Montag (7. August) kündigte der Bundesdrogenbeauftragte Burkhard Blienert ein verstärktes Eintreten gegen den Tabakkonsum an. „Wir müssen mehr machen, um Menschen davon abzuhalten, mit dem Rauchen überhaupt zu beginnen.“ Unterdessen will Italien ein totales Rauchverbot auch im Freien einführen, das auch für E-Zigaretten gelten soll.
Müssen Raucher drastische Preissteigerung von Zigaretten befürchten? Letzte Tabaksteuererhöhung 2005
Laut Krech erfolgte die letzte Erhöhung der Tabaksteuer in Deutschland im Jahr 2005. „In Australien beispielsweise kostet ein Päckchen mittlerweile umgerechnet 17 Euro. Das ist schon viel näher an den 23 Euro, die man für eine Schachtel Zigaretten bezahlen müsste, um die volkswirtschaftlichen Kosten zu kompensieren“, berichtete der WHO-Experte in besagtem Interview von 2021.
Wenn es nach der WHO gehen würde, müsste eine Packung Zigaretten (20 Stück) etwa 22,80 Euro kosten. Aktuell kostet eine Packung Zigaretten von bekannten Tabakherstellern zwischen 8 und 9 Euro. Laut Angaben des Bundesdrogenbeauftragten ist der Tabakkonsum mit mehr als 127.000 tabakbedingten Todesfällen pro Jahr in Deutschland weiterhin das größte vermeidbare Gesundheitsrisiko. Rauchen ist demnach für etwa 90 Prozent aller Lungenkrebsfälle verantwortlich.
So würden immer mehr Leute nach der Corona-Pandemie zu Zigaretten und vor allem E-Zigaretten greifen, gab die Anti-Drogen-Behörde an. Auch die WHO steht E-Zigaretten skeptisch gegenüber. Auf ihrer Webseite schreiben sie: „E-Zigaretten enthalten keinen Tabak, sind aber gesundheitsschädlich und nicht sicher.“
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Fast 23 Euro für Zigaretten: Drastische Maßnahmen, um den Tabakkonsum zu reduzieren
Um dem starken Tabakkonsum entgegenzuwirken, empfiehlt die WHO in ihrem neuen Bericht folgende Maßnahmen: Die drastischen Warnungen vor dem Rauchen auf Zigarettenpackungen, Rauchverbote in öffentlichen Räumen, eine hohe Besteuerung von Tabakprodukten sowie die zahlreichen Werbeverbote.
Seit Januar 2023 greift ein weiterer von mehreren Schritten einer „Anpassung“ der Tabaksteuer, beschlossen vom Bundeskabinett. Bis 2026 soll das Rauchen kontinuierlich teurer werden – auch für E-Zigaretten. (sli)
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