GroKo-Reform

Reform der Arbeitszeitpläne: Diese Folgen könnte es für Arbeitnehmer haben

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Arbeitszeitgesetz im Wandel: Union und SPD zielen auf das Ende der 40-Stunden-Woche ab. Die Reaktionen variieren stark. Forscher melden neue Vorbehalte.

München – Die Regierung unter Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) plant, das aktuelle Arbeitszeitgesetz zu überarbeiten. Bereits im Koalitionsvertrag haben sich Union und SPD darauf verständigt, eine wöchentliche statt einer täglichen Höchstarbeitszeit zu ermöglichen. Welche Auswirkungen könnte eine solche Novelle des Arbeitszeitgesetzes auf die Beschäftigten haben?

Die Regierung um Kanzler-Merz plant, die Höchstarbeitszeiten anzuheben.

Die Regierung plant mit der Reform des Arbeitszeitgesetzes – diese Neuerung könnte es bringen

Mit der Überarbeitung des Arbeitszeitgesetzes möchte die Bundesregierung den Beschäftigten mehr Flexibilität bieten. Zudem sollen wirtschaftliche Impulse gesetzt und das Arbeitsvolumen trotz des demografischen Wandels erhalten bleiben. Die bisherige Regelung, die ein maximales Arbeitspensum von 40 Stunden pro Woche mit acht bis zehn Stunden täglich vorsieht, könnte bald der Vergangenheit angehören.

Regierungsvertreterinnen und -vertreter schlagen vor, die wöchentliche Obergrenze auf 48 Stunden anzuheben, wie zuletzt unter anderem n-tv und der Staatsanzeiger berichteten. Laut dem Hugo Sinzheimer Institut für Arbeitsrecht (HSI) der Hans-Böckler-Stiftung würde dies Arbeitstage von bis zu 12 Stunden und 15 Minuten ermöglichen, was die derzeitige Höchstgrenze von 10 Stunden deutlich überschreiten würde.

Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“

17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands.
17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands. © dpa
Fritze Merz Kabinett CDU CSU Minister
Der neue Kanzler (offiziell ab dem 6. Mai): Friedrich Merz hat sein Kabinett zusammengestellt. Der 69-Jährige hat vertraute und neue Gesichter auserkoren. In dieser Fotostrecke finden Sie alle von der CDU bestimmten Minister, auch die von der CSU und SPD sind hier zu finden.  © IMAGO/Uwe Koch
Thorsten Frei Kanzleramtsminister Merz Kabinett
Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes: Thorsten Frei (51) ist einer der engsten Vertrauten von Friedrich Merz und in der CDU angesehen.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Johann Wadephul Außenminister Merz Kabinett
Bundesminister für Auswärtiges: Johann Wadephul (CDU) heißt der neue Außenminister.  © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Katherina Reiche Wirtschaftsministerin Merz Kabinett
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie aus der CDU: Katherina Reiche ist 51 Jahre alt und wird die Nachfolge von Robert Habeck antreten. © IMAGO
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Karin Prien von der CDU wird Bildungs- und Familienministerin, sie ist 59 Jahre alt. © IMAGO/Jens Schicke
Nina Warken Gesundheitsministerin Kabinett Merz
Bundesministerin für Gesundheit: CDU-Ministerin Nina Warken (45) soll die Nachfolge von Karl Lauterbach antreten.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Karsten Wildberger Digitalminister Merz Kabinett
Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger ist die wohl größte Überraschung, der ehemalige MediaMarkt-Chef ist 56 Jahre alt.  © AnikkaxBauer
Wolfram Weimer Minister für Kultur
Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer, der 60-Jährige pflegt gute Kontakte in einige Verlage.  © IMAGO/Thomas Bartilla
Schnieder Vekehrsminister CDU Kabinett Merz
Bundesminister für Verkehr: Patrick Schnieder von der CDU soll Verkehrsminister werden. © IMAGO
Dobrindt Innenminister CSU Kabinett Merz Liste
Bundesminister des Innern und für Heimat: Alexander Dobrindt. Der 54-jährige CSU-Mann ist schon zum zweiten Mal Minister. Unter Angela Merkel war er von 2013 bis 2017 Verkehrsminister © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Alois Rainer LAndwirtschaft Merz Kabinett
Landwirtschaftsminister soll der CSU-Politiker Alois Rainer werden. Der 60-Jährige ist durchaus ein überraschender Name, den Söder hier aus den CSU-Kreisen ausgewählt hat.  © IMAGO/Christian Spicker
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär (47) übernimmt das neu zusammengestellte Ministeramt. Die CSU-Politikerin galt von vorneherein als Favoritin aus Bayern.  © IMAGO/Heiko Becker
Klingbeil Kabinett Vizekanzler Finanzminister
Lars Klingbeil wird Vizekanzler und Finanzminister. Der 47-Jährige spricht über die SPD-Minister mit den Worten: „Generationswechsel“ und „neue Gesichter und erfahrene Persönlichkeiten“. Nachfolgend sind alle SPD-Ministerinnen und SPD-Minister aufgelistet.  © IMAGO/FRANK TURETZEK
Boris Pistorius Verteidigunsminister SPD Merz Klingbgeil
Verteidigungsminister bleibt Boris Pistorius, 65 Jahre alt. Er ist eines der prominentesten SPD-Mitglieder des Kabinetts. © IMAGO/Noah Wedel
Der bisherige Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gilt im Merz-Kabinett als gesetzt, wenn es mit schwarz-rot klappt. Er könnte allerdings das Ministerium wechseln und sogar Vizekanzler werden.
Pistorius ist der einzige Minister der einstigen Ampel-Koalition unter Olaf Scholz, der auch unter dessen Nachfolger Friedrich Merz einen Platz im Kabinett gefunden hat. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bärbel Bas, die 57-Jährige wird Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Von 2021 bis 2025 war die SPD-Politikerin Präsidentin des Deutschen Bundestags.  © IMAGO
Hubig, Justiz 56 SPD MErz Kabinett
Dr. Stefanie Hubig ist 56 Jahre alt. Sie wird Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz. DIe SPD-Politikerin ist schon in Rheinland-Pfalz Ministerin für Bildung gewesen.  © IMAGO/Jürgen Heinrich
Reem Alabali-Radovan Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Die jüngste Person aus der SPD-Riege. Reem Alabali-Radovan ist 35 Jahre alt und kümmert sich um „Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“. © IMAGO/Jürgen Heinrich
Hubertz wohnen, Bauministerin SPD KAbinett Merz Klingbeiil
Auch nicht viel älter, auch von der SPD: Verena Hubertz, 37 Jahre, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.  © IMAGO
Carsten Schneider SPD Umweltminister Merz Klingbeil Kabinett
Carsten Schneider von der SPD (49), nicht zu verwechseln mit Patrick Schnieder, wird Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD, galt lange Zeit als aussichtsreiche Kandidatin für einen Kabinettsposten in der Regierung von Friedrich Merz. © Christophe Gateau/dpa
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 werden ihm Außenseiter-Chancen auf ein Amt unter Merz ausgerechnet.
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 galt er zumindest als Außenseiter-Kandidat für einen Posten im Kabinett von Friedrich Merz. Daraus wurde letztlich nichts. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Kultursenator Joe Chialo
Kultursenator Joe Chialo war für die Berliner CDU bei den Koalitionsverhandlungen dabei (Archivbild). Fachleute spekulierten daraufhin Chialo könnte von Friedrich Merz als Kultusminister in sein Kabinett berufen werden. Doch der Posten ging letztlich an den Merz-Vertrauten Wolfram Weimer. © Jörg Carstensen/dpa
Jens Spahn als neuer und alter Minister? Dahinter steht ein Fragezeichen, auch wenn Spahn gewiss Ambitionen hat. Der frühere Gesundheitsminister stand wegen der Maskenaffäre in der Kritik. Andererseits verfügt er über große Regierungserfahrung, die Merz selbst bekanntermaßen fehlt.
Auch Jens Spahn hatte sich Hoffnungen auf einen Kabinettsposten unter Kanzler Friedrich Merz gemacht. Der ehemalige Gesundheitsminister ging in Sachen Kabinett zwar leer aus, kann sich aber dennoch über eine Beförderung im neuen Bundestag freuen: Spahn wird die CDU-Abgeordneten im Bundestag künftig als Fraktionsvorsitzender anführen. © IMAGO/Jens Schicke

Union und SPD hoffen, mehr Flexibilität bei Arbeitszeiten fördert die Beschäftigung

Der Regierung schwebt vor, dass Beschäftigte, die an einem Tag länger arbeiten, den Überschuss gegebenenfalls an anderen Tagen durch kürzere Arbeitszeiten ausgleichen können. Dadurch bliebe an jenen anderen Tagen mehr Zeit für Familie und private Angelegenheiten.

Unions- und SPD-Politikerinnen und -Politiker sehen in der Reform des Arbeitszeitgesetzes auch eine Chance, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Sie hoffen, dass durch flexiblere Arbeitszeiten mehr Menschen, darunter Eltern, pflegende Angehörige oder ältere Beschäftigte, wieder in den Arbeitsmarkt eintreten. Auch Unternehmen sollen von den gelockerten Arbeitszeitregelungen profitieren, indem sie flexibler auf Auftragsspitzen reagieren und ihre Mitarbeitenden bedarfsgerechter einsetzen können.

Neue HSI-Analyse bringt neue Kritik an den Plänen zur Arbeitszeit-Reform hervor

Die Reaktionen auf die Pläne der schwarz-roten Regierungskoalition zur Überarbeitung des Arbeitszeitgesetzes sind jedoch gemischt. Der Verband der bayerischen Wirtschaft (vbw) befürwortet die Anpassung der wöchentlichen Höchstarbeitszeit. Vertreterinnen und Vertreter des vbw argumentieren gegen den häufig geäußerten Einwand, dass Arbeitszeiten von mehr als acht Stunden täglich gesundheitsschädlich seien. Sie behaupten, dass längere Arbeitstage durch kürzere an anderen Tagen ausgeglichen werden könnten.

Dem widersprechen die Vertreterinnen und Vertreter des HSI jedoch entschieden. Arbeitsmedizinische Erkenntnisse zeigen, dass Arbeitstage von mehr als acht Stunden die Gesundheit gefährden. Langfristig führen solche Arbeitszeiten häufiger zu stressbedingten Erkrankungen, einschließlich psychischer Erkrankungen, Burnout und Erschöpfungszuständen. Auch das Risiko für körperliche Erkrankungen wie Schlaganfälle, Diabetes und Krebs steigt bei Arbeitstagen, die acht Stunden überschreiten.

Dr. Amélie Sutterer-Kipping und Dr. Laurens Brandt vom HSI argumentieren, dass die von der Bundesregierung angestrebten Ziele durch deregulierte Arbeitszeiten nicht erreicht werden können. Neben den gesundheitlichen Risiken längerer Arbeitszeiten dürfte sich die Vereinbarkeit von Beruf und Familie nicht wesentlich verbessern. Im Gegenteil: „Die Vorhersehbarkeit und Planbarkeit von Arbeitszeiten stellen wichtige Schlüsselfaktoren für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie dar“, betonen die HSI-Forschenden. Quellen: Hugo Sinzheimer Instituts für Arbeitsrecht (HSI), Verband der bayerischen Wirtschaft (vbw), n-tv, Staatsanzeiger (fh)

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa | Bernd von Jutrczenka und picture alliance/dpa | Marcus Brandt

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