Reformoffensive bei der Rente: Bezüge könnten sich für Millionen Menschen ändern
VonKilian Bäuml
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Die neue Arbeitsministerin plant gravierende Änderungen im Rentensystem. Künftig sollen weitere Gruppen einbezogen werden – doch es regt sich Widerstand.
Renten-Revolution für Millionen Menschen in Deutschland: Viele Selbstständige sind nicht abgesichert
Die Präsidentin der Deutschen Rentenversicherung, Gundula Roßbach, sieht die Zeit reif für eine Pflichtversicherung von Selbstständigen. „Je größer die Gemeinschaft der Beitragszahler, die das gesamte Einkommensspektrum umfasst, umso mehr lässt sich in einer Sozialversicherung solidarische Umverteilung in der Gesellschaft begründen“, sagt sie der PNP. Ein solcher Schritt sei längst überfällig und auch im Koalitionsvertrag vorgesehen. Besonders junge Selbstständige ohne Altersvorsorge könnten damit erfasst werden – mit dem Vorteil, dass sie zwar einzahlen, aber erst viel später Ansprüche geltend machen. Das würde kurzfristig die Finanzierung der Renten stärken.
Die Rentenversicherung erhofft sich davon positive Effekte für das sogenannte Umlageverfahren: Von den aktuellen Rentenbeiträgen werden die Renten der Personen finanziert, die derzeit Rente beziehen. Durch mehr Einzahler könnten die Lasten gerechter verteilt werden. Zudem würden viele Selbstständige, die bislang oft nicht ausreichend abgesichert sind, erstmals eine verlässliche Altersvorsorge erhalten.
Massive Kritik am Renten-Vorschlag: „Verschärft letztlich noch die Probleme der Rentenkasse“
Anders sieht es bei den Beamten aus. Hier warnt Roßbach vor einem langwierigen, aufwendigen Prozess: „Das wäre kein Sprint, sondern ein sehr langer Prozess, der gut geplant werden müsste“, zitiert sie die PNP. Zudem entstünde kein kurzfristiger finanzieller Nutzen, da die bestehenden Pensionsansprüche weiter erfüllt werden müssten. „Dann entstünde aber kein positiver Finanzeffekt für die Rentenversicherung.“
Auch vom Deutschen Beamtenbund gibt es Kritik. Im Gespräch mit dem Deutschlandfunk erklärt der stellvertretende Bundesvorsitzende, Volker Geyer, warum der Rentenvorschlag auf so viel Widerstand stößt. „Er nimmt überhaupt keinen Druck aus dem Kessel. Er löst kein einziges Problem der Rentenkasse.“ Stattdessen würde er den Bundeshaushalt belasten, weil erstmal die Ansprüche der Beamten erhöht werden müssten. Er warnt sogar: „Das verschärft letztlich noch die Probleme der Rentenkasse und vor allem des Bundeshaushalts.“ Stattdessen komme es auf eine gute Arbeits- und Wirtschaftspolitik an, erklärt der Experte.
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