Umfangreiches Facelift

BYD Tang im Test: Das hungrige Monster wird zur stilvollen Familienkutsche

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Der BYD Tang ist nicht mehr wiederzuerkennen. Nach einem umfangreichen Facelift präsentiert sich der Elektro-SUV mit einem neuen Design und verbesserter Technik.

Die Elektromobilität hat die Automobilbranche verändert – auch wenn die Absatzzahlen in Deutschland aktuell alles andere als rosig sind. So sind immer mehr neue Marken und Modelle auf den Markt gekommen. Darunter auch viele Hersteller aus China wie Build your Dreams (BYD). Die Modellplatte ist in den vergangenen Jahren schnell angewachsen. Los ging es mit den Modellen Han, Tang und Atto 3. Hinzu kamen der Seal, Seal U und Dolphin sowie kürzlich der Plug-in Hybrid Seal U DM-i. Nach knapp zwei Jahren bekommt der Tang nun sein erstes Facelift.

Und das fällt ordentlich aus. Optisch fällt zunächst die völlig neugestaltete Frontpartie des Siebensitzers auf. Vorbei sind die Tage, an denen der Tang aussah, als er wäre ein auf Elektro umgerüsteter Verbrenner. Der riesige Kühlergrill ist verschwunden. Stattdessen gibt es jetzt eine geschlossene Front mit schmalen LED-Scheinwerfern. Und auch am Heck hat BYD optisch etwas nachgebessert. Aus dem hungrigen Monster ist ein stilvolles Familienauto geworden.

Größere Batterie für mehr Reichweite

Und auch unterm Blech hat sich bei dem Vorzeigemodell der Chinesen einiges getan. Der Akku besitzt nun eine Kapazität von 108,8 kWh – das sind 22 kWh mehr als bislang. Die WLTP-Reichweite steigt damit von 400 auf 530 Kilometer. Geladen wird nun mit 170 statt 120 kW. Der Ladestand steigt somit innerhalb von 30 Minuten von 30 auf 80 Prozent. Auf unserer Testrunde rund um Frankfurt lag der Verbrauch laut Bordcomputer bei knapp 18 kWh pro 100 Kilometer. Kombiniert gibt BYD hier 24 kWh an.

Der BYD Tang sieht nicht nur schicker aus, sonder kommt auch weiter als vor dem Facelift.

Angetrieben wird der 4,97 Meter lange Tang von zwei E-Motoren mit einer Systemleistung von 517 PS (380 kW) und 700 Nm. Den Sprint von null auf 100 km/h soll der Familien-SUV laut BYD in 4,9 Sekunden zurücklegen. In unserem Test gelang das sogar in 4,6 Sekunden und somit deutlich unter Werksangabe. Bei 190 km/h ist jedoch Schluss.

Elektroauto-Markt in China boomt: Zehn Marken, die Sie kennen sollten

Elektrotransporter von Maxus.
Platz 10 – Maxus: Ford, VW und Mercedes aufgepasst. Mit Maxus greifen die chinesischen Hersteller auch bei den Nutzfahrzeugen an. Die Modelle der 2011 gegründete Tochter von SAIC Motors sind unter anderem bei der österreichischen Post und Ikea im Einsatz. Verkauft werden die Transporter über eigene Händler. © GlobalImagens/Imago
Der Aiways U5.
Platz 9 – Aiways: 2017 ging der Hersteller in China an den Start. Schon zwei Jahre später folgte die erste Niederlassung in Europa. Im selben Jahr kam mit dem U5 das erste Auto in China auf den Markt. 2020 folgte Deutschland.  © Aiways
Der Wey Coffee 01
Platz 8 – Wey: Ihr Debüt feierte die Marke 2016 im Rahmen der Guangzhou Auto Show. Ab 2017 wurden die ersten Autos verkauft. In Europa ist Wey seit 2022 vertreten. Mit dem Coffee 01 will die Tochter von Great Wall in Deutschland durchstarten. Mit dem Plug-in-Hybrid Cooffee 02 legen die Chinesen im Herbst nach. Vertrieben werden die Fahrzeuge vom Importeur Emil Frey. © Wey
Lynk & Co 01
Platz 7 – Lynk & Co: Auch hinter diesem Hersteller, der 2016 gegründet wurde, verbirgt sich wieder Geely. Der Plug-in-Hybrid 01 wird dabei vor allem im Abo vertrieben. Das Modell kann aber auch gekauft oder geliehen werden. Entwickelt und entworfen wurde der Lynk & Co in Schweden bei der Konzernschwester Volvo.  © Lynk & Co
Der MG 4 EV.
Platz 6 – MG: Tot gesagte Leben länger. Das gilt auch für die britische Traditionsmarke MG. Allerdings nicht mehr unter der Flagge ihrer Majestät. Nach der Insolvenz erwarb zunächst die Nanjing Automobile Group im Juni 2005 die Markenrechte für 53 Millionen Pfund Sterling (ca. 61 Millionen Euro). Inzwischen gehört der Hersteller zu SAIC Motor. Dort wurde MG mit Roewe in der Abteilung Passenger Vehicle zusammengefasst. Seit Januar 2021 ist MG auch wieder auf dem deutschen Markt vertreten – unter anderem mit dem 4 EV. © MG
Der Xpeng P7.
Platz 5 – Xpeng: Wie viele chinesische Hersteller ist auch Xpeng noch relativ jung. Erst 2014 wurde das Unternehmen gegründet, konnte in den vergangenen Jahren seine Stückzahlen aber immer weiter steigern. In Europa ist Xpeng bisher lediglich in Schweden, Norwegen, Dänemark und den Niederlanden vertreten. Wann der Hersteller nach Deutschland kommt, ist unklar. © Zuma Wire/Imago
Der Zeekr 001.
Platz 4 – Zeekr: Auch wenn der Name so gar nicht chinesisch klingt, stammt der Hersteller dennoch aus dem Reich der Mitte. Der Markenname setzt sich aus Generation Z und dem Begriff Geek zusammen. Hinter dem erst 2021 gegründeten Autobauer steckt Geely. Mit der neuen Tochter möchte man im Premiumsegment Fuß fassen. Zeekr arbeitet zudem mit Waymo an einem vollelektrischen, autonom fahrenden Ride-Hailing-Fahrzeug für die USA. Zusammen mit Mobileeye will man bis 2024 autonomes Fahren in Serie bringen. 2023 soll die Marke in Schweden und den Niederlanden mit den Modellen 001 und X ihren Europa-Start feiern. © Zeekr
Der Ora Funky Cat.
Platz 3 – Ora: Wie Wey gehört auch Ora zu Great Wall Motor. Gegründet wurde die Elektro-Tochter erst im Jahr 2018. Trotz ihrer noch recht jungen Geschichte hat die Marke schon für einen Aufreger gesorgt und eine dreiste Kopie des VW Käfer auf den Markt gebracht. In Europa gibt es das Modell jedoch nicht, dafür aber den Funky Cat. © Ora/GWM
Der NIO ES6 steht auf einer Messe.
Platz 2 – NIO: Der Name des 2014 gergründeten Herstellers ist eine Anspielung auf den Smog über den Großstädten Chinas. Nio,in chinesischen Schriftzeichen „Weilai“, bedeutet übersetzt „Der Himmel wird blau“. Eine Besonderheit der Marke ist die Battery-Swap-Technologie. In fünf Minuten wird der Akku gegen einen neuen ausgetauscht. Sein Europa-Debüt gab Nio 2021 in Norwegen. Seit 2022 sind die Elektroautos auch in Deutschland erhältlich. © VCG/Imago
Der BYD Seal.
Platz 1 – BYD: Unter den chinesischen Autobauern ist Built Your Dreams (BYD) fast schon so was wie der Opa. Seit 1995 gibt es das Unternehmen bereits. Autos spielten am Anfang jedoch noch keine Rolle, stattdessen baute man wiederaufladbare Batterien. Erst 2003 stieg man durch den Kauf der angeschlagenen Xian Qinhuan Automobile in das Automobilgeschäft ein. Inzwischen ist BYD einer größten Automobilproduzenten Chinas und der Welt. In Deutschland sind die Chinesen derzeit mit den Modellen Atto3, Han und Tang vertreten. © VCG/Imago

Auf einen schweren Gasfuß reagiert der Tang im Sportmodus sehr freudig und spurtet nur so nach vorne – trotz seinen 2,6 Tonnen. Doch auch im Eco und Sportmodus fährt sich der SUV sehr angenehm und handlich. Nicht zuletzt auch dank des neuen Fahrwerkes mit adaptiven Dämpfern. Kurvige Landstraßen liegen dem Tang dabei genauso gut wie eine holprige Autobahn.

BYD Tang bietet viel Komfort für die Langstrecke

Apropos Autobahn. Lange Strecken lassen sich in dem Siebensitzer ebenfalls entspannt zurücklegen. Die Sitze aus Napa-Leder bieten einen guten Halt und lassen sich sowohl beheizen als auch kühlen. Wenn der Rücken doch mal schmerzt, können Fahrer und Beifahrer aus zahlreichen Massageprogrammen wählen. Das Smartphone lässt sich währenddessen kabellos oder über einen der USB-Anschlüsse laden.

In der hinteren Sitzreihe ist der Platz etwas beengt.

Und auch im Fond ist das Platzangebot sehr gut. Hier gibt es sogar ein kleines Display für die Klimaanlage sowie Ports, um das Handy zu laden. In der dritten Sitzreihe wird das Platzangebot dann doch etwas knapp. Längere Fahrten sind dort für große Menschen eher unbequem. Hinzukommt, der Aus- und Einbau der Kofferraumabdeckung ist etwas umständlicher. Sind die Sitze hochgeklappt, sinkt das Kofferraumvolumen von 940 auf 235 Liter.

Modernes und übersichtliches Cockpit

Das Cockpit ist indes sehr übersichtlich gestaltet, wie man es von BYD gewohnt ist. Die Instrumente und das Head-up-Display sind gut lesbar. Und auch das große, drehbare Display lässt sich leicht und flüssig bedienen. Auch wenn es hier und da kleinere Übersetzungsfehler im Deutschen gibt.

Das Cockpit des BYD Tang wirkt aufgeräumt und modern.

Abzüge gibt es jedoch für das neue Markengeräusch des Blinkers. Im Test sorgte dieses von Anfang an für Verunsicherung. Der Blinker klingt nämlich viel mehr wie ein Warnsignal. Glücklicherweise ist der Ton mit wenigen Klicks im Menü des Tang umgestellt. Zudem kommt für unseren Geschmack zu viel Hartplastik und Klavierlack zum Einsatz. Die Beschriftung der Tasten für die Rekuperation und Fahrmodi in der wuchtigen Mittelkonsole könnte ebenfalls besser sein.

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Preise für den Tang hat BYD bisher noch nicht kommuniziert. Für den Vorgänger fingen die Preise bei etwa 70.000 Euro an. Es ist also anzunehmen, dass sich auch das Facelift in diesem Bereich bewegen dürfte. Damit wäre der Elektro-SUV immer noch günstiger als ein VW Tuareg mit Verbrennungsmotor. Unterm Strich macht der Tang vieles besser als sein Vorgänger und bläst zum Angriff auf das Premium-Segment. Denn da gehört er bei dem Preis auch hin.

Rubriklistenbild: © BYD

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