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In Dänemark gehen Arbeitnehmer bald erst mit 70 in Rente. Auch die Niederlande passen ihr Rentenalter an. Wann muss Deutschland nachziehen?
Dortmund – Während in Deutschland weiterhin heftig über Rentenreformen diskutiert wird, haben andere europäische Länder bereits konkrete Schritte unternommen. Allen voran Dänemark und die Niederlande, die das Renteneintrittsalter direkt an die steigende Lebenserwartung gekoppelt haben.
Rente mit 70: Deutsche Nachbarländer machen Ernst
Dänemark erhöht das Renteneintrittsalter von derzeit 67 Jahren auf 70 Jahre. Auch in den Niederlanden wurde das Eintrittsalter kürzlich an die steigende Lebenserwartung gekoppelt – und wird voraussichtlich bald steigen. Damit gehen beide Länder deutlich weiter als Deutschland, wo die Regelaltersgrenze von 67 Jahren erst 2030 vollständig erreicht wird und vorerst dort verharren soll.
Deutschland steht mit seinem aktuellen Rentenalter von 67 Jahren aber keinesfalls allein da. Auch in Belgien, Tschechien und Frankreich ziehen nach und heben das gesetzliche Eintrittsalter an. Doch die Niederlande und Dänemark gehen einen Schritt weiter und setzen auf die Rente mit 70 Jahren.
Dänemark erhöht Rentenalter: Deutschland im internationalen Vergleich
Der Grund für diese bei den Bürgern eher unbeliebten Maßnahmen: Seit 1980 werden deutsche Rentner immer älter – und bekommen länger ihr Altersgeld. Männer beziehen statt 11 jetzt 18,8 Jahre lang Rente, Frauen statt 13,8 sogar 22,2 Jahre lang. Eine Entwicklung, die die Rentensysteme unter enormen finanziellen Druck setzt.
Deutsche Wirtschaftsexperten schauen daher mit Interesse auf Länder wie Dänemark und die Niederlande. Das ifo Institut schlägt sogar die sogenannte „niederländische Regel“ vor: Wenn die Menschen drei Jahre länger leben, arbeiten sie zwei Jahre länger und bekommen ein Jahr länger Rente. Mit diesem System bliebe das Verhältnis von Rentnern zu Erwerbstätigen auch nach 2040 stabil bei etwa 40 Prozent – statt auf fast 50 Prozent zu steigen.
Rente mit 70 bald auch in Deutschland? Rentenalter steigt bereits
Droht also auch in Deutschland bald die Rente mit 70? Trotz dieses internationalen Trends zeigt sich die neue Regierung um Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) bei der Rente noch zurückhaltend. Allerdings steigt das Rentenalter in Deutschland derzeit bereits. Die Deutsche Rentenversicherung (DRV) informiert auf ihrer Website, dass „die Altersgrenze für die Regelaltersrente ohne Abschläge bis 2031 schrittweise auf 67 Jahre angehoben“ wird. Für Versicherte ab Jahrgang 1964 gelte dann die Regelaltersgrenze von 67 Jahren.
Deutschland bietet jedoch Flexibilität: Wer früher in Rente gehen möchte, kann dies mit Abschlägen tun. „Pro Jahr Ihres vorzeitigen Rentenbezugs wird eine Minderung von 3,6 Prozent von Ihrer Rente abgezogen“, erklärt die DRV. Umgekehrt erhalten Arbeitnehmer, die über das Regelalter hinaus arbeiten, pro Monat einen Rentenzuschlag von 0,5 Prozent – das entspricht 6 Prozent mehr Rente nach einem Jahr. Hinzu kommen die Beiträge, die in dieser Zeit weiter eingezahlt werden.
Rente in Deutschland liegt „unter EU-Durchschnitt“
Interessant ist dabei, dass Deutschland im europäischen Vergleich relativ moderate Rentenausgaben aufweist. Laut dem Bundesarbeitsministerium liegen „Deutschlands Rentenausgaben gemessen am Bruttoinlandsprodukt einen Prozentpunkt unter dem EU-Durchschnitt.“ Dabei werden die Renten in Deutschland im Juli 2025 erneut erhöht.
Doch ohne eine Rentenreform werden sie wohl auch weiterhin unterdurchschnittlich bleiben. Weil die Renten hierzulande noch mit dem Lohn steigen, aktuell immer mehr Arbeitnehmer in Rente gehen, als nachkommen – und dann länger ihr Ruhegeld beziehen.
