VonJulia Cuprakowaschließen
Das deutsche Rentensystem lässt Frauen im Stich, da sie oft geringere Rentenansprüche haben. Aktuell ist jede sechste Rentnerin von Altersarmut betroffen.
Steigende Lebenshaltungskosten, geringe Rente und ein langjähriges Ungleichgewicht auf dem Arbeitsmarkt führen dazu, dass Altersarmut vor allem Frauen trifft. Aktuelle Zahlen zeigen: Rund jede sechste Rentnerin in Deutschland ist betroffen – Tendenz steigend. Warum besonders Frauen in der Rente zu kämpfen haben und was sich ändern muss, rückt nun verstärkt in den Fokus der Debatte.
Altersarmut in Deutschland: Jede sechste Frau bekommt zu wenig Rente
Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern kann sich das deutsche Rentensystem nicht gerade mit Ruhm bekleckern. Die Folgen zeigen sich unter anderem in der Altersarmut der Senioren. Denn davon sind nicht nur Frauen betroffen, aber die Zahl ist deutlich höher als bei Männern.
Laut Focus leidet jeder siebte Rentner in Deutschland unter Altersarmut. Bei Frauen ist es sogar jede Sechste. Konkret bedeutet das, dass 2,1 Millionen Rentnerinnen und 1,3 Millionen Rentner unterhalb der Armutsgefährdungsgrenze leben, wie auch der Stern berichtet. Das Magazin zitiert dabei aus einer Sonderauswertung des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden, die das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) angefragt hatte.
Frauen besonders betroffen: Warum das Rentensystem Altersarmut begünstigt
Wie echo24.de bereits berichtete, bekommen Frauen grundsätzlich mehrere Hundert Euro Rente weniger als Männer. Doch ab welchem Betrag gelten Rentner in Deutschland als armutsgefährdet? Laut Auswertungen des Statistischen Bundesamtes sind Rentner derzeit armutsgefährdet, wenn ihnen als Alleinstehenden weniger als 1378 Euro netto im Monat zur Verfügung stehen.
Frauen haben oft deutlich geringere Rentenansprüche, da sie im Durchschnitt häufiger in Teilzeit arbeiten, längere Pausen bei der Erwerbstätigkeit einlegen – beispielsweise, um Angehörige zu pflegen – und oft in schlechter bezahlten Berufen tätig sind. Zwar können sie sich die Kindererziehungszeiten für ihre Rente anrechnen lassen, doch das ist nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.
„Unser Rentensystem ist frauenfeindlich“, kritisierte Sahra Wagenknecht, Chefin des BSW, und sprach sich für die Einführung eines Rentenmodells nach österreichischem Vorbild aus. Dort zahlen fast alle in die gesetzliche Rente ein, darunter auch Beamte. Die Durchschnittsrente liegt deutlich höher als in Deutschland. Konkret fordert das BSW eine Mindestrente von 1500 Euro nach 40 Versicherungsjahren.
Dramatischer Anstieg: Immer mehr Menschen im Ruhestand von Altersarmut betroffen
Laut der Sonderauswertung des Statistischen Bundesamtes ist die Zahl der von Altersarmut gefährdeten Menschen in den vergangenen 20 Jahren stark gestiegen – von 2,0 auf 3,4 Millionen. Im selben Zeitraum stieg die Gesamtzahl der Rentnerinnen und Rentner von 19,8 auf 21,4 Millionen. Von diesen sind etwa 12,2 Millionen Frauen und 9,2 Millionen Männer.
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