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Mit diesem Netto-Einkommen schaffen es Rentner in die Mittelschicht

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Wer als Rentner noch der Mittelschicht angehören will, der sollte frühzeitig handeln.
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Viele Menschen in Deutschland zählen sich zur Mittelschicht. Doch gilt das auch für Rentner? Dabei kommt es auf mehrere Faktoren an.

Dortmund – Im politischen Diskurs ist viel von der Mittelschicht die Rede. Doch wer gehört eigentlich dazu? Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hat dafür eine klare Definition: Singles benötigen zwischen 1.850 und 3.470 Euro Nettoeinkommen im Monat, um zur finanziellen Mittelschicht zu gehören. Für einen Haushalt mit zwei Personen liegt die untere Grenze bei 2.780 Euro.

Als Rentner in der Mittelschicht? Dieses Einkommen ist nötig

Auch für viele Rentner stellt sich die Frage: Reicht die gesetzliche Rente aus, um die finanzielle Grenze zur Mittelschicht bei 1.850 Euro zu erreichen? Die Antwort ist häufig ernüchternd. Denn die aktuellen Zahlen der Deutschen Rentenversicherung (Stand: Ende 2023) zeichnen ein deutliches Bild. Bei den Altersrenten sieht die Verteilung – nach Abzug der Beiträge für Kranken- und Pflegeversicherung – so aus:

Durchschnittl. Netto-RenteMännerFrauen
Alte Bundesländer:1.332 Euro830 Euro
Neue Bundesländer:1.416 Euro1.218 Euro

Das Ergebnis zeigt: Kein einziger Durchschnittswert erreicht die Mittelschichtschwelle von 1.850 Euro. Am nächsten kommen noch Männer in den neuen Bundesländern mit 1.416 Euro – doch auch sie liegen 434 Euro unter der Grenze. Ein großer Teil der Rentner in Deutschland erreicht mit der gesetzlichen Rente alleine daher nicht die Mittelschicht.

Rente und Mittelschicht: Besonders Frauen landen eher in der Grundsicherung

Dramatisch ist die Situation vor allem für Rentnerinnen in den alten Bundesländern. Mit durchschnittlich 830 Euro liegen sie nicht nur weit unter der Mittelschichtschwelle, sondern auch deutlich unter dem Grundsicherungsniveau von. Das entspricht weniger als der Hälfte des Mittelschicht-Einkommens. Schwacher Trost: Wer so wenig Rente bekommt, zahlt womöglich keine Steuern darauf.

Die Deutsche Rentenversicherung erklärt dazu: „Als einfache Faustregel gilt: Wenn Ihr gesamtes Einkommen unter 1.062 Euro liegt, sollten Sie prüfen lassen, ob Sie Anspruch auf Grundsicherung haben.“ Die Gründe sind bekannt: Viele Frauen unterbrechen ihre Arbeit, um die Kinder groß zu ziehen. Weil sie häufiger in Teilzeit arbeiten und niedrigere Löhne bekommen, sinken die Rentenansprüche weiter.

Gibt es überhaupt Rentner in der Mittelschicht?

Rentner in der Mittelschicht – gibt es sie überhaupt? Ja, aber sie sind eher die Ausnahme. Rentner, die 1.850 Euro oder mehr erhalten, erfüllen meist eine oder mehrere der folgenden Voraussetzungen:

  • Viele Beitragsjahre: min. 45 Jahre lang eingezahlt oder hohes Einkommen gehabt
  • Betriebsrenten: Zusätzliche Altersvorsorge über den Arbeitgeber
  • Private Vorsorge: Riester-Rente, Rürup-Rente oder andere Sparformen
  • Mieteinnahmen oder Kapitalerträge: Zusätzliche Einkommen im Alter
  • Beamtenpensionen: Diese liegen oft deutlich über den gesetzlichen Renten

Rente reicht nicht aus: Was können Rentner tun?

Wer bereits im Ruhestand ist, hat nur noch begrenzte Möglichkeiten, etwas an seiner Rente zu verbessern. Dazu gehören vor allem folgende Maßnahmen:

  • Rentenansprüchen auf Vollständigkeit prüfen
  • Grundsicherung im Alter beantragen
  • Einen Nebenjob bis zur Hinzuverdienstgrenze ausüben
  • Ansprüche auf Witwenrente prüfen

Wer noch arbeitet und erst in einigen Jahren in den Ruhestand geht, der kann seine gesetzliche Rente noch aktiv erhöhen. Dazu sind unter anderem diese Maßnahmen denkbar:

  • Private Altersvorsorge abschließen
  • Betriebliche Altersvorsorge in Anspruch nehmen
  • Arbeitszeit vor Rentenbeginn erhöhen
  • Rente mit freiwilligen Beiträgen erhöhen
Für junge Erwachsene kann sich die Frühstart-Rente lohnen – wenn sie selbst etwas unternehmen.

Die neue Bundesregierung um Kanzler Friedrich Merz (CDU) will zudem einen Arbeitslohn von bis zu 2000 Euro für Rentner steuerfrei machen.

Rente soll Armut im Alter verhindern

Die Zahlen der Rentenversicherung verdeutlichen ein grundsätzliches Problem: Die gesetzliche Rente allein reicht für die meisten Menschen nicht aus, um im Alter zur Mittelschicht zu gehören. Das Rentensystem war allerdings nie darauf ausgelegt, den gewohnten Lebensstandard vollständig zu erhalten – es sollte lediglich vor Altersarmut schützen.

Das Rentenniveau liegt derzeit bei etwa 48 Prozent des Durchschnittsverdienstes. Wer also zeitlebens durchschnittlich verdient hat, erhält im Alter weniger als die Hälfte seines früheren Einkommens. Doch diese Lücke lässt sich mit einigen Werkzeugen zumindest verkleinern.

Mit Rente in die Mittelschicht: Drei-Säulen-System hilft dabei

Ohne zusätzliche Altersvorsorge ist der Verbleib in der Mittelschicht für die meisten Rentner schwierig. Das auch von der DRV beschworene Drei-Säulen-System aus gesetzlicher, betrieblicher und privater Rente ist für einen angemessenen Lebensstandard im Alter meist unverzichtbar.

Besonders Frauen sollten frühzeitig ihre Rentenaussichten prüfen und gegensteuern. Für sie ist die Gefahr des Abstiegs aus der Mittelschicht im Alter besonders groß.

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