VonAdrian Kilbschließen
Der Streit um die Rente läuft heiß: Bundeskanzler Friedrich Merz hat große Mühe, die junge Generation für das geplante Rentenpaket zu gewinnen. Warum ist das so?
Innerhalb der Union schwillt ein heftiger Streit um die Rente: Der Junge Gruppe der Unionsfraktion im Bundestag ist das Rentenpaket in seiner jetzigen Form ein Dorn im Auge. Noch im Dezember 2025 sollen die Abgeordneten darüber abstimmen. Darüber, was Bundeskanzler Friedrich Merz den jungen Abgeordneten anbieten will, um sie noch auf Linie zu bringen, ist allerdings ein großes Rätsel. Der Konflikt entzündet sich am Nachhaltigkeitsfaktor. Doch wie stark kann dieser überhaupt die Rentenhöhe beeinflussen?
Kritik an Rentenplänen: Wie ohne Nachhaltigkeitsfaktor junge Generationen belastet werden
Nach einer Formulierung im Rentengesetzentwurf soll auch nach 2031 das Rentenniveau bei 48 Prozent liegen und damit um rund einen Prozentpunkt höher, als im geltenden Recht. „Auch nach 2031 liegt das Rentenniveau um rund einen Prozentpunkt höher als im geltenden Recht“, heißt es wörtlich in der umstritteneren Passage. Durch die Stabilisierung der Haltelinie wollen die Koalitionäre verhindern, dass die jeweils im Juli stattfindenden Rentenerhöhungen in den Jahren ab 2032 weniger hoch ausfallen.
Das Rentenniveau beschreibt die Standardrente eines Ruheständlers, der 45 Jahre lang zum Durchschnittsverdienst gearbeitet hat, im Verhältnis zum aktuellen Durchschnittslohn. Soll es dauerhaft, wie jetzt vorgesehen, bei 48 Prozent eingefroren werden, müsste die Merz-Regierung den Nachhaltigkeitsfaktor auch über 2031 aussetzen.
Der Nachhaltigkeitsfaktor berücksichtigt die demografische Entwicklung in der Bundesrepublik. Er soll die Jungen eigentlich schützen, indem die Renten künftig weniger stark steigen, wenn mehr Rentner als bisher den Beitragszahlern gegenüberstehen.
Im April 2025 beschlossenen Koalitionsvertrag findet sich dieser Zusatz allerdings noch nicht – weshalb die jungen Unionspolitiker auf die Barrikaden gehen. Sie wittern Verrat am Generationenvertrag und aktuelle und künftige Beitragszahler über Gebühr belastet.
So teuer wird das Rentenpaket der Bundesregierung
Die Kritik richtet sich unter anderem gegen Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD), die ihre Macht genutzt haben soll, um heimlich den Entwurf um den entsprechenden Passus zu ergänzen. Die Haltelinie verhindert, dass das Rentenniveau ab 2029 sinkt und bis 2031 einen Wert von 47 Prozent erreicht. So weit, so gut: Jetzt will die schwarz-rote Koalition sich allerdings auch danach an dieses Rentenniveau klammern. Bis 2040 würde es ansonsten auf 46,3 Prozent fallen, wie das Handelsblatt schreibt.
Dem Staat würden dadurch Mehrkosten von rund 118 Milliarden Euro entstehen, wie dpa berichtet. Die Deutsche Rentenversicherung geht von rund 111 Milliarden Euro zusätzlich aus, die für den Zeitraum von 2032 bis 2040 anfallen und aus Steuermitteln bezahlt werden müssten. Aber auch die Arbeitnehmer werden zusätzlich belastet, weil der aktuelle Rentenbetrag von 18,6 Prozent schon 2028 um 1,2 Prozentpunkte auf dann 19,8 Prozent steigen könnte, wie die Deutsche Rentenversicherung (DRV) mitteilt.
Letzter Rettungsanker: Was das Rentenpaket im Bundestag noch retten könnte
Der Gruppe der jungen Unions-Parlamentarier könnte das Rentenpaket in seiner jetzigen Form im Bundestag zu Fall bringen, vorausgesetzt, sie stimmen mit der Opposition geschlossen dagegen. Um sie umzustimmen, müssten an dem Gesetzentwurf, über den Fachpolitiker zurzeit beraten, wohl tiefgreifende Änderungen vorgenommen werden. Ob da die SPD um ihren Vizekanzler Lars Klingbeil mitmacht, darf allerdings stark angezweifelt werden.
Der Nachwuchs der konservativen Parteien klammert seine Hoffnungen an eine angekündigte Kommission, die Vorschläge für eine große Rentenreform erarbeiten soll. Idealerweise schafft es der Bundestag, darüber noch vor der Sommerpause 2026 abzustimmen, sagte Pascal Reddig, Vorsitzender der Jungen Gruppe der Unionsfraktion, dem Stern. Allerdings hat die Regierung noch nicht mal Mitglieder der Kommission ernannt. Erschwerend kommt hinzu, dass diese kaum noch Handlungsspielraum hätte, wenn mit dem Rentenpaket jetzt schon Nägeln mit Köpfen gemacht werden.
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