Rentendebatte entfacht: Beamte vor längerer Lebensarbeitszeit
VonChristoph Gschoßmann
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Beamte sollen wegen ihrer längeren Lebensdauer mehr Arbeitsjahre leisten, so ein Institut. Geringverdienende sollen im Gegenzug mehr Rente erhalten.
München – Fünfeinhalb Jahre länger bis zur Rente für Beamte? Das Pestel-Institut hat eine Reform der Renten- und Pensionssysteme angeregt und dabei eine Verlängerung der Arbeitszeit für Beamte vorgeschlagen. Um die Altersversorgung in Deutschland gerechter und finanziell tragbar zu gestalten, sollten Beamte nach Ansicht des Instituts fünfeinhalb Jahre länger arbeiten als Arbeiter. Diese Empfehlung begründet das Institut mit der „überdurchschnittlich langen Lebenserwartung“ von Beamten. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche hatte kürzlich gefordert, dass die Deutschen generell mehr und länger arbeiten müssten.
Rente: Studie verweist auf bisher „kaum oder gar nicht“ berücksichtigte Faktoren
In der Studie wird betont: „Wenn wir über eine längere Lebensarbeitszeit reden, dann sollten vor allem die Menschen länger arbeiten, die eine höhere Lebenserwartung aufweisen.“ Statistisch gesehen trifft dies auf Beamtinnen und Beamte zu, die zudem über einen längeren Zeitraum Pensionen beziehen als Arbeiter. Diese Faktoren würden in der aktuellen Rentendiskussion jedoch „kaum oder gar nicht berücksichtigt“, kritisierte das Institut.
Darüber hinaus plädiert das Institut für höhere Renten für Geringverdienende. Eine „soziale Staffelung“ sei notwendig, so der Chefökonom des Instituts, Matthias Günther. Angesichts der statistisch niedrigeren Lebenserwartung von Geringverdienenden müssten deren Renten „unbedingt angehoben werden“. Im Gegensatz dazu wäre eine „soziale Dämpfung“ der Rentenhöhe bei Besserverdienenden durchaus gerechtfertigt.
Beamtenbund reagiert auf Vorschlag: „Absurde Idee“
Das Pestel-Institut agiert als Forschungsinstitut und Dienstleister für Kommunen, Unternehmen und Verbände und erstellt Studien zu Themen wie Wohnungsmarkt, Klimaschutz und Regionalwirtschaft. Der Deutsche Beamtenbund reagierte erwartungsgemäß mit scharfer Kritik und bezeichnete den Vorschlag als „absurde Idee“. Verbandschef Volker Geyer äußerte gegenüber den Funke-Zeitungen: „Beamte, Arbeitnehmende, Selbstständige, Männer, Frauen, Akademiker, Hauptschüler, Übergewichtige, Sportler - bei jeder Gruppe käme eine andere Lebenserwartung raus. Wollen wir wirklich auf diesem Niveau diskutieren?“
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Auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP) lehnte den Vorschlag „rundherum ab“. Ein Sprecher der GdP erklärte gegenüber den Funke-Zeitungen: „Meine Kolleginnen und Kollegen im Schicht- und Einsatzdienst liegen schon heute unter der durchschnittlichen Lebenserwartung, obwohl sie zu Beginn überdurchschnittlich fit und gesund eingestellt werden.“ Auf der Webseite der GdP wird zudem darauf hingewiesen, es sei „falsch, pauschal anzunehmen, dass Beamte deutlich länger leben als andere Beschäftigte“. (cgsc mit dpa)