VonPatrick Mayerschließen
Der riesige Lebensmittelhändler Rewe will ab 2023 auf Werbeprospekte verzichten. Die Einsparnisse in punkto Energie sind gigantisch. Auch eine andere Supermarktkette ist Teil der Revolution.
München/Köln - Unter den Supermarktketten in Deutschland ist das Unternehmen eine feste Größe: Rewe. Zum Lebensmittelhändler aus Köln gehört auch die Tochter-Firma Penny. Gemeinsam haben sie über die gesamte Bundesrepublik verteilt etwa 5450 Supermärkte - davon entfallen knapp 3300 auf Rewe und 2150 auf Penny. Zwischen Berlin und Bayern, zwischen Baden-Württemberg und NRW sind die Marken überall sichtbar. Sie gehören für die Verbraucher zum Alltag dazu.
Rewe: Supermarkt-Riese versendet bald keine Werbeprospekte mehr - auch Penny betroffen
Zum Alltag gehören in Deutschland seit Jahrzehnten indes auch Werbeprospekte, die - mal mehr oder weniger erwünscht - in den Briefkästen landen, um potenzielle Kunden zum Kauf zu animieren. Doch: Damit soll bei Rewe und Penny bald Schluss sein. Das Unternehmen teilte am Mittwoch (27. Juli) mit: „Zum 1. Juli 2023 wird der Druck und die Verteilung der Prospekte eingestellt.“
| Umsatz 2021 (national und international): | Filialen in Deutschland: | |
| Rewe Group (Konzern) | 76,5 Milliarden Euro | - |
| Rewe (Lebensmittelhandel) | - | rund 3300 |
| Penny (Lebensmittelhandel) | 13,6 Milliarden Euro | rund 2150 |
Quelle: rewe-group.com (Stand 28. Juli, 13 Uhr)
Wie der Rewe Konzern weiter erklärte, spare die Umstellung mehr als 73.000 Tonnen Papier, 70.000 Tonnen CO2, 1,1 Millionen Tonnen Wasser und 380 Millionen Kilowattstunden Energie ein - und zwar pro Jahr. Ob auch Prospekte vom konzerneigenen Reiseanbieter ITS Reisen betroffen sind, wurde indes nicht kommuniziert. Der Schritt ist mit Blick auf die drohende Gas-Krise jedenfalls als Signal zu werten. Kostengründe dürften mit Blick auf die steigenden Gas-Preise in Deutschland eine Rolle gespielt haben. Profiteur der revolutionären Entscheidung ist nicht zuletzt der Umweltschutz.
Exemplarisch: Der Bundesgeschäftsführer des Naturschutzbundes Deutschland (NABU), Leif Miller, würdigte den Schritt von Rewe als „wichtige Entscheidung zum Wohle der Natur, der hoffentlich viele Wettbewerber im Lebensmitteleinzelhandel folgen werden“. Vor Rewe hatte sich bereits die Baumarktkette Obi dazu entschieden, keine Werbeprospekte mehr zu verschicken. Das ist bereits seit Juni 2021 der Fall, während sich Rewe für die Umstrukturierung noch ein Jahr Zeit nimmt.
Im Video: Supermarkt-Riese Rewe will ab Mitte 2023 auf Werbeprospekte verzichten
Wie der Konzern ankündigte, will er in einem ersten Schritt ab Anfang August die Auflage der Werbeprospekte um vier Millionen Stück senken. Rewe will künftig stattdessen noch stärker auf digitale Werbung und auf Anzeigen in klassischen Medien setzen, heißt es. Jens-Peter Gödde vom Kölner Institut für Handelsforschung (IFH) warnt die Lebensmittelhändler indes vor einem Risiko.
Rewe verzichtet auf Werbeprospekte: Viele Kunden suchen darin nach Sonderangeboten
Der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erklärte Gödde: „Da gibt es viele Leute, die mit seiner Hilfe ihren Wocheneinkauf planen und entscheiden, wo sie diesmal einkaufen.“ Dieser Effekt verstärke sich aktuell, da viele Konsumenten bei steigenden Lebensmittelpreisen im Zuge der Inflation auf der Suche nach Sonderangeboten seien. (pm)
