Chronische Schmerzen

Mehr Lebensqualität trotz Rückenschmerzen: Sieben Tipps vom Top-Arzt

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Ständig stresst der Rücken: In Deutschland leiden 23 Millionen Menschen unter chronischen Schmerzen, viele von Ihnen haben Probleme mit der Wirbelsäule.
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Einer von Deutschlands renommiertesten Schmerzmedizinern erklärt, wie man die Lebensqualität trotz heftiger Rückenschmerzen verbessern kann.

Von dieser Volkskrankheit sind viel mehr Menschen betroffen als die meisten glauben: Allein in Deutschland haben rund 23 Millionen Frauen und Männer mit chronischen Schmerzen zu kämpfen – also mindestens jeder vierte Bundesbürger. „Die Patienten leiden nicht nur körperlich, sondern oft auch psychisch sehr stark. Deshalb ist es so wichtig, dass chronische Schmerzen aus mehreren medizinischen Blickwinkeln heraus analysiert und behandelt werden. Der Arzt sollte den Menschen ganzheitlich sehen. Und auch für Patienten gibt es eine goldene Regel: Sie können selbst viel dafür tun, um mit ihren chronischen Schmerzen besser umzugehen und ihre Lebensqualität zu verbessern“, weiß Professor Dr. Dr. Thomas Tölle vom Uniklinikum rechts der Isar. Hier gibt der erfahrene Neurologe und Psychologe sieben Tipps speziell für Patienten mit hartnäckigen Rückenschmerzen:

1. Darauf kommt es bei der Diagnose von Rückenschmerzen an

Professor Dr. Dr. Thomas R. Tölle leitet das Zentrum für interdisziplinäre Schmerzmedizin des Uniklinikums rechts der Isar.

Legen Sie Wert auf eine gründliche und umfassende Diagnostik. Hierzu gehören eine ausführliche Befragung zur Entstehung Ihrer Schmerzen sowie eine klinische, also händische Untersuchung. Das erfordert etwas Zeit, die sich Ihr Arzt nehmen sollte. Falls nötig, wird ihr Arzt noch bildgebende Verfahren wie Röntgen-, MRT- und/oder CT-Bildgebung veranlassen. Lassen Sie sich die Diagnose genau erklären und trauen Sie sich nachzufragen, wenn Sie etwas nicht verstehen. Wenden Sie sich an ein Schmerzzentrum, das interdisziplinär arbeitet, also Spezialisten verschiedener Fachrichtungen zur Beratung vorhält.

2. Auch gesetzlich Versicherte haben das Recht auf eine zweite Meinung

Der Hintergrund: Gerade in der Wirbelsäulenmedizin werden Diagnosen mitunter hauptsächlich auf der Basis von Bildern gestellt. Aber längst nicht immer sind die Veränderungen, die der Arzt auf den ersten Blick anhand von CT- oder MRT-Aufnahmen erkennt, auch wirklich der Auslöser für die Schmerzen. Deshalb gilt die goldene Regel: Holen Sie sich im Zweifel lieber eine zweite Meinung ein. Auch gesetzlich versicherte Patienten haben das Recht, insbesondere bei einer OP-Empfehlung einen weiteren Mediziner nach seiner Einschätzung zu fragen.

3. Bei Beschwerden an der Wirbelsäule nicht leichtfertig unters Messer legen

Apropos Operation: Unter Schmerzmedizinern ist unstrittig, dass in Deutschland viel zu oft an der Wirbelsäule operiert wird. In vielen Fällen bringt der Eingriff nicht den gewünschten Erfolg – oder eine konservative Therapie hätte zumindest genauso gut geholfen. Deshalb sollte man sich nicht leichtfertig unters Messer legen, sondern vorher immer gründlich zu konservativen Alternativen beraten lassen. Ausnahmen: echte Notfälle mit neurologischen Ausfällen, beispielsweise Lähmungserscheinungen in den Beinen und Armen oder Entleerungsstörungen bei Blase und Darm.

4. Trotz Rückenschmerzen in Bewegung bleiben

Nehmen Sie in Absprache mit Ihrem Arzt Schmerzmittel für die akute Phase der Beschwerden, aber versuchen Sie trotzdem, in Bewegung zu bleiben. Dabei können auch physiotherapeutische Übungen helfen. Nehmen Sie aktiv am Leben teil.

5. Entspannungstechniken regelmäßig anwenden

Erlernen Sie Entspannungstechniken. Es gibt eine Fülle von Verfahren – von Autogenem Training über Yoga, Meditation und Achtsamkeit bis zu progressiver Muskelentspannung und Atemtherapie. Entscheidend ist nicht, welche Technik man wählt, sondern dass man sie regelmäßig anwendet.

6. Digitale Angebote zur Behandlung von Rückenschmerzen nutzen

Nehmen Sie Ihre Therapie selbst in die Hand – das bedeutet: Machen Sie Ihre Übungen auch dann, wenn es Ihnen an manchen Tagen schwerer fällt als an anderen. Nutzen Sie die Angebote der digitalen Medizin, die als medizinische Apps alle Angebote von Fortbildung, Physiotherapie und Entspannungstechniken in sich vereinen und eine multimodale Schmerztherapie anbieten. So bietet beispielsweise die neue Kaia App einen virtuellen Bewegungs-Coach, der regelmäßiges Rückentraining ermöglicht und begleitet.

7. Achten Sie auf berufliche und private Belastungen

Dauerstress ist Gift für Sie! Achten Sie darauf, dass Ihnen berufliche und private Belastungen nicht über den Kopf wachsen. Seien Sie ehrlich zu sich selbst, wenn Ihnen manches zu viel wird. Sie dürfen auch mal nein sagen.

Holen Sie sich Hilfe von Profis wie zum Beispiel Psychotherapeuten

Wenn Ihnen etwas auf dem Herzen liegt, machen Sie klar Schiff, ergreifen Sie selbst die Initiative, um Probleme zu lösen und Konflikte aus der Welt zu schaffen oder holen sie sich Hilfe von Profis wie z.B. Psychotherapeuten.

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