Studie zeigt ungenutztes Potenzial

Arbeit statt Rente? Warum Senioren länger im Job bleiben sollen

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Eine Studie zeigt, dass Senioren im Ruhestand ein ungenutztes Potenzial für den Arbeitsmarkt darstellen. Durch finanzielle Anreize und andere Maßnahmen könnten Millionen von Arbeitskräften gewonnen werden.

Viele Menschen sehnen sich nach der Rente. Endlich nicht mehr arbeiten und die Seele baumeln lassen. Doch in Deutschland gibt es ein Problem: Das Land ächzt unter Fachkräftemangel. Laut einer Studie liegt gerade bei den Senioren im Ruhestand ein riesiges Potenzial brach.

Mit finanziellen Anreizen, altersgerechten Arbeitsangeboten und anderen Maßnahmen könnten der Studie zufolge bis zum Jahr 2035 1,36 Millionen Vollzeitbeschäftigte unter den 55- bis 70-Jährigen gewonnen werden, wie eine Modellrechnung ergab. Das entspräche umgerechnet rund 1,5 Millionen Älteren, berichtete Arbeitsmarktexperte Eric Thode von der Bertelsmann Stiftung. Doch wie soll das gehen?

Rentner sollen länger arbeiten: Studie sieht Millionenpotenzial bei Senioren

Ein früherer Renteneintritt wird in Deutschland bereits mit Abschlägen von rund 200 Euro pro Monat und 3,6 Prozent pro Jahr „bestraft“. Einige Ökonomen fordern sogar, die Abschläge für Frührentner auf fünf bis sechs Prozent zu erhöhen. Dann müssten die Menschen automatisch länger arbeiten. Aber ist das wirklich der richtige Weg?

Fakt ist: Um Menschen in der letzten Phase ihres Berufslebens zu ermutigen, länger im Beruf zu bleiben oder aus dem Ruhestand zurückzukehren, ist ein ganzes Bündel von Schritten und Veränderungen notwendig. Dazu gehörten arbeitsrechtliche Erleichterungen, die Schaffung passgenauer Arbeitsplätze, aber auch der Ausbau von Gesundheitsvorsorge, Pflege- und Betreuungsangeboten. Der Handlungsbedarf für Staat und Wirtschaft sei angesichts der ungünstigen Prognosen jedenfalls gegeben.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) geht in seiner jetzt veröffentlichten Modellrechnung im Auftrag der Bertelsmann Stiftung davon aus, dass die Zahl der Erwerbstätigen in der Altersgruppe der 55- bis 70-Jährigen bis 2035 um rund 1,5 Millionen auf dann knapp 9 Millionen zurückgehen wird. Keine rosigen Aussichten. Verhindern ließe sich das vielleicht, wenn sich die Rahmenbedingungen für Ältere – etwa steuerlich und rechtlich – änderten, sagte Thode der „Deutschen Presse-Agentur“. Doch wie soll das konkret gelingen? Schließlich sollen gerade diese Jahrgänge die höchste Rente in Deutschland bekommen, wie echo24.de berichtet.

Senioren länger im Job halten – das sind die zentralen Ansatzpunkte

Die Studie bezieht sich nach Angaben der Stiftung auf die Altersgruppe der 55- bis 70-Jährigen und auf alle Branchen. „Für unterschiedliche Berufsgruppen braucht man natürlich auch unterschiedliche Maßnahmen“, betonte Thode. Konkrete Beispiele: Wer lange in der Produktion gearbeitet hat, kann im Alter auf einen körperlich weniger anstrengenden Arbeitsplatz im Betrieb wechseln. Ein Dachdecker-Senior kümmert sich im Büro am PC um die Materialbeschaffung. Einer älteren Pflegekraft werden technische Hilfsmittel wie Hebelifte zur Verfügung gestellt, um ihre Patienten kräfteschonend aus dem Bett zu heben.

Weiterbildung sei wichtig und von der Politik zu garantieren.

Außerdem müssten Hemmschwellen abgebaut und die Wertschätzung älterer Menschen erhöht werden. Weiterbildung sei wichtig und müsse von der Politik gewährleistet werden. In der Steuer- und Sozialpolitik müsse es Anpassungen geben, auch im Arbeitsrecht, listet die Studie auf. Längst nicht alle Menschen seien im Alter gesundheitlich noch in der Lage zu arbeiten, sagte Thode. Eine frühzeitige Gesundheitsförderung sei entscheidend.

Regierung mit Konzept – Rente aufschieben und Prämie sichern

Auch die geplante Prämie für Senioren, die über das Rentenalter hinaus arbeiten wollen, sei ein richtiger Ansatz, der helfen könne, so Ulrich Walwei, Vizedirektor des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Welche Punkte am Ende tatsächlich umgesetzt werden können und welche überhaupt im Bereich des Möglichen liegen, bleibt abzuwarten. Fakt ist: Vorhaben dieser Größenordnung umzusetzen, wird sehr lange dauern und könne nicht von heute auf morgen umgesetzt werden.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Rainer Berg/Collage:echo24.de

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