Therapie gegen Schmerzen

Wenn Schmerzen chronisch werden: Körper durchlebt drei Phasen

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Viele Menschen leiden unter chronischen Schmerzen. Einfache Schmerzmittel helfen ihnen in der Regel nicht.

Das akute Schmerzempfinden aufgrund einer Verletzung oder Krankheit ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Halten die Schmerzen allerdings über lange Zeit an, beeinträchtigen sie nicht nur die Lebensqualität. In einigen Fällen können die Schmerzen auch chronisch werden. Während viele dabei zunächst nur an eine körperliche Ursache denken, scheint gerade bei chronischen Schmerzen die Psyche eine entscheidende Rolle zu spielen.

Chronische Schmerzen verstehen: Schmerzempfinden hat wichtige Funktion

Rückenschmerzen können unbehandelt chronisch werden.

Ärzte sprechen von chronischen Schmerzen, wenn diese länger als drei bis sechs Monate bestehen. Während akuter Schmerz eine wichtige Warnfunktion für den Körper hat, wird chronischer Schmerz durch körperliche, psychische und soziale Faktoren aufrechterhalten. In Deutschland sind laut Deutsche Schmerzgesellschaft e. V. mehr als zwölf Millionen Menschen von chronischem Schmerz betroffen. Hilfe finden Betroffene allerdings meist erst nach langem Leiden.

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Der größte Risikofaktor bei der Entwicklung chronischer Schmerzen sind akute Schmerzen, die über einen längeren Zeitraum unzureichend oder gar nicht behandelt wurden. Zu den typischen Erkrankungen, welche chronische Schmerzen auslösen können, zählen laut dem Berufsverband Deutscher Internisten vor allem Fehlhaltungen und Verletzungen an Muskeln, Rücken, Nacken, Schultern oder Becken. Aber auch Osteoporose, Arthrose und rheumatische Erkrankungen können chronisch werden. Nervenschmerzen infolge von Operationen, Verletzungen, Stoffwechsel- oder Krebserkrankungen können die Lebensqualität ebenfalls beeinträchtigen.

Chronischer Schmerz: Wie er den Körper verändert

Bei Verletzungen oder Erkrankungen, die über lange Zeit Schmerzen verursachen, können sich bestimmte Vorgänge im Körper verändern. Die betroffenen Nervenzellen werden sensibler, aber auch das Rückenmark und die entsprechenden Gehirnbereiche passen sich an den langanhaltenden Schmerz an. Bis der Schmerz chronisch wird, müssen allerdings zunächst drei Phasen durchlebt werden.

Psychische Gesundheit stärken: Zehn Tipps, die Balsam für die Psyche sind

Eine Frau hält ein Fernglas in der Hand.
Offenheit und Neugierde für neue Erlebnisse schaffen nicht nur Abwechslung im Leben, sondern regen auch die Lebensgeister an. Wer seiner Seele etwas Gutes tun möchte, bleibt dem Leben gegenüber deshalb neugierig und sorgt immer wieder für neue Herausforderungen und Erfahrungen. © Vasily Pindyurin/IMAGO
Eine Frau sitzt im Schneidersitz im Gras und meditiert.
Um Ihre psychische Gesundheit zu stärken, sorgen Sie für genügend Entspannung in Ihrem Leben. Dabei gibt es verschiedene Techniken, wie zum Beispiel Meditation oder Yoga, die Sie hier unterstützen können. Finden Sie die für Sie passende Entspannungsmethode und lassen Sie einfach mal los. © Daniel Ingold/IMAGO
Eine Frau sitzt an einem Schreibtisch und stützt ihren Kopf auf ihre Hände.
Stress und Überlastung im Job können Gift für die psychische Gesundheit sein. Achten Sie deshalb darauf, dass Sie, wenn möglich, im beruflichen Alltag immer wieder kleine Pausen einlegen. Gehen Sie ein paar Schritte, atmen Sie tief ein oder aus oder schauen Sie einfach mal ein paar Minuten aus dem Fenster. Das wird Ihren Körper und Ihren Geist entspannen. © Rainer Berg/IMAGO
Eine Seniorin und ein junger Mann spielen zusammen Karten.
Wer anderen hilft, tut auch sich selbst etwas Gutes. Denn soziales Engagement fördert die Selbstwertschätzung und damit gleichzeitig die psychische Gesundheit. Seien Sie ehrenamtlich tätig und unterstützen Sie beispielsweise Senioren in ihrem Alltag. © Maskot/IMAGO
Freunde sitzen zusammen an einem Tisch.
Einsamkeit wirkt sich negativ auf die Psyche aus. Soziale Beziehungen und Freundschaften gehören zu einem guten Leben dazu. Deshalb sollten Sie diese pflegen und sich regelmäßig bewusst Zeit für Freunde und Familie nehmen. Wer zum Beispiel neu in einer Stadt ist und vor Ort noch keine Bekanntschaften hat, kann sich beispielsweise Vereinen oder Nachbarschaftstreffs anschließen, um Menschen kennenzulernen.  © IMAGO/Maskot
Eine Frau hält ein Bild in ihren Händen.
Malen, Zeichnen oder Schreiben: Künstlerisch oder kreativ tätig zu sein, wirkt sich bei vielen Menschen positiv auf ihre Stimmung und ihr Wohlbefinden aus. Greifen Sie deshalb gerne mal zu Pinsel und Farbe und toben Sie sich auf einer Leinwand aus.  © Emma Innocenti/IMAGO
Eine Frau umarmt einen Mann
Vermeidung ist keine gute Strategie, um Problemen aus dem Weg zu gehen. Anstatt sie zu verdrängen, holen Sie sich Unterstützung von anderen. Tauschen Sie sich zum Beispiel mit guten Freunden aus. Oder nehmen Sie eine Beratungsstelle in Anspruch, um Probleme anzugehen und Lösungen zu finden. Sich Hilfe zu holen, ist keineswegs ein Zeichen von Schwäche. Im Gegenteil: Sie beweisen damit Mut und Ehrlichkeit. © Maskot/IMAGO
Frau hält eine Tasse in der Hand und lacht.
Um sich wohlzufühlen, ist es wichtig, dass man seine ganz eigenen Bedürfnisse kennt. Trainieren Sie sich deshalb in Achtsamkeit sich selbst gegenüber. Nehmen Sie sich öfters Zeit nur für sich. Es empfiehlt sich dafür, das Handy einmal auszuschalten, um nicht gestört zu werden. Außerdem besteht dann weniger die Gefahr, dass man sich ablenken lässt. © "AntonioGuillem"/Imago
Eine Person trainiert an einem Sportgerät.
Sport kann ein guter Ausgleich zur Arbeit sein. Nebenbei macht er sogar noch glücklich. Schließlich schüttet der Körper Endorphine aus, bei denen es sich um die bekannten Glückshormone handelt. Dabei muss man nicht gleich Leistungssport betreiben. Auch andere Formen von Bewegung, wie etwa ein täglicher Spaziergang, unterstützen das Wohlbefinden. © Uwe Umstätter/IMAGO
Eine Person hält ein Fahrrad und eine Tasche mit Gemüse.
Wer allgemein auf einen gesunden Lebensstil achtet, der kann seine psychische Gesundheit damit positiv beeinflussen. Neben einer guten Ernährung gehören beispielsweise ein geregelter Tagesablauf, ausreichend Bewegung und genügend Schlaf und Erholung dazu. Außerdem sollten Sie auf Rauchen und übermäßigen Alkoholkonsum verzichten. © IMAGO/David Munoz

Zu Beginn – in der ersten Phase – fühlen Patienten den akuten, stechenden Schmerz. Dieser hält nur so lange an, wie der schmerzauslösende Reiz auch vorhanden ist. Mit Verschwinden des Reizes geht dieser in einen dumpfen Schmerz über. In Phase 2 ist das Gewebe bereits sensibilisiert und der Körper versucht die betroffene Stelle zu schützen. Die Sensibilisierung nimmt nach der Heilung allerdings in der Regel wieder ab. Treten die akuten Schmerzen über einen längeren Zeitraum oder wiederkehrend auf, strukturiert sich das Gehirn jedoch um. Die empfindlichen Nervenzellen vermehren sich. Rückenmark und Gehirn reagieren stärker auf die einkommenden Reize.

Folgen von Schmerzen: Unbehandelt können sie chronisch werden

Die Dauer Schmerzes, aber auch die Intensität sind maßgeblich an der Entwicklung von chronischen Schmerzen beteiligt. Mit der Zeit bildet sich ein Schmerzgedächtnis, welches auch dann reagiert, wenn die Schmerzursache nicht mehr akut ist. Doch auch Faktoren wie Depressivität, negativer Stress und zu wenig Bewegung können chronische Schmerzen begünstigen. Häufig werden die psycho-sozialen Faktoren allerdings noch unterschätzt.

Obwohl bekannt ist, dass die Psyche einen entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung und Heilung chronischer Schmerzen hat, haben Betroffene meist einen langen Leidensweg vor sich. Die Therapie von chronischen Schmerzen ist langwierig und schwierig. Je nach Art und Intensität der Schmerzen hat sich eine individuelle Kombination verschiedener Behandlungsverfahren aus verschiedenen Fachbereichen als erfolgreich bewiesen.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren RedakteurInnen leider nicht beantwortet werden.

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