VonRudolf Bögelschließen
Eigentlich ein Passat, aber trotzdem ein Superb. Die beiden Kombis von VW und Škoda sind fast baugleich. Trotzdem gibt es feine Unterschiede. Erster Fahrtest mit dem Tschechen.
Kurzer Ausflug in die Historie: Der eine war Mechaniker, der andere Buchhändler – und beide waren begeisterte Radsportfans. Das schweißte zusammen. Deshalb beschlossen Václav Laurin und Václav Klement, die besten Fahrräder ihrer Zeit zu bauen. Das war anno 1895 – die Geburtsstunde des tschechischen Autobauers Škoda. Zuerst Fahrräder, dann Motorräder und Ende 1905 schon das erste Auto: Die Laurin & Klement Voiturette mit einem Einliter-Zweizylinder. Als Hommage an die Gründer nennt Skoda die luxuriösesten Ausstattungslinien deshalb L & K.
Ist er Passat jetzt superb oder der Superb nur passabel?
Warum wir das erzählen? Weil das viel über das Selbstbewusstsein der Tschechen sagt, das beim aktuellen Superb einen neuen Höhepunkt erreicht haben dürfte. Früher schraubte man auf bewährte VW-Technik eine Škoda-Karosse. Dazu ein paar Simply-Clever-Lösungen wie der legendäre Eiskratzer im Tank. Fertig war die Günstig-Alternative aus Mladá Boleslav. Gleiche Technik, gleiche Qualität für weniger Geld – das war die Erfolgsformel von Škoda.
Beim neuen Superb, den es als Combi und als Limousine gibt, ist das anders. Entwickelt wurde der Bestseller (allein von der dritten Generation wurden 866.000 Exemplare verkauft) nämlich unter der Federführung von Škoda – und jetzt schraubt VW eine andere Karosse darauf, den Passat. Und so viel billiger ist der Kombi mit C auch nicht mehr: Gerade mal 400 Euro spart man sich beim Basismodell.
5,90 Meter lang und bis zu 1.920 Liter Kofferraumvolumen
Superb ist Passat und Passat ist Superb – für die letzte Verbrenner-Generation hat man beim VW-Konzern die Kräfte gebündelt. Das einzige Privileg: Die Wolfsburger durften ihren Passat früher vorstellen. „Geräumig wie nie, laufruhig wie nie, Premium wie nie“ – so urteilten wir im ersten Fahrtest des Wolfsburgers. Und das trifft logischerweise auch auf den Zwilling zu. Nochmal die Key Facts: Der Superb ist 4,90 Meter lang (plus vier Zentimeter) und 1,85 Meter breit (minus zwei Zentimeter) und damit ein echter Raumkreuzer. Fahrer und Beifahrer sitzen außerordentlich bequem, im Fond geht es ähnlich großzügig zu. Dank der bis zu 90 Grad öffnenden Türen ist das Einsteigen hier ein Kinderspiel. Und hinten im Heck ist mit einem Volumen von 690 (plus 30) bis zu 1.920 Liter so viel Platz, da passt ein halber Getränkemarkt rein.
Nettes Detail am Rande: Der QR-Code im Kofferraum hat einen praktischen Zweck. Handy raus, Code scannen – und schon zeigt uns ein Video, wie man zum Beispiel die schwenkbare Anhängerkupplung bedient. Das ist einfach klug, simply clever – und so heißen ja auch die legendären Features, die einen Škoda zum Škoda machen. Heute dienen sie mehr denn als Unterscheidungskriterium zum Konzern-Bruder Passat. Insgesamt 28 Simply-Clever-Lösungen (teils Serie, teils optional) sind an Bord des Combi Superb. Klassiker wie der Regenschirm im Türrahmen und Eiskratzer im Tankstutzen dürfen dabei nicht fehlen. Neu sind das herausnehmbare Brillenetui, zusätzliche Handytaschen an den Rücksitzen und die Bildschirm-Bürste, die an den Rillenreiniger für Langspielplatten erinnert. Auch die elektrische Kofferraumabdeckung feiert Premiere im Superb.
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Neuer Plug-in-Hybrid mit über 100 Kilometer Reichweite
Weil wir gerade bei praktisch sind und was es auch tatsächlich so nicht im Passat gibt, das sind die sogenannten Smart Dials gleich unter dem 13 Zoll (ca. 33 cm) großen Hauptbildschirm. Das sind drei Rundinstrumente mit Bildschirmen (32 mm), die man durch Drehen und Drücken bedient. Über die beiden äußeren Regler, die ihre jeweilige Funktion auf dem kleinen Display zeigen, lassen sich Innenraumtemperatur, die Sitzheizung und die -belüftung steuern. Das mittlere Instrument kann frei mit vier unterschiedlichen Funktionen belegt werden. Zum Beispiel mit Lautstärke, Gebläsestufe, Fahrmodi oder Zoom für das Navi. Drücken, Funktion auswählen, drehen. So einfach kann es sein – und der Fahrer ist garantiert nicht abgelenkt. Der Tacho ist natürlich voll digital – und erstmals gibt es im Superb auch ein (optionales) Head-up-Display.
Das wirklich gelungene Fahrwerk ist ganz neu und heißt DCC Plus. Ein echtes Feature aus der Oberklasse, das es so auch im VW Passat Variant gibt. Herzstück sind die Ein-Kammer-Zwei-Ventil-Dämpfer mit getrennter Zug- und Druckstufe. Komfortabel, aber nicht schwammig, sportlich, aber nicht zu hart, ganz wie es die breite Mehrheit haben will. Auch bei den Motoren gibt es logischerweise keine Überraschungen. Ein Mild-Hybrid mit 1,5-Liter Benziner und 150 PS, ein Plug-in-Hybrid mit 204 PS und über 100 Kilometer Reichweite – aber kein reines Elektroauto.
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Jeweils zwei Liter Hubraum weisen Diesel und Benziner auf. Beim Selbstzünder werkeln wahlweise 150 oder 193 PS, der TSI kommt mit 204 oder 265 PS daher. Die jeweils stärksten Maschinen erhalten Allradantrieb. Spaß machen die Motoren allesamt, mit Ausnahme des Mild-Hybriden, der sich manchmal schon recht plagen muss. Wer Dynamik schätzt, muss auf die leistungsstarken Benziner und Diesel zurückgreifen. Kultiviertes Fahren mit sportlichen Akzenten. So macht auch ein Kombi Spaß.
Technische Datenn Škoda Superb Combi 2,0 TDI
- Motor: 2,0-Liter Vierzylinder-Diesel
- Antrieb: Allrad / 7-Gang-DSG
- Leistung: 142 kW (193 PS)
- Drehmoment: 400 Nm (1.750 – 3.250 U/min)
- 0 – 100 km/h: 7,6 s
- Höchstgeschwindigkeit: 230 km/h
- Verbrauch: 5.7 – 6.3 l / 100 km
- Länge / Breite / Höhe: 4,90 / 1,85 / 1,48 m
- Radstand: 2,84 m
- Leergewicht / Zul.: 1.750 – 1.926 / 469 - 645 kg
- Anhängelast / Stützlast: 2.200 / 90 kg
- Kofferraum: 690 – 1.920 l
- Preis: 48.370 Euro (Basis: 39.580)
Unser Fazit zum neuen Škoda Superb Combi
Früher war der Škoda Superb ganz passabel, heute ist der VW Passat ziemlich superb. Unter dem Strich ist es eine Frage des Geschmacks, welchen Kombi man kauft. Sicher ist, dass Volkswagen mit den beiden Modellen noch mal abräumen wird. Grund dafür ist die zunehmende Elektro-Skepsis der Kunden und die Tatsache, dass sich die anderen Hersteller (Renault Talisman, Ford Mondeo, Opel Insignia und Mazda 6) schon aus diesem Segment verabschiedet haben. (Rudolf Bögel)
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