Persönlichkeitsstörung

So gelingt der Umgang mit Narzissten: Warum Kommunikation oft scheitert – welche Strategien helfen

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Ob im Berufs- oder Privatleben – der Umgang mit Narzissten kann zermürbend sein. Doch warum scheint die Kommunikation häufig so anstrengend? Ein Blick hinter die Fassade.

Es gibt Menschen, bei denen jedes Gespräch zur Herausforderung wird. Oft stecken hinter dieser Anstrengung narzisstische Persönlichkeitsmerkmale, die Gespräche kompliziert und emotional aufreibend machen. Narzissten sind oft Meister der Selbstdarstellung und verfügen über ein starkes Bedürfnis nach Bewunderung. Doch genau diese Eigenschaften führen dazu, dass sich Gespräche mit ihnen schnell festfahren oder in Konflikte ausarten. Es ist wichtig, zu verstehen, wie Narzissmus die zwischenmenschliche Kommunikation beeinflusst.

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Was die Kommunikation mit Narissten anstrengend macht: Sechs typische Verhaltensweisen

Narzissten empfinden sich selbst nicht nur als den Mittelpunkt der Welt – sie verhalten sich auch so. (Symbolbild)

Die narzisstische Persönlichkeitsstörung tritt häufiger auf, als viele denken: Schätzungen zufolge ist etwa einer von hundert Menschen betroffen. Charakteristisch für diese Störung ist, dass sich ihre ersten Anzeichen oft schon in der Jugend oder im frühen Erwachsenenalter zeigen, wie es beim Portal Quarks heißt. Typische Charaktereigenschaften und Verhaltensmerkmale von Personen mit einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung sind:

  1. Ständiger Fokus auf sich selbst
    Narzissten bringen jedes Gespräch früher oder später auf sich selbst zurück. Sie hören weniger zu, als dass sie Gelegenheiten suchen, ihre eigenen Leistungen oder Ansichten darzustellen. Das Gefühl, nicht wirklich gehört zu werden, kann auf Dauer frustrieren.
  2. Mangel an Empathie
    Narzissten haben oft Schwierigkeiten, sich in andere hineinzuversetzen, wodurch ihre Antworten nicht selten abgeklärt und wenig einfühlsam wirken, was den Gesprächspartner verletzt zurücklassen kann.
  3. Manipulation und Gaslighting
    Viele Narzissten nutzen manipulative Taktiken wie Gaslighting, wodurch die Wahrnehmung und das Erinnerungsvermögen des Gegenübers gezielt infrage gestellt werden und somit Verunsicherung entsteht. Gaslighting ist ein Begriff aus der Psychologie und eine Form von psychischer Manipulation durch die narzisstische Person.
  4. Starke Reaktion auf Kritik
    Narzissten reagieren empfindlich auf Kritik, selbst wenn sie sachlich geäußert wird. Häufig wird die Kritik sofort abgewehrt, oft mit Gegenangriffen, die das Gespräch eskalieren lassen.
  5. Unberechenbare Stimmungsschwankungen
    Narzissten sind emotional oft instabil. Sie können in einem Moment charmant und freundlich wirken, nur um im nächsten Moment abwertend oder aggressiv zu reagieren. Dieses Verhalten macht die Kommunikation unvorhersehbar und mitunter sehr anstrengend.
  6. Dominanz und Kontrolle
    Gespräche mit Narzissten verlaufen selten auf Augenhöhe. Sie neigen dazu, die Kontrolle übernehmen zu wollen, was zu einem ständigen Machtkampf führen kann.

Depression bis Alkoholsucht: Die häufigsten psychischen Krankheiten im Überblick – Jeder dritte ist betroffen

Eine Frau hält ein gefülltes Sektglas in ihrer Hand.
Alkoholsucht zählt zu den am dritthäufigsten diagnostizierten psychischen Leiden. Mit der Medikamentenabhängigkeit zusammen entfallen 5,7 Prozent der Diagnosen auf die Alkoholabhängigkeit. Etwa jeder siebte Erwachsene trinkt Alkohol in gesundheitlich riskanten Mengen. Damit ist Alkohol nach Nikotin das häufigste Suchtmittel in Deutschland, so die Bundes Psychotherapeuten Kammer. 1,8 Millionen Menschen gelten als alkoholabhängig, weitere 1,6 Millionen trinken Alkohol in schädlichen Mengen, heißt es weiter. (Symbolbild) © Bode/Imago
Medikamentensucht bei Senioren
Neben der Alkoholsucht zählt die Medikamenten-Abhängigkeit zu den am dritthäufigsten verbreiteten psychischen Erkrankungen in Deutschland.  © Jens Kalaene/dpa
Frau schaut aus Fenster
Die sogenannten affektiven Störungen zählen zu den psychischen Erkrankungen, die am zweithäufigsten in Deutschland vorkommen. Die Depression ist wohl der bekannteste Vertreter aus dieser Gruppe. Der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde e.V. (dgppn) zufolge, entfallen fast 10 Prozent der Diagnosen auf diese Krankheitsgruppe. Alleine 8,2 Prozent sind von einer unipolaren Depression betroffen. Depressionen gehören damit zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. Rund 16 Prozent der Bevölkerung leiden mindestens einmal in ihrem Leben an einer depressiven Störung, innerhalb eines Jahres sind es ungefähr 8 Prozent, informiert die Bundes Psychotherapeuten Kammer. (Symbolbild) © Fabian Sommer/dpa
Junge Frau vor dem Schrankspiegel
Angststörungen sind am weitesten verbreitet. Der dgppn zufolge entfallen 15,4 der Diagnosen auf Angststörungen wie Panikattacken, Angst vor weiten Plätzen etc. Bei Betroffenen ist das Angstgefühl so übermächtig, dass es den Alltag immens einschränkt. Beschwerden wie Herzrasen, Schwitzen und Zittern zählen zu den Symptomen einer Angststörung. (Symbolbild) © Imago
Frau mit Maßband in der Hand
Essstörungen wie Bulimie oder Magersucht sind zwar insgesamt gesehen weniger weit verbreitet als oben genannte Krankheiten. Doch in der weiblichen Bevölkerung zwischen Pubertät und dem 30. Lebensjahr gehören die Essstörungen zu den häufigen psychischen Erkrankungen, informiert die Bundes Psychotherapeuten Kammer. Etwa ein Prozent der Frauen erkrankt während ihres Lebens an einer Magersucht, rund zwei Prozent leiden im Laufe ihres Lebens an einer Bulimie. (Symbolbild) © Sergiy Tryapitsyn/Imago

Ursachen der narzisstischen Persönlichkeitsstörung

Die Ursachen für Narzissmus sind vielfältig. Eine Studie von Brummelman et al. (2015) zeigt, dass übermäßige Bewunderung durch die Eltern die Entwicklung narzisstischer Züge bei Kindern fördert. Diese sogenannte Soziale Lerntheorie besagt, dass Kinder narzisstisch werden, wenn sie von ihren Eltern auf ein Podest gestellt werden. Im Gegensatz dazu gibt es die Psychoanalytische Theorie, die davon ausgeht, „dass jene Kinder zu Narzissten heranwachsen, die von ihren Eltern zu wenig Wärme und Wertschätzung erfahren haben. Sich selbst auf ein Podest zu stellen, sei eine Strategie, den Mangel an Anerkennung und Liebe zu stillen.“, wie es Prof. Dr. Veronica Job im Zuge ihrer Tätigkeit am Psychologischen Institut der Universität Zürich aufgreift.

Praktische Tipps für den Umgang mit Narzissten

Das Verständnis für die Dynamik in der Kommunikation mit Narzissten ist entscheidend, um letztlich einen einfacheren Umgang mit ihnen zu erzielen. Die Erkenntnis über narzisstische Verhaltensweisen kann helfen, hilfreiche Strategien zu entwickeln und die eigene psychische Gesundheit zu schützen. Drei Tipps, wie für Sie die Kommunikation mit Narzissten leichter wird:

  1. Kritik vorsichtig formulieren, am besten in Ich-Botschaften, um keine narzisstische Wut zu provozieren.
  2. Persönliche Grenzen setzen und Manipulationsversuchen wachsam begegnen.
  3. Wenn möglich, weitestgehend auf Abstand gehen, um sich selbst zu schützen.

Rubriklistenbild: © lunamarina/IMAGO

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