„Soziale Sprengkraft“: Millionen Menschen in Rente träfen Arbeitgeber-Forderungen hart
VonMichel Guddat
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Alina Schröder
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Arbeitgeberverbände wollen Sozialabgaben reduzieren und das Rentenalter erhöhen. Diese Vorschläge könnten Teil des Koalitionsvertrags werden.
Berlin – Die deutschen Arbeitgeberverbände fordern vor der Bildung einer neuen Bundesregierung eine Senkung der Sozialabgaben auf 40 Prozent. Diese Forderung könnte erhebliche Konsequenzen für Rentnerinnen und Rentner haben, da sie Teil des Koalitionsvertrags der kommenden Regierung werden soll.
Arbeitgeber fordern „Begrenzung der Sozialbeiträge“ – folgt dadurch die Erhöhung des Rentenalters?
Rainer Dulger, der Präsident der Arbeitgeberverbände, hebt hervor: „Ohne eine Begrenzung der Sozialbeiträge wird es keinen nachhaltigen Aufschwung geben“. Derzeit betragen die Abgaben etwa 42 Prozent des beitragspflichtigen Bruttoeinkommens. Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) befürchtet, dass die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft und Arbeitsplätze gefährdet werden könnten, wie das Handelsblatt berichtet.
Um das Ziel von 40 Prozent zu erreichen, das auch in den Wahlprogrammen von SPD und CDU/CSU verankert ist, schlagen die Arbeitgeber eine Anhebung des Rentenalters vor. Zudem sollen die Rente mit 63 abgeschafft und eine Pflicht zur privaten Altersvorsorge eingeführt werden.
Weitere Maßnahmen umfassen eine starke Begrenzung des Rentenanstiegs in den kommenden Jahren sowie höhere Abschläge bei vorzeitigem Renteneintritt. Dulger betont: „Viele würden gern länger arbeiten, auch weil sich Menschen über regelmäßigen Kontakt zu Kolleginnen und Kollegen freuen“. Ohne diese Maßnahmen sei ein nachhaltiger Aufschwung nicht möglich.
Müssen Rentner zukünftig länger arbeiten? Arbeitgeberverbände fordern die Begrenzung der Sozialbeiträge durch Reformen, welche unter anderem Rentner treffen würden.
Olaf Scholz spricht sich gegen Erhöhung des Rentenalters aus – Experte warnt vor „sozialer Sprengkraft“
Olaf Scholz hat sich kürzlich erneut gegen eine weitere Erhöhung des Rentenalters ausgesprochen. Er sagte: „Wenn man freiwillig länger weiterarbeiten möchte, so wie ich, ist das möglich. Aber man sollte nicht gezwungen werden“. Seit 2012 wird die Altersgrenze für die Regelaltersrente schrittweise angehoben, bis sie 2031 bei 67 Jahren liegen soll.
Ein Gutachten des Sozialexperten Martin Werding warnt, dass die Sozialbeiträge ohne Reformen bis 2060 auf 55 Prozent steigen könnten, was eine „soziale Sprengkraft“ mit sich bringen würde. Bereits zwischen 1997 und 2007 wurden die 40 Prozent überschritten, was zu einem deutlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit führte.
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Werdings Modellrechnungen zeigen, dass ein Mix aus verschiedenen Maßnahmen den demografiebedingten Anstieg der Beiträge erheblich reduzieren könnte. Die vorgeschlagenen Reformen zielen darauf ab, die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft zu sichern. Dulger mahnt: „Dieser Nettoklau muss ein Ende haben“. Ein weiterer Anstieg der Arbeitskosten würde die weltweite Wettbewerbsfähigkeit bedrohen.