Mehr Ausgaben als Einnahmen

„Schändliche Ungerechtigkeit“: Rentner steht nach Pflegefall schlechter da als Bürgergeld-Empfänger

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Wer lange in die Rentenkasse einzahlt, profitiert im hohen Alter davon. Doch aufgrund einer Pflegebedürftigkeit geriet ein Ehepaar in finanzielle Not.

München – Viele haben das Ziel, im hohen Alter finanziell abgesichert zu sein. Das hat sich auch ein Ehepaar aus Baden-Württemberg gedacht und gemeinsam mehr als 100 Jahre in die Sozialversicherungssysteme eingezahlt. Zwar dürfen sich Rentner allgemein auch 2024 auf steigende Renten freuen. Doch das Rentner-Paar war zeitweise in großer finanzieller Not, weil die Frau pflegebedürftig geworden ist. Was das für das Leben des Ehepaares bedeutet, schilderte ihr Mann.

Rentner nach Pflegefall schlechter aufgestellt als Bürgergeld-Empfänger

Der 86-jährige Rentner beschrieb focus.de die Zeit, als seine Frau in das Pflegeheim einziehen musste: „Ich habe bis zum Schluss gehofft, dass es nicht so kommen würde. Ein paar Hundert Euro werden sie dir doch lassen, sagte ich mir. So viel zumindest, dass man einigermaßen über die Runden kommt.“ Doch seine Ängste wurden Realität. Alleine für die Kosten der Pflege, wie zum Beispiel die Pflegeheimkosten, musste das Ehepaar mehr im Monat zahlen, als ihr Einkommen hergab. Erst zuletzt wurden dennoch Kürzungen der Rente diskutiert.

Viele Ehepaare in Deutschland haben trotz vieler Beitragsjahre in die Rentenkasse mit finanziellen Problemen zu kämpfen. (Symbol)

Der Rentner erklärte: „Was 3300 Euro Ausgaben bedeuten, wenn man 3000 Euro Rente hat, brauche ich wohl nicht zu sagen.“ Und ergänzte: „Nur für Zimmer und die Verpflegung, keine Sonderwünsche. Und dabei ist das Pflegegeld (Pflegestufe 4) schon abgezogen.“

„Das Konto war leer“: Ehepaar kämpft mit finanziellen Problemen seit Pflegebedürftigkeit der Frau

Dabei hatte das Ehepaar eigentlich so gelebt, dass eine solche Situation nicht eintreffen sollte. „Wir waren unser Leben lang fleißig und gleichzeitig sehr sparsam“, so der 86-Jährige. Das gesamte Geld sei in das Haus der Familie geflossen, zudem in Rücklagen „für später, als Absicherung. Sollte einer von uns krank werden, hätten wir was auf der hohen Kante, dachten wir“, meinte der Rentner.

Lange habe er sich noch um seine demente Ehefrau gekümmert. Auch auf Ratschlag seiner Kinder hatte er sie jedoch vor zwei Jahren „schweren Herzens ins Pflegeheim gegeben“. Dadurch folgte nicht nur ein emotionaler Abschied eines gewohnten Alltags, sondern auch ein finanzieller Umschwung. „Bis eben hatte ich es für selbstverständlich gehalten, das Geld für den Einkauf im Supermarkt vom Konto zu nehmen. Seit die Heimrechnung beglichen war, ging das nicht mehr, das Konto war leer.“

Die Top 10 der besten Länder für die Rente im Ausland

Der Sandstrand in San Andres (Kolumbien).
Kolumbien hat es auf Platz 10 geschafft – das Land bietet nämlich nicht nur ein tropisches Klima mit Traumstränden und Sonne das ganze Jahr über. Laut „Retirement Index“ hat Kolumbien auch gutes Gesundheitssystem. Für rund 1.000 US-Dollar im Monat kann man in Kolumbien außerdem ein gutbürgerliches Leben in kleineren Städten leben, für 2.000 Dollar in der Hauptstadt Bogota.  © Imago
Blick auf die Insel Kho Mak in Thailand
Dass Thailand für europäische Auswanderer ein Paradies ist, ist schon lange bekannt. Für Rentner lohnt es sich aber ganz besonders, weil es für Menschen ab 50 Jahren Sonderkonditionen für Langzeitvisen gibt. Zudem sind die Immobilienpreise hier besonders attraktiv: Eine Zweizimmerwohnung kann in Thailand für unter 30.000 Dollar erworben werden.  © IMAGO/Fokke Baarssen
Der Hafen von Portofino, Genua in Italien
Wer lieber in Europa bleiben will, sollte sich Italien für die Rente genauer ansehen. Im Süden bleibt das Wetter auch im Winter warm mit Temperaturen um die 20 Grad. Laut „Retirement Index“ liegt Italien außerdem auf Platz 2 der besten Gesundheitssysteme der Welt. Die Lebenshaltungskosten liegen zwar höher als im Rentnerparadies Thailand. Aber für rund 2.500 Euro im Monat halten sich die Kosten auch hier in Grenzen.  © Imago
Étretat in der Normandie (Frankreich)
Solange man sich nicht gerade Paris aussucht, kann man sich als Rentner in Frankreich ein sehr schönes Leben machen. An der Côte d‘Azur ist es auch im Winter warm und sonnig, und für rund 200.000 Euro kann man sich schon ein Häuschen leisten. Das Gesundheitssystem ist ebenfalls sehr gut und günstig - ein normaler Arztbesuch kostet unter 10 Euro.  © Pixabay
Die Insel Santorin in Griechenland
An 250 Tagen im Jahr scheint in Griechenland die Sonne. Kein Wunder also, dass es im „Retirement Index“ auf Platz 7 liegt. Zudem sind die Lebenshaltungskosten niedriger als in Deutschland, da die Griechen durchschnittlich mit unter 20.000 Euro im Jahr auskommen muss.  © Pixabay
Die kleine Stadt Nerja im Süden von Spanien
In Spanien können Rentner für weniger als 2.500 Dollar im Monat ein gutes Leben führen. Vor allem außerhalb der größeren Städte sind die Lebenshaltungskosten niedriger als in Deutschland. Die Essenskultur der Spanier ist ein echtes Highlight - und ein 3-Gänge-Menü kann in der Regel für weniger als 20 Euro geschossen werden. Außerdem ist Spanien eines der sichersten Länder Europas. © IMAGO/Martin Silva Cosentino
Regenwald und Sandstrand in Costa Rica
Wer den Lebensabend in den Tropen verbringen will, könnte sich Costa Rica aussuchen. Im „Retirement Index“ liegt das Land auf Platz 5. Für 3.000 US-Dollar im Monat kann ein Rentner-Paar ein schönes Leben führen, inklusive Wohnung. Wer über mehr Geld verfügt, kann schon fast im Luxus leben. Zudem gibt es wunderschöne Strände und Sonne das ganze Jahr über.  © Victor Bordera/Imago
Der Kratersee Quilotoa in den Anden von Ecuador
Es gibt nur wenige Länder, in denen die Lebenshaltungskosten so niedrig sind wie in Ecuador. Ein Rentner-Paar kann hier für 1.800 Dollar im Monat alles bekommen, was es zum Leben braucht. Kleine Wohnungen an der Pazifikküste gibt es für unter 150.000 Dollar zu kaufen. Neben den Stränden gibt es die Bergkulisse der Anden - es ist also für jeden was dabei.  © Imago
Die Stadt Bocas del Toro in Panama
Auch Panama kann mit niedrigen Lebenshaltungskosten und einem gehobenen Lifestyle bei Rentnern punkten. Für 150.000 Dollar können hier schöne Wohnungen gekauft werden. Zum Leben braucht man rund 1.000 Dollar Rente im Monat - in Deutschland gilt man mit dem Einkommen als armutsgefährdet, in Panama lebt man im Luxus. Es gibt auch ein Rentner-Visum, das relativ problemlos zu bekommen ist.  © Imago
Die Stadt Puerto Escondido an der Küste von Mexiko
Auf Platz 2 im „Retirement Index“ steht Mexiko. Rentner können hier für rund 800 US-Dollar im Monat ein entspanntes Leben führen, mehr braucht es nicht. Das Land hat außerdem ein modernes Gesundheitssystem, Arztbesuche kosten zwischen 300 und 800 Dollar im Jahr. Mit einem Kurzzeitvisum kann man vier Jahre lang in dem Land leben - muss das Visum aber jährlich aktualisieren.  © Imago
Spätsommer an der portugiesischen Algarve zwischen Portimao und dem Cabo de Sao Vicente / Die herrliche Badebucht Praia
Das beste Land für Rentner im Jahr 2023 ist Portugal. Warum? Weil es alle Wünsche erfüllt: Das Klima ist immer genau richtig, die Landschaft atemberaubend schön und es ist eines der sichersten Länder der Welt. Das Gesundheitssystem wird von der Weltgesundheitsorganisation auf Platz 12 der besten der Welt gesehen. Ein Ehepaar kommt mit 2.500 Dollar im Monat leicht über die Runden. © IMAGO/Rex Schober

„Hundert Jahre eingezahlt, und jetzt das“: Rentner schlechter aufgestellt als Bürgergeld-Empfänger

Der Mann erklärte, dass das angesparte Vermögen etwa ein Jahr reichen würde, bis es verbraucht sei. „Ich wäre ein Sozialfall. Hundert Jahre lang hatten meine Frau und ich zusammen in dieses System eingezahlt, und jetzt das“, so der Rentner. Er sei angesichts dieser Situation nun schlechter aufgestellt als Bürgergeld-Empfänger, die in einer ähnlichen Lage ein deutlich größeres „Schonvermögen“ bekommen würden. „40.000 Euro darf jemand, der Hilfen bezieht, nun behalten. Einem Ehepaar wie uns werden hingegen gerade mal 10.000 Euro pro Person zugestanden.“

Was ist ein „Schonvermögen“?

Das Schonvermögen bezeichnet Vermögenswerte oder Vermögensteile, die bei der Ermittlung von finanziellen Ansprüchen auf Unterstützungsleistungen wie Hartz IV oder Sozialhilfe nicht berücksichtigt werden – und somit geschützt sind. Hierbei muss geklärt werden, ob und inwieweit der Antragsteller über verwertbares Vermögen verfügt, das zur Sicherung des Lebensunterhalts eingesetzt werden kann.

Als verwertbares Vermögen gelten grundsätzlich alle Vermögenswerte, die zur Bestreitung des eigenen Lebensunterhalts oder des Lebensunterhalts der mit dem Antragsteller in einer Bedarfsgemeinschaft lebenden Personen eingesetzt werden können. Hierzu zählen beispielsweise Bargeld, Wertpapiere, Immobilienbesitz oder auch Kraftfahrzeuge. (Quelle: juraforum.de)

Seine Versuche, sich mit Briefen an Politiker der Bundesregierung zu wenden, blieben alle mit einem Standardschreiben unbeantwortet. „Niemand hat mir einen Grund für die schändliche Ungerechtigkeit in Sachen Bürgergeld und Schonvermögen nennen können.“ Neben finanziellem Druck, Würdelosigkeit und Zukunftsangst hatte der Rentner zudem immer mehr mit Wut zu kämpfen.

Er erklärte: „Ich will gar nicht wissen, wie das alles weitergegangen wäre, hätte es nicht völlig unverhofft diesen Lichtblick gegeben.“ Denn vorerst sind die beiden Rentner aus der misslichen Lage wieder befreit. „Dank neuer, anderer Medikamente geht es meiner Frau seit einigen Wochen besser“, deshalb könne sie derzeit wieder Zuhause leben. Unabhängig davon, wie lange dieser Zustand so bleib: Ihr angespartes Geld bekommt das Ehepaar nicht mehr zurück. (bk)

Rubriklistenbild: © Sebastian Kahnert/dpa

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