VonStella Henrichschließen
Stiftung Warentest hat 28 Vollmilch-Produkte unter die Lupe genommen. Vor allem Biomilch kann die Tester dabei richtig überzeugen.
Berlin ‒ Die Menschen in Deutschland trinken offenbar immer weniger Milch. Laut Stiftung Warentest ist ihr Verbrauch in den vergangenen 30 Jahren von rund 60 auf 48 Kilogramm pro Kopf gesunken. Als Grund für den Verzicht geben die Verbraucher Tier- und Klimaschutz an, aber auch gesundheitliche Gründe werden angeführt. Die Milchwirtschaft hat reagiert und bietet inzwischen mehr Vielfalt an: 2021 war fast jede vierte Frischmilch Bio, hinzu kommen Heu- und Weidemilch.
28 Produkte von Lebensmittelhändlern haben die Verbraucherschützer nun im Labor untersucht. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Denn 18 der 28 Produkte wurden von der Stiftung Warentest mit „gut“ bewertet, sechs Produkte schneiden sogar mit „sehr gut“ ab. Das schlechteste Urteil ist „befriedigend“ – für vier länger haltbare Produkte. Nur eine Milch, die von Landliebe, roch und schmeckte nach Angaben der Tester nicht frisch, sondern hatte eine chemisch-plastikartige Geruchsnote. Das Urteil der Verkoster von Stiftung Warentest zum Vollmilch-Vergleich findet sich in der Zeitschrift test (Heft-Ausgabe 03/2023).
Heu- und Biomilch
Heumilch stammt von Kühen, die nur Raufutter wie Gras und Heu fressen. Weidemilch von Tieren, die zumindest zeitweise auf der Wiese stehen, zumeist während der Weidezeit von Mai bis Oktober. Beide sind meist teurer als herkömmliche Milch. Sowohl Bio- als auch Heumilch bieten mehr gesunde Fettsäuren als andere. Gut für die Gesundheit ist laut Stiftung Warentest vor allem Alpha-Linolensäure. Je mehr Grünfutter Kühe fressen, desto mehr dieser Omega-3-Fettsäure enthält die Milch. Den höchsten Gehalt wiesen die Verbraucherschützer in Heu- und Biomilch nach. Heumilch-Kühe dürfen nur Grünfutter fressen, Bio-Kühe auch bis zu 40 Prozent Kraftfutter.
Stiftung Warentest macht Milch-Test: Sieger gibt es schon ab 1,39 Euro pro Liter in Supermärkten und Discountern
Nicht häufig gibt es so viele starke Noten der strengen Prüfer für eine Testreihe. Doch für die sechs traditionell hergestellten und 22 länger haltbaren Vollmilch-Produkte gibt es viel positives Feedback: Sechsmal führen sie zu einem „sehr gut“ und 18-mal zu einem „gut“.
Das sind die sechs Test-Sieger von Stiftung Warentest:
| Hersteller | Qualitätsurteil Gesamtnote | Preis pro Liter |
| Schwarzwaldmilch Bio Frische Vollmilch | sehr gut | 1,89 Euro |
| Denn's Biomarkt Demeter Dennree Frische Vollmilch | sehr gut | 1,79 Euro |
| Edeka Demeter Nordfrische Bauernmilch Unsere Bio Vollmilch | sehr gut | 1,79 Euro |
| Aldi FairGut Tierwohl Weidemilch | sehr gut | 1,39 Euro |
| Gläserne Molkerei Bio Frische Heumilch | sehr gut | 1,89 Euro |
| Arla Bio Frische Weidemilch | sehr gut | 1,79 Euro |
Fünf der sechs Besten tragen ein EU-Bio-Siegel: die Schwarzwaldmilch, die Demeter Dennree aus Denn‘s Biomarkt, die Demeter Nordfrische Bauernmilch von Edeka, die Heumilch der Gläsernen Molkerei und die Arla-Weidemilch. Aber auch Aldis Tierwohl-Weidemilch kann im Testvergleich mithalten und ist die sechste sehr gute Milch.
Stiftung Warentest prüft Milch: Selbst „befriedigende“ Produkte überzeugen in puncto Haltbarkeit
Das schlechteste Urteil im Test ist „befriedigend“ für vier länger haltbare Produkte. Darunter sind die „Bio Heumilch-Bauern aus Bayern“ (rund 1,99 Euro), die Kaufland „K-Classic Frische Vollmilch“ für etwa 1,09 Euro pro Liter, die „Landliebe Frische Landmilch“ (circa 1,69 Euro) sowie die „Thüringer Land Frische Landmilch“ (1,49 Euro). Punktabzug gab es, wenn Milch nicht so schonend hocherhitzt wurde. Dadurch leide die chemische Qualität, obwohl die Milch gut oder sogar sehr gut schmecke, so die Verbraucherschützer in ihrem Urteil. Doch auch in diesen „befriedigenden“ Produkten fanden sich weder Krankheitserreger noch Antibiotika-Rückstände oder wesentliche Schadstoffbelastungen. „Mikrobiologisch“ sei jede Milch „sehr gut“ – und daher oft länger haltbar als angegeben.
Wem Milch aus der eigenen Region wichtig ist, der sollte kritisch auf die Packung schauen. Elf Anbieter machen dazu konkrete Angaben, nennen etwa ein Bundesland oder eine Region als Herkunft. In diesen Fällen prüften die Tester die Angaben und fanden keine Abweichungen. Der Tipp der Tester: Verbraucher sollten sich nicht auf Werbung mit einem Regional-Begriff oder Markennamen mit Ortsbezug verlassen. Die Milch von Thüringer Land im Test wurde etwa in Bayern abgefüllt.
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Übrigens: Als die Berliner Tester 25 Sorten Schokolade aus Milch- und Vollmilch unter die Lupe nahmen, erhielt gerade der teuerste Hersteller eine Abreibung. Und auch im Labor von Öko-Test fiel bereits eine beliebte Vollmilch-Marke krachend durch.
Rubriklistenbild: © Wirestock/Imago

