Informationen bleiben aus

Kommt die Strompreisbremse nicht bei Kunden an? Energieversorger kassieren Kritik für Bescheid-Chaos

Die Strompreisbremse soll Verbraucher finanziell entlasten, aber die Bescheide fehlen. Nicht alle wissen, wie viel sie aktuell für Strom zahlen.

München – Die Strompreisbremse soll für Verbraucher in Deutschland eine Entlastung in Sachen Energiekosten sein. Seit Beginn des Ukraine-Krieges vor über einem Jahr sind die Kosten vor Strom und Gas in Deutschland um ein Vielfaches gestiegen.

Subvention des BundesEnergiepreisbremse
PreisbremsenStrompreisbremse und Gaspreisbremse
Strompreise für privat80 % mit 40 Cent gedeckelt
Strompreise für große Firmen70 Prozent mit 13 Cent gedeckelt

Um nicht alle Bürger in schier unbezahlbare Unkosten zu stürzen, hat die Bundesregierung die Strompreisbremse eingeführt. Aus diesem Grund sollten Kunden bis 1. März Post von ihrem Strom-Versorger bekommen, der über die Änderung informiert. Doch bei vielen Verbraucherinnen und Verbrauchern hat das nicht geklappt. Chaos bei den Bescheiden sorgt aktuell für Probleme.

So wirkt sich die Strompreisbremse auf Verbraucher aus: Stromkosten sind trotzdem unklar

Zum Start der Energiepreisbremsen sollten Kundinnen und Kunden bereits im Februar von ihren Strom-Versorgern darüber informiert worden sein, wie viel sie in Zukunft für ihren Strom bezahlen müssen. Viele Haushalte haben aber noch immer nicht Bescheid bekommen und kennen demnach die Höhe ihrer Abschläge nicht. Das gab die Verbraucherzentrale Berlin schon Anfang März bekannt.

Die Strompreisbremse des Bundes sieht vor, dass Verbraucher nur noch für 20 Prozent ihres Vorjahresverbrauchs den vollen Marktpreis für Strom zahlen. Die übrigen 80 Prozent ihres Stromverbrauchs sind mit maximal 40 Cent pro Kilowattstunde gedeckelt. Diese Regelung gilt für Privatpersonen sowie für kleine Unternehmen, die nicht mehr als 30.000 Kilowattstunden im Jahr verbrauchen. Die Preisbremse soll die Strom-Abrechnung der Haushalte im Rahmen halten.

Bei vielen Kunden fehlt noch der Bescheid. Sie haben keine Ahnung, wie viel sie für Strom zahlen. (merkur.de-Montage)

Für größere Firmen mit einem höheren Verbrauch als 30.000 Kilowattstunden im Jahr gilt für 70 Prozent ihres Verbrauchs eine Preisbremse von 13 Cent. Der Rest muss ebenfalls nach Marktpreis des Stromanbieters gezahlt werden.

Keine Bescheide vom Versorger zur Strompreisbremse: Kunden kennen ihre Stromkosten nicht

Das Problem, das viele Kundinnen und Kunden haben: Sie wissen überhaupt nicht, wie viel sie aktuell für Strom bezahlen. Viele Versorger haben es nicht geschafft, die Kundinnen und Kunden rechtzeitig über die preislichen Änderungen der Strompreisbremse zu informieren. Die geht auch mit einer Senkung der überhöhten Abschläge für Strom und Gas einher.

Das ist für Kundinnen und Kunden ungünstig. Sie können nicht vergleichen und nach besseren Angeboten schauen sowie eventuell zu einem günstigeren Anbieter wechseln, wenn sie ihre aktuellen Preise nicht kennen. Eigentlich sollten die Bescheide bereits im Februar kommen. Verbraucherschützer gehen davon aus, dass es noch bis zum Mai dauern kann. Die Strompreisbremse galt ab dem 1. März, rückwirkend zum 1. Januar 2023.

Der Grund für die Verzögerung sind umgestellte Software-Systeme bei den Stadt- und Gemeindewerken, die die neuen Kosten ihrer Verbraucherinnen und Verbraucher erst berechnen müssen. Das soll zu vielen technischen Komplikationen geführt haben. „Wir haben eine hoheitliche Aufgabe übernommen, die Entlastung der Menschen, und das muss einmalig bleiben“, sagt Kerstin Andreae, Chefin vom Bundesverband für Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), gegenüber Focus.de. Es sei Aufgabe des Bundes, für die Entlastung der Menschen zu sorgen. Aktuell erfolgt diese aber über die Stromversorger, die die günstigeren Preise an ihre Kunden weitergeben.

Rubriklistenbild: © Michael Gstettenbauer/Imago & Imago

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