KI beim Einkaufen

Erster Supermarkt nutzt Altersprüfung per Künstlicher Intelligenz – wie erfolgreich ist das?

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Altersprüfungen an Kassen verlangten bislang die Hilfe eines Mitarbeiters. In einer Stuttgarter Edeka-Filiale wird sie nun per KI durchgeführt. Mit Erfolg?

Stuttgart – Will man nach der Ankunft einer Reise am Flughafen oder Bahnhof kurz vor Ladenschluss noch rasch etwas im Supermarkt besorgen, kann das stressig werden. Denn man kann so schnell sein, wie man will – bei einer langen Schlange an der Kasse oder sonstigen Verzögerungen beim Bezahlen, wie etwa der Altersprüfung an Selbstbedienungskassen (SB-Kassen), dürfte man dennoch schlechte Karten haben, sich noch rasch mit Lebensmitteln zu versorgen.

Um Kassiervorgänge effizienter und schneller zu gestalten, macht die Edeka-Filiale Jäger am Flughafen Stuttgart sich seit Kurzem einer Technologie zunutze, die gegenwärtig in immer mehr gesellschaftlichen Bereichen Anwendung findet: Künstliche Intelligenz. Ein KI-System führt in der Edeka-Filiale Jäger die Altersprüfung von Kunden durch, für die es vormals eines Mitarbeiters bedurfte.

In der Filiale, die 24 Stunden an sieben Tagen der Woche geöffnet ist, können Kunden Waren mit Altersbeschränkung an den Selbstbedienungskassen nun automatisch freischalten lassen, berichtete zuletzt die Lebensmittel-Zeitung (LZ). Die Technologie, die das ermöglicht, heißt Vynamic Smart Vision / Age Verification und stammt vom Hersteller Diebold Nixdorf. Wie aber funktioniert sie genau? 

So führt die Künstliche Intelligenz eigenständig eine Altersprüfung durch

Scannt ein Kunde einen Artikel an der Kasse, wird er vom Kassenbetriebssystem gefragt, ob er der automatischen Altersüberprüfung zustimmen möchte. Ist dies der Fall, ermittelt die Technologie anhand einer Kamera und KI-Algorithmen das Alter der betreffenden Person. Liegt es über dem gesetzlichen Grenzwert, kann die Transaktion fortgesetzt werden.

Ein Mann scannt im Edeka-Markt in Kassel Lebensmittel an einer SB-Kasse (Symbolbild)

Zur Prüfung seines Alters macht das System eine Aufnahme des jeweiligen Kunden. Anschließend analysiert die KI-Technologie die Gesichtsmerkmale der Person, um ihr Alter einzuschätzen. Nach der Analyse wird das Bild laut Anbieter Diebold Nixdorf umgehend gelöscht, wodurch die neue KI-Technologie auch DSGVO-konform bleibt. Fällt der Alterscheck positiv aus, kann der Kunde seinen Bezahlvorgang fortführen.

„Dank KI-Unterstützung konnten wir die Mitarbeiterinterventionen für die Alterskontrolle jetzt schon drastisch reduzieren“, erklärte Filialleiter Florian Jäger der LZ. Jäger freut sich angesichts der bisherigen Wirkung der KI und ist sicher, dass die Technologie sowohl Kunden als auch Mitarbeitenden künftig weiter zugutekommen dürfte. Und, dass die Effizienz der Flughafen-Filiale durch sie weiter gesteigert werden kann.

Wie zuverlässig ist die Altersprüfung durch Künstliche Intelligenz?

Bereits in der ersten Woche nach ihrer Einführung konnten durch die KI über 80 Prozent der Käufe in der Edeka-Filiale Jäger automatisch abgewickelt werden, berichtet die LZ weiter. Wie zuverlässig aber ist die selbstlernende Technologie? Immerhin könnte bereits ein minimaler Fehler der KI-Altersprüfung dazu führen, dass Minderjährige an Produkte gelangen, die für sie gesetzlich untersagt sind – und damit zu nachhaltigen oder gar schweren Folgen führen.

Hierzu erklärte Matthias Wowtscherk, Sprecher von Hersteller Diebold Nixdorf, vor Kurzem gegenüber der Bild-Zeitung: „Die KI irrt sich um maximal zwei Jahre, lernt ständig dazu. Nur im Grenzbereich zur Volljährigkeit muss sich noch ein Mitarbeiter den Ausweis zeigen lassen.“

Zudem sei die KI auf verschiedene Ethnien, Hautfarben, Geschlechter sowie Altersgruppen trainiert worden. Auch funktioniere der Algorithmus bei vielen handelsüblichen Gesichtsmasken. Die Edeka-Filiale Jäger im Flughafen Stuttgart nimmt betreffend ihrer Verwendung eine Vorreiterrolle ein: Wowtscherk kenne in ganz Europa nämlich kein weiteres Geschäft, das die KI-basierte Alterskontrolle bislang durchführt. (fh)

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa | Swen Pförtner

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