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„Schnäppchen-Amazon“ auf dem Vormarsch: Verbraucherschützer warnen vor „Temu“

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Der neue Online-Shop „Temu“ will Unternehmen wie Amazon Konkurrenz machen – und ist dabei erfolgreich. Doch Kunden sollten die App mit Vorsicht genießen.

Kassel – Billiger als Amazon und eine riesige Auswahl an Produkten: Seit einigen Monaten kann in Deutschland über die neue Online-Plattform „Temu“ eingekauft werden, die Kunden „Qualitätsprodukte aus der ganzen Welt“ verspricht. Geworben wird unter anderem mit hohen Rabatten und Gratisversand. Doch die Verbraucherzentrale warnt vor Einkäufen über die Plattform. Auch bei Amazon gibt es Gratisversand, allerdings wurde der Mindestbestellwert Anfang des Jahres auf 39 Euro angehoben, für Prime-Mitglieder entfällt er nach wie vor.

Utensilien für die Küche, Kosmetikprodukte, Kleidung oder Kinderspielzeug. Kunden finden alle möglichen Produkte auf dem neuen Online-Marktplatz „Temu“ – und das zu Spottpreisen. „Shoppe wie ein Millionär“ lautet das Motto der Plattform, die online aufgerufen oder als App heruntergeladen werden kann. Dabei handelt es sich um das Tochterunternehmen der chinesischen Shopping-Plattform Pinduoduo. Gründer ist der chinesische Milliardär Colin Huang, der laut Informationen der Financial Times mit „Temu“ eine neue Konkurrenz zu westlichen Online-Marktplätzen wie Amazon oder Shein starten wollte.

Schnäppchen-Plattform auf dem Vormarsch: „Temu“ macht Amazon und Shein Konkurrenz

Der Plan scheint aufzugehen. Nach Angaben des Marktforschungsunternehmens Global Wireless Solutions (GWS) hat Amazon allein in den USA mehrere Millionen Nutzern und in Großbritannien eine Million Nutzer verloren, da Temu und Shein explodieren. Seit April diesen Jahres ist die Plattform auch in Deutschland verfügbar.

Die Online-Plattform „Temu“ verspricht Kunden Qualität zu Spottpreisen. Doch hält sie was sie verspricht?

Was macht „Temu“ so erfolgreich und hält die Plattform, was sie verspricht? Die Verbraucherzentrale Deutschland erklärt, dass „bei Temu die Produkte nicht direkt von der Plattform selbst verkauft [werden], sondern über externe Händler:innen“. Das ermögliche günstige Preise, vor allem weil ein Großteil der Produkte „No-Name-Produkte“ sind, also von keiner üblichen Marke. Auch müsse Temu „aufgrund der geringen Artikel-Preise in vielen Fällen zudem keinen Zoll zahlen“, heißt es weiter. 

Shoppen mit „Temu“: Kunden warnen vor Nachteilen beim Kauf über die Billig-Plattform

Doch mit den günstigen Preisen gehen auch Probleme einher. Zahlreiche Kunden teilten ihre Erfahrungen beispielsweise auf der Plattform Trustpilot. „Manche Produkte sind durchaus gut, andere nur Plastikmüll“, schreibt ein Kunde, der das Portal laut eigener Aussage testen wollte. „Will man ein Produkt zurückgeben, wird suggeriert, dass man den Artikelpreis zurückerstattet bekommt. Leider ist dieses Versprechen falsch“, schreibt eine weitere Nutzerin. Ein anderer Kunde berichtet von einem verbogenen Produkt, das ohne Liefer- und Rücksendeschein zugestellt wurde.

Gleichzeitig wird vor positiven Bewertungen gewarnt, diese seien meist Fake. Und tatsächlich: Beim Durchlesen der positiven Kommentare über „Temu“ auf Trustpilot fällt auf, dass durchgängig mit spezifischen Rabatt-Codes geworben wird, oftmals fehlen jegliche Satzzeichen in den Bewertungen. Seriös wirken sie dadurch nicht.

Verbraucherschützer warnen vor „Temu“: Was man als Kunde unbedingt beachten sollte

Auch die Verbraucherzentrale warnt, dass man sich beim Einkauf über „Temu“ auf einige negative Aspekten gefasst machen muss: Die Produktqualität und -sicherheit der bestellten Produkte könnte fragwürdig sein und es können lange Lieferzeiten entstehen, da die Ware aus China verschifft wird. Zudem könnten bei den Lieferungen nachträglich noch Zollgebühren anfallen. Außerdem kann man nur über die Plattform shoppen, wenn man sich mit seiner E-Mail-Adresse anmeldet. Man solle sich deshalb auf zahlreiche Nachrichten über Spezialangebote und Werbenachrichten einstellen, die dauerhaft zum Kaufen auffordern.

Wer über „Temu“ einkaufen möchte, sollte sich laut der Verbraucherzentrale deshalb im besten Fall Bewertungen zu den Produkten einholen, bevor diese bestellt werden. Außerdem sollte man besser nicht in Vorkasse gehen, sondern die Ware erst nach Eintreffen und Begutachtung zahlen. Zuletzt sollte man sich als Kunde ebenfalls bewusst sein, dass „Temu“ an personenbezogenen Daten interessiert ist und diese für kommerzielle Zwecke nutzt. „Wer die Plattform datensparsam nutzen möchte, sollte darauf achten, dass etwa das Standorttracking in den Einstellungen des Smartphones deaktiviert ist“, so die Verbraucherzentrale weiter. (nz)

Rubriklistenbild: © rafapress/Zoonar.com/IMAGO

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