Nur noch als Langversion

Neuer Test der BMW 7er-Reihe: Die neue Luxus-Limousine kommt als Elektroauto und Hybrid

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Die siebte Generation von BMWs 7er-Reihe ist da. Sie steckt voller neuer Luxus-Features und wird auch als purer Stromer i7 angeboten. Zwei Dinge aber hat BMW abgeschafft.

Die Klasse der Luxus-Limousinen spült viel Geld in die Kassen der Autohersteller. Mögen boomende SUV auch alle anderen Segmente bedrängen, sodass Ford seinen Fiesta einstellt und sogar der VW Golf gefährdet scheint: Ganz oben ist die Autowelt noch in Ordnung. Wer repräsentativ und maximal komfortabel unterwegs sein möchte, am liebsten rechts hinten auf der Rückbank, wählt Mercedes S-Kasse und Co., es regiert das Motto: Länge läuft.

Das gilt auch für den schärfsten Konkurrenten des Benz, die 7er-Reihe von BMW. Im wahrsten Sinne des Wortes: Das Münchner Flaggschiff fährt jetzt immer mit 5,39 Metern Länge und 3,22 Metern Radstand vor, mit einer „normalen“, sprich: kürzeren Version gibt man sich gar nicht mehr ab. Damit beugen sich die Bayern den wichtigsten Absatzmärkten USA und China. Gerade die jungen Kunden aus dem Reich der Mitte, 38 Jahre ihr Durchschnittsalter, fahren normalerweise nicht selbst und nehmen hinten Platz.

BMW 7er-Reihe im Test: Die neue Luxus-Limousine kommt als Elektroauto und Hybrid

Die 7er-Reihe gibt es erstmals auch in Zweiton-Lackierung.

Und erleben dort ein Entertainment-System, wie es das auf vier Rädern bislang nicht gab. Vor ihre Augen senkt sich dann ein riesiger 32-Zoll-Screen ab, mit 8k-Auflösung und im extrabreiten 32:9-Format. In dem Autokino der etwas anderen Art laufen unter anderem Filme und Serien von Amazon Prime, während ringsherum die Fenster verdunkelt werden. An der Heckscheibe ist das schon allein aus Zulassungsgründen notwendig: Der nachfolgende Verkehr darf nicht durch einen Blick auf „Die Ringe der Macht“ abgelenkt werden.

Stattliche Erscheinung auch in der Heckansicht: Die neue 7er-Reihe

Über ein anderes neues Luxus-Feature darf man streiten: Wie sinnvoll ist es, dass die Türen auf sanften Tasten-Klick von selber aufschwingen, und in das Interieur aus Hightech und feinsten Materialien einladen? Aber Luxus ist ja bekanntlich das, was man nicht braucht – aber nicht mehr missen möchte, wenn man es erst mal kennengelernt hat. Ganz neu sind die Automatiktüren jedenfalls nicht, denn auch der elektrische Luxus-Mercedes EQS kann das.

BMW 7er-Reihe im Test: Das autonome Fahren funktioniert gut – in den USA

Beide große Wagen nehmen ihrem Besitzer darüber hinaus auch ohne Chauffeur das Fahren ab. Je nach gesetzlicher Lage indes in unterschiedlichen Ausprägungen: In den USA rauscht der neue BMW autonom über den Highway, bei jedem Tempo und ohne dass der Fahrer das Lenkrad berühren muss – vorausgesetzt, er blickt brav nach vorn, was eine Innenraum-Kamera überwacht. Das funktioniert verblüffend gut und wirft die Frage auf, warum es in Deutschland nicht zulässig ist. Dafür entlässt der Autopilot hierzulande den Fahrer bis 60 km/h komplett aus der Verantwortung. Er darf also bei stockendem Verkehr etwa auch auf dem Fahrersitz Filme gucken, ganz legal.

Elektroauto laden: Diese zehn kommen nach 20 Minuten am weitesten

Kia EV6
Kia EV6: 309 Kilometer. Dank moderner 800-Volt-Ladetechnik fährt das Mittelklasse-SUV aus Südkorea klar an die Spitze. Die Version mit Heckantrieb und 77,4-kWh-Akku war das einziges Modell des Testfeldes, das die 300-Kilometer-Marke knackte. Basispreis: 46.990 Euro. © weigl.biz
Mercedes-Benz EQS 450+
Mercedes-Benz EQS 450+: 275 Kilometer. Die Luxuslimousine für mindestens 107.326 Euro holt aus der verwendeten 400-Volt-Technik dank präzisem Lade- und Temperatur-Management das Optimum heraus. Getestet wurde die Long-Range-Version mit 108-kWh-Akku und Heckantrieb. © Deniz Calagan/Mercedes-Benz AG
BMW iX
BMW iX: 273 Kilometer. Das große Elektro-SUV trat als xDrive50 mit serienmäßigem Allradantrieb zum Test in der Oberklasse-Kategorie an – und mit mächtigem 105,2-kWh-Akku. Der Basispreis des mächtigem Stromers liegt bei 84.600 Euro. © Uwe Fischer/BMW
Hyundai Ioniq 5
Hyundai Ioniq 5: 272 Kilometer. Das südkoreanische SUV ist technisch mit dem Testsieger Kia EV6 verwandt, und nutzt dieselbe schnelle 800-Volt-Technik. Die sparsamere Heckantriebsversion kostet ab 43.900 Euro, getestet wurde die Ausführung mit 72,6-kW-Akku für 4.000 Euro Aufpreis. © Dino Eisele/Hyundai
Porsche Taycan GTS
Porsche Taycan: 271 Kilometer. In der Oberklasse lagen die Testwerte relativ dicht beieinander. In der Version GTS fährt der Elektro-Porsche (Basispreis 86.733 Euro) mit 93,4-kWh-Akku nur knapp hinter den Klassenbesten her, er kann ebenfalls mit 800 Volt laden. © Porsche AG
Audi e-tron GT quattro
Audi e-tron GT quattro: 237 Kilometer. Der viertürige, Elektrosportler mit Allradantrieb basiert auf dem Porsche Taycan und verfügt daher ebenfalls über schnelle 800-Volt-Technik und einen 93,4-kWh-Akku, ist aber etwas größer und geräumiger. Preis: ab 104.000 Euro. © Audi
BMW i4 eDrive40
BMW i4: 235 Kilometer. Die Elektroversion der konventionell angetriebenen 4er-Reihe ist das sportlichste Modell der Mittelklasse-Wertung. Als eDrive40 kostet er ab 59.200 Euro und verfügt über einen Akku mit 83.9 kWh Kapazität. © BMW
Tesla Model 3
Tesla Model 3: 221 Kilometer. Der Elektroauto-Pionier legt seit jeher mehr Wert auf Reichweite als auf schnelles Laden, was bei der Akku-Auslegung ein Zielkonflikt ist. Der Test der Long-Range-Version mit 82,1-kWh-Akku erfolgte an markeneigenen Superchargern. Basispreis des Model 3: 52.965 Euro. © Tesla
Polestar 2
Polestar 2: 218 Kilometer. Die noch junge Marke gehört zum chinesischen Geely-Konzern, die Autos werden von dessen Tochter Volvo entwickelt und in China produziert. Den Polestar gibt es ab 46.495 Euro, gemessen wurde die heckgetriebene Long-Range-Version mit 78-kWh-Akku. © Polestar
BMW iX3
BMW iX3: 201 Kilometer. Ein weiterer BMW nach dem bewährten Muster, ein Verbrennermodell zum Stromer umzurüsten. Das Mittelklasse-SUV kostet ab 67.300 Euro und verfügt über einen Akku mit 80 kWh Kapazität. © BMW

Außer Mercedes und BMW bietet dieses offiziell freigegebene „Level 3“ sonst niemand, und nein: auch nicht Tesla. Damit enden aber auch schon die Gemeinsamkeiten zwischen den Stuttgartern und den Münchnern. Der größte Unterschied zwischen EQS und 7er-Reihe: Ersterer ist ein reines Elektroauto, das die konventionelle S-Klasse ergänzt. Zweiterer ist, BMW-typisch, jeweils das, was der Kunde möchte: Verbrenner mit mildem Hybrid (vorerst allerdings nicht in Europa), oder Plug-in-Hybrid. Oder eben vollelektrisch.

BMW 7er-Reihe im Test: Grandioser Schub geradeaus

Selbstverständlich ist dieser i7 (hier geht’s zum ausführlichen Fahrbericht) das Flaggschiff der Luxusflotte: ein eindrucksvolles Stück Technologie auf 21-Zoll-Rädern. „Die Zukunft ist elektrisch“, dozierte BMW-Entwicklungsvorstand Frank Weber bei der Vorstellung des Wagens. So eindeutig sagen das die BMW-Chefs, die auch Verbrenner weiter entwickeln lassen, nicht immer.

Die gesamte 7er-Reihe trägt jetzt das gleiche Digital-Cockpit wie BMWs reine Elektromodelle.

Auch der BMW i7 mit einem starken Elektromotor vorne und einem noch stärkeren hinten, die beide ohne Nutzung der umstrittenen Rohstoffe Seltene Erden auskommen, ist ein agiles Auto für den Selbstfahrer. Das zu bewegen ein Erlebnis für sich darstellt. Die Fahrleistungen des i7 kann man sich denken: Sie sind, klassen- und elektrotypisch, schlicht überwältigend. 4,7 Sekunden für den Spurt auf Tempo 100 ist da nur eine Zahl, die nicht annähernd das Spurtvermögen von der Ampellinie weg beschreibt. Aber nicht allein beim grandiosen Schub geradeaus, auch in Kurven bleibt der BMW i7 agiler als das Leergewicht von über 2,6 Tonnen es vermuten lässt (die geplante gepanzerte Version wird noch eine ganze Ecke schwerer).

Zwei Plug-in-Varianten folgen, sowie ein Diesel mit kleinem 48-Volt-Hybridsystem. Reine Verbrenner wirf BMW ebenso aus dem Programm wie den kurzen Radstand.

Eine riesiger Screen unterhält die Fond-Passagiere.

BMW 7er-Reihe im Test: Ladeleistung und Reichweite auf Standard-Level

So luxuriös und fahrdynamisch überzeugend sich die 7er-Reihe aber auch präsentiert, so konservativ kommt sie andererseits daher. Sie ist und bleibt eine klassische Limousine, hier am ehesten mit dem Tesla Model S und dem Genesis Electrified G80 vergleichbar, und so ganz anders als der expressive Mercedes EQS. Die Ladespannung – eine weitere Gemeinsamkeit mit dem Erz-Konkurrenten – bleibt mit 400 Volt auf Standard-Niveau. Ausgeklügeltes Temperatur-Management der Akkuzellen soll fast so schnelles Laden ermöglichen wie die doppelte Spannung, die etwa der Porsche Taycan oder der Genesis bieten. So kann der Chauffeur die Batterien schon mal vorwärmen (wenn es das Navi nicht ohnehin automatisch tut), damit der Chef auf Langstrecke weniger seiner kostbaren Zeit an der Ladestation verliert.

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Die Reichweite mit offiziell gut 600 Kilometern, realistisch wohl eher 500, ist für den Manager-Alltag zwischen Flughafen, Kurz- und Mittelstrecken absolut ausreichend, aber eben kein Rekordwert. BMW hat auch nie einen Hehl daraus gemacht, sich aus dem Rennen um die maximale Kilometerzahl herauszuhalten. Und für jene, die ohne Pause möglichst schnell, möglichst weit über die Autobahn hetzen wollen, haben die Münchner ohnehin andere Modelle im Programm.

Rubriklistenbild: © BMW

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