Lieber natürliche Süße

Zusatz in Getränken und Eiscreme: E 968 erhöht Herzinfarkt- und Thrombose-Risiko, zeigt Studie

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In vielen Limonaden werden künstliche Süßstoffe zugesetzt – zum Beispiel Erythrit.
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Zucker ist ein wichtiger Energielieferant. In Form von Glukose, also Traubenzucker, schmeckt er süß und ist hochkalorisch. Einige nutzen stattdessen Süßstoffe, doch diese bergen Risiken.

Wer abnehmen möchte, sollte seinen Zuckerkonsum reduzieren. Allerdings ist Zucker nicht gleich Zucker. In Obst ist er in Form von Fruktose enthalten. In Milch findet sich Milchzucker, auch Laktose genannt. Agavendicksaft bis Rübenzucker: Egal, welchen natürlichen Zucker man zu sich nimmt, im Körper werden alle diese Verbindungen in die Grundbausteine Glukose und Fruktose zerlegt, informiert der Norddeutsche Rundfunk.

Glukose und Fruktose zählen zu den Kohlenhydraten, die uns Energie für Hirnstoffwechsel bis Muskelaktivität liefern. Ihr Verzehr ist lebenswichtig, aber in Übermaßen schädlich. Denn wer zu viel Energie in Form von Kohlenhydraten zu sich nimmt und diese nicht durch Bewegung verbrennt, der riskiert Übergewicht – der Hauptrisikofaktor für die Stoffwechselkrankheit Diabetes und andere Volkskrankheiten wie die Fettleber.

Sind Süßstoffe die Lösung? Nein, so das Ergebnis einer Studie.

Herzinfarkt und Schlaganfall: Süßstoff Erythrit schadet dem Herz-Kreislauf-System

Wer den Kaffee süß mag, aber abnehmen möchte, greift schon mal zum Süßstoff. Keine Kalorien trotz Süßkraft: Diese Kombi überzeugt viele Abnehmwillige. Ein Forscherteam von US-amerikanischen, deutschen und tschechischen Forschern konnte allerdings zeigen, dass sich der Süßstoff Erythrit, auf Zutatenlisten als E 968 gekennzeichnet, negativ auf das Herz-Kreislauf-System auswirken kann.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass Erythrit sowohl mit einem erhöhten MACE-Risiko assoziiert ist als auch eine verstärkte Thrombose begünstigt. Studien zur Bewertung der langfristigen Sicherheit von Erythrit sind gerechtfertigt“, so das Fazit des internationalen Forscherteams, das seine Ergebnisse auf dem Fachportal nature medicine veröffentlicht hatte. Mit MACE werden in der Studie schwerwiegende kardiovaskuläre Ereignisse bezeichnet, wie etwas Herzinfarkt und Schlaganfall.

Im Rahmen der Studie hatten die Autoren 1.157 Menschen mit hohem Risiko für Herzkreislauferkrankungen untersucht. Drei Jahre lang wurden die Gesundheitsdaten der Probanden analysiert. In diesem Zeitraum erlitten einige Studienteilnehmer Schlaganfall oder Herzinfarkt. Bei diesen Patienten konnte eine erhöhte Konzentration von Erythrit nachgewiesen werden. Um das Ergebnis abzusichern, untersuchte das Forscherteam auch zwei weitere Studiengruppen bestehend aus Menschen ohne Vorerkrankungen des Herzens. 2.149 Gesundheitsdaten stammten aus den USA, 833 aus Europa, informiert die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE). Bei diesen beiden Gruppen hätte sich der Zusammenhang zwischen erhöhtem Erythrit-Spiegel und dem Risiko für potenziell tödliche Herz-Kreislauf-Erkrankungen bestätigt, so die DGE weiter.

Schnell schlank und fit: Acht gesunde Zuckeralternativen

Reissirup auf einem Löffel
Die wenigsten kennen ihn, doch Veganer schätzen ihn schon seit langem: den Reissirup. Auf den ersten Blick hat er die gleiche Konsistenz und Farbe wie Honig, doch er ist transparenter. Dennoch kann man mit Reissirup sein Frühstück aufpeppen. Er süßt zwar etwas weniger als Haushaltszucker, hat dafür aber einen leicht karamellartigen Geschmack. Zudem enthält er viele Mineralstoffe wie Magnesium, Eisen oder Kalzium und hält dank seiner Mehrfachzucker den Zuckerausstoß gering. © J. Pfeiffer/Imago
Kokosblütenzucker in Schale und Kokosnuss
Kokosblütenzucker, auch Kokos- oder Palmzucker genannt, ist dank seines niedrigen glykämischen Index bereits ein Star in der veganen und der Paleo-Community. Deshalb wird er besonders bei Diabetes, hohem Blutdruck oder Herzerkrankungen empfohlen. Der Kokoszucker wird aus dem Nektar der Kokospalme hergestellt und ist ebenfalls reich an diversen Mineralstoffen. Dennoch schmeckt er nicht nach Kokos, sondern hat ebenfalls eine karamellige Note. Man kann ihn 1:1 wie braunen Zucker verwenden. © J. Pfeiffer/Imago
Ahornsirup auf Waffel
Wer schon einmal in den USA oder Kanada war, kennt ihn meist auf Pancakes zum Frühstück: den Ahornsirup. Als gesunde Alternative ist er bei Veganern sehr beliebt. Er wird aus kanadischen Ahornbäumen gewonnen und als Saft eingekocht. Er gilt als natürliches Süßungsmittel und ist in verschiedenen Qualitätsgraden (AA, A, B, C, D) erhältlich. Auch Ahornsirup wird für seine vielen Mineralstoffe und Spurenelemente geschätzt. Zudem sollen darin befindliche Substanzen antioxidativ und entzündungshemmend wirken. © Kia Cheng Boon/Imago
Birkenzucker in Schale und Löffel
Xylit wurde ursprünglich aus Birkenholz gewonnen, deshalb ist er auch als Birkenzucker bekannt. Wie die Krankenkasse AOK weiter informiert, wird er heute allerdings aus Maiskolbenresten, Stroh oder anderen Hölzern hergestellt. Der Zuckeralkohol hat deutlich weniger Kalorien als Zucker. © J. Pfeiffer/Imago
Birkenzucker in Schale und Löffel
Neben Xylit gehört auch Erythrit zu den Zuckeralkoholen und wird als Zuckeraustauschstoff verwendet. Er sieht dem Haushaltszucker ebenfalls gleich und schmeckt süß. Er kommt in natürlicher Form in Käse, Mais oder Obst vor und wird durch Fermentation gewonnen. Erythrit enthält ebenfalls kaum Kalorien und beeinflusst nicht den Blutzucker- oder Insulinspiegel. Daher wird er bei Diabetes oder Übergewicht empfohlen. Allerdings süßt er nicht so stark wie Xylit oder normaler Haushaltszucker. © J. Pfeiffer/Imago
Gesundes Frühstück, Müslischüssel mit Obst
Agavensirup ist ein Süßungsmittel, das aus der Agavenpflanze gewonnen wird. Hier gilt wie bei Apfeldicksaft: Sie sollten das Produkt in Maßen genießen, weil es hauptsächlich aus Fruchtzucker besteht. Agavensirup hat aber weniger Kalorien als Zucker, was ihn zum besseren Diät-Begleiter macht. Auch für die Umwelt ist der Kauf von Agavendicksaft eher schädlich, auch wegen der langen Transportwege. Sie wollen nicht auf Agavensirup verzichten? Greifen Sie in dem Fall am besten zum Bio-Produkt.  © Imago
Griechischer Joghurt mit frischen Früchten steht neben einem Glas voller Honig
Honig gilt seit Menschengedenken als wertvolles Nahrungs- und Heilmittel. Er wird von Bienen aus gesammeltem Nektar von Blüten oder durch Ausscheidungsprodukte verschiedener Läusearten, dem sogenannten Honigtau, produziert. Honig besteht zu 80 Prozent aus reinem Zucker. Heutzutage wird er als Süßungsmittel genutzt und seit der Antike für seine entzündungshemmende und antibakterielle Wirkung bei diversen Erkrankungen gerühmt. © Imago
Stevia wird aus der südamerikanischen Pflanze Stevia rebaudiana (auch "Süßkraut" oder "Honigkraut" genannt) gewonnen und ist ebenfalls ein natürlicher und beliebter Süßstoff. Er besteht großteils aus den sogenannten Stevioglycosiden und hat weder Kalorien noch Zucker. Daher ist Stevia bei Diabetes, Insulinresistenz und sogar zur Kariesprophylaxe geeignet. Doch Vorsicht: Der Süßstoff ist bis zu 300 Mal süßer als herkömmlicher Haushaltszucker.
Stevia wird aus der südamerikanischen Pflanze Stevia rebaudiana (auch "Süßkraut" oder "Honigkraut" genannt) gewonnen und ist ebenfalls ein natürlicher und beliebter Süßstoff. Er besteht großteils aus den sogenannten Stevioglycosiden und hat weder Kalorien noch Zucker. Daher ist Stevia bei Diabetes, Insulinresistenz und sogar zur Kariesprophylaxe geeignet. Doch Vorsicht: Der Süßstoff ist bis zu 300 Mal süßer als herkömmlicher Haushaltszucker. © Marijan Murat/dpa

Erhöhte Thrombosegefahr durch Süßstoff?

„In einer prospektiven Pilotinterventionsstudie führte die Einnahme von (Einschub der Redaktion: 30 Gramm) Erythrit bei acht gesunden Freiwilligen zu einem deutlichen und anhaltenden Anstieg der Erythrit-Plasmaspiegel, der weit über den Schwellenwerten lag, die mit einer erhöhten Thrombozytenreaktivität und einem erhöhten Thrombosepotenzial in In-vitro- und In-vivo-Studien in Verbindung gebracht wurden“, führen die Studienautoren ihre Ergebnisse weiter aus.

30 Gramm Erythrit ist etwa in einem halben Liter Diät-Eiscreme enthalten, informiert Professor Helmut Schatz von der DGE. Er sieht die Studie von Marco Witkowski von der US-amerikanischen Cleveland Clinic und seinem Team kritisch: „Ob man die Resultate der oben referierten Studie, die an schon herzgefährdeten Patienten erhoben wurden, auf die Allgemeinbevölkerung übertragen kann, ist fraglich“, so Schatz. Er führt als Begründung unter anderem auf, dass der Körper Erythrit in geringen Mengen selbst produziert. Ein genetisch bedingt erhöhter Erythrit-Spiegel kann ihm zufolge als Ursache für Herzprobleme nicht ausgeschlossen werden.

In der Europäischen Union darf der Süßstoff Erythrit ohne Mengenbegrenzung zugesetzt werden. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit stuft E 968 als sicher ein.

Mehr Informationen zur StudieThe artificial sweetener erythritol and cardiovascular event risk

Veröffentlichungsdatum: 27. Februar 2023

Veröffentlicht im Fachjournal nature medicine

Umfang: 1.157 Menschen mit hohem Risiko für Herzkreislauferkrankungen, 2.982 Menschen ohne Vorerkrankung des Herzens und acht Freiwillige, bei welchen der Effekt von Erythrit auf das Thromboserisiko getestet wurde.

Studienautoren: Internationales Forscherteam um Marco Witkowski vom Department of Cardiovascular and Metabolic Sciences am Lerner Research Institute der Cleveland Clinic in Cleveland, USA

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Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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