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Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass Ihre Kinder zumindest eine dieser vier Apps nutzen. Telegram, Roblox, Tellonym und Tiktok bergen Gefahren, von denen Eltern wissen sollten.
München - Vor allem Tiktok und Telegram haben extrem hohe Nutzerzahlen, auch unter Minderjährigen. Die Apps befördern teils schädliches Nutzerverhalten, vor allem unerfahrene junge Nutzer laufen Gefahr, Schaden davonzutragen.
Roblox: Der Experte für Computerspiele ist vor allem bei Kindern unter 13 Jahren beliebt
Roblox ist eine Online-Plattform für Computerspiele, inzwischen wird auch eine App angeboten. Die Plattform konnte während der Corona-Pandemie die ohnehin hohe Nutzerzahl noch stark ausbauen und erreichte schon im August 2020 eine weltweite Nutzerzahl von 164 Millionen. Nach eigenen Angaben genießt Roblox dabei bei Kindern unter 13 Jahren die höchste Beliebtheit.
Nutzer können hier mit bestimmten Optionen selbst als Spiele-Entwickler agieren und ihre Spiele mit den anderen Nutzern teilen. Das Spiel machte bereits Schlagzeilen, als etwa ein sechs Jahre altes Mädchen in einen virtuellen Sex-Raum eingeladen wurde, den ein Nutzer erstellt hatte, wie die Online-Plattform giga.de berichtete. T-online.de berichtete jüngst wieder, dass (teils mit Gewalt verbundene) sexuelle Inhalte auch aktuell in großem Umfang auf der Plattform verbreitet würden. Diese ist daher für Kinder wohl allenfalls unter Aufsicht geeignet.
Die App Tellonym: Format begünstigt Mobbing
In der App Tellonym können Nutzer Fragen über sich stellen, die dann anonym von ihren Freunden beantwortet werden können. Die App verspricht durch die Anonymität ehrliche Antworten darüber, was das eigene Umfeld so über einen denkt. Wer einen Tellonym-Account anlegt, erhält einen individuellen Link, den er an Freunde und Bekannte schicken kann. Alle, die den Link bekommen, können dem Nutzer Nachrichten schreiben, auch ohne eigene Anmeldung bei der App.
Das Problem der App liegt nahe: Dadurch, dass nicht erkenntlich ist, wer hinter den Antworten steht, wird die Plattform nicht nur für ehrliche Antworten genutzt, sondern auch für sexualisierte Nachrichten und Mobbing - einem ohnehin zunehmenden Problem, auch unter Erwachsenen - missbraucht, berichtete etwa die FAZ. Zwar ist die App erst ab 17 Jahren freigegeben, kontrolliert wird das Alter beim Erstellen eines Kontos aber nicht.
Nachdem bereits die Feedback- und Vergleichsmöglichkeiten auf Plattformen wie Instagram auf die psychische Gesundheit von Jugendlichen und vor allem jungen Mädchen schädlich einwirken (so die intern gebliebenen Erkenntnisse von Meta selbst, wie im September 2021 etwa von der Tagesschau berichtet wurde), scheint das Format von Tellonym ebenfalls geeignet, unter Umständen eine gefährliche Dynamik zu entfalten.
Die Telegram-App: Für Verbreitung radikaler Inhalte genutzt
Die Messaging-App Telegram bietet verschlüsselte Chats, auf die also - auch von Seiten des Staates - schwieriger zugegriffen werden kann als auf andere Messaging-Dienste wie etwa WhatsApp. Telegram steht daher laut Bundeskriminalamt (BKA) als Medium der Radikalisierung in der Kritik. In anonymen Gruppen kommunizieren dort unter anderem Reichsbürger, radikale Corona-Leugner und andere Träger extremen Gedankenguts, sodass bereits über Verbote diskutiert wird. Auch in Oberbayern gab es jüngst wieder polizeilich verfolgte Hetze.
Für Kinder und unerfahrene Jugendliche ist der Messaging-Dienst daher nicht per se ungeeignet, allerdings besteht eine gewisse Gefahr, in Gruppen zu gelangen, in denen für Kinder nicht geeignete Inhalte geteilt werden und unter Umständen (bewusst oder unbewusst) auf Nutzer eingewirkt wird.
Video: Signal, WhatsApp und Co.: Welche Messenger-App ist die sicherste?
Calculator #: Nicht unbedingt gefährlich, aber wissenswerte Funktion
Die App Calculator # sieht aus wie ein Taschenrechner und kann auch als solcher verwendet werden. Doch hinter dieser Tarnungsfunktion verbirgt sich ein Ordner auf dem Handy, in dem Nutzer Fotos, Videos und andere Dokumente verstecken können. Zugang bekommt nur, wer auf dem Gerät die richtige PIN eingibt.
Die App birgt wohl nicht zwangsläufig ein Gefahrenpotenzial: Wer als Jugendlicher Eltern hat, die auf jeden Inhalt im Handy ihres Kindes Zugriff nehmen wollen, hat wohl ein berechtigtes Interesse daran, bestimmte Inhalte in einer App diskret zu verstecken. Aber wissenswert ist die Funktion der App für Eltern jedenfalls, zumal immer kleinere Kinder mit Smartphones ausgestattet werden und auch Gewaltaufzeichnungen und andere ungeeignete Inhalte hier versteckt werden können.
Social-Media-Plattform Tiktok: Gefahr von Cybergrooming
Tiktok ist zwar allgegenwärtig unter jungen Deutschen: Laut einer Jugend-Digitalstudie der Postbank gibt mehr als jeder zweite befragte Jugendliche in Deutschland (58 Prozent) an, bei dem Kurzvideo-Netzwerk angemeldet zu sein. Die App ist sogar schon bei Kindern im Grundschulalter beliebt.
Ähnlich wie bei Instagram besteht aber durch die starke Fixierung auf visuelle Inhalte wohl die Gefahr, dass die psychische Gesundheit Jugendlicher unter den ständigen Vergleichen der eigenen Person mit anderen leidet. Für Medien-Coaches von „Schau hin!“ (eine gemeinsame Initiative des Bundesfamilienministeriums, der öffentlich-rechtlichen deutschen Sender und des AOK-Bundesverbands zur Sensibilisierung über die Mediennutzung von Kindern) besteht aber nicht nur eine Gefahr für die Psyche der Nutzer: Unter Hashtags wie #bellydance und #bikini fänden sich in der App immer wieder Videos von Minderjährigen, die vermeintlich aufreizend zu populären Songs tanzten, berichtet die Initiative auf ihrer Website. Dies könne zu Cybergrooming verleiten, also der Kontaktherstellung Erwachsener zu Kindern im Netz, um einen anschließenden sexuellen Missbrauch vorzubereiten, so „Schau hin!“.
Es sollte von Eltern also darauf geachtet werden, dass ein privates Konto geführt werde, die geposteten Videos also nicht für jeden zugänglich sind. Auch bei privaten Kontos besteht eine Gefahr der Plattform schließlich in den sogenannten Challenges: Nutzer sollen bestimmte Aufgaben oder Mutproben meistern und zum Beweis Videos hochladen. Eine Brandstiftung in einem oberbayrischen Gymnasium vor einigen Wochen etwa war wohl auf eine Tiktok-Challenge zurückzuführen.
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