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Tomaten und Gurken richtig pflegen: Rekordernte durch Rückschnitt & Ausgeizen

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Der fachgerechte Rückschnitt schafft den Unterschied. Wer Tomaten ausgeizen und Gurken gezielt stutzen kann, erntet deutlich mehr.

Jede Pflanze verfügt nur über begrenzte Energie. Diese kostbare Ressource wandert normalerweise in alle Triebe und Blätter – auch in die, die keine Früchte tragen. Der gezielte Rückschnitt lenkt diese Energie gezielt um. Statt in unnötige Blattmasse fließt sie direkt in die Fruchtentwicklung. Das Ergebnis überzeugt: Die Früchte werden größer, schmackhafter und zahlreicher. Gleichzeitig verbessert sich die Luftzirkulation zwischen den Pflanzen. Pilzkrankheiten haben es schwerer, sich auszubreiten. Die Pflege wird einfacher, die Ernte übersichtlicher, der Ertrag höher. Die passenden Tipps gibt es hier.

So gelingt die Rekordernte bei Tomaten und Gurken: Mit Rückschnitt & Ausgeizen

Tomaten ausgeizen – der Wuchstyp entscheidet

Nicht jede Tomate braucht den gleichen Schnitt. Der Wuchstyp macht den entscheidenden Unterschied:

  • Buschtomaten bleiben kompakt
  • Determinierte Sorten wie Buschtomaten, Strauchtomaten oder Wildtomaten wachsen begrenzt. Sie erreichen eine festgelegte Höhe zwischen 50 und 120 Zentimetern. Dann stellen sie das Längenwachstum ein und konzentrieren sich auf die Fruchtreife. Diese Sorten benötigen kaum Rückschnitt. Ihre Seitentriebe tragen Früchte. Wer sie entfernt, mindert den Ertrag erheblich.
  • Stabtomaten wachsen unbegrenzt
  • Indeterminierte Sorten wachsen kontinuierlich weiter. Ohne Schnitt erreichen sie drei Meter Höhe oder mehr. Sie bilden ständig neue Triebe, Blüten und Früchte. Hier ist regelmäßiges Ausgeizen unverzichtbar. Ohne diese Maßnahme entstehen riesige, instabile Pflanzen mit vielen kleinen, wenig aromatischen Früchten.
  • Es gibt auch Tomaten-Sorten, die man nie ausgeizen sollte.

Die beste Zeit für das Ausgeizen ist der Morgen. Die Pflanzen sind dann prall mit Wasser gefüllt. Dadurch werden die Bruchstellen sauberer und trocknen schneller ab. Das minimiert das Infektionsrisiko. Hier gibt es mehr Info dazu, wann und wie viel man Tomaten ausgeizen sollte.

Info-Tabelle zum Ausgeizen bei Tomaten-Pflanzen.

Determinierte und indeterminierte Tomatensorten

Tomatensorten werden in determiniert und indeterminiert unterschieden. Determinierte Tomaten (Buschtomaten) wachsen nur bis zu einer bestimmten Größe, blühen und fruchten dann gleichzeitig, was sie pflegeleicht macht. Indeterminierte Tomaten (Stabtomaten) wachsen dagegen unaufhörlich weiter, bilden laufend neue Blüten und Früchte und liefern über einen längeren Zeitraum Ernte, brauchen aber mehr Pflege und eine Stütze.

Tomaten: Geiztriebe erkennen und entfernen

Geiztriebe wachsen immer in der Blattachsel – dem Winkel zwischen Haupttrieb und Laubblatt. Sie entwickeln sich später als fruchttragende Triebe und haben mehr Blattmasse als Blütenansätze. Sie sollten also Ausgeizen, sobald die Pflanze in den Blattachseln diese Extra-Triebe bildet.

Geiztriebe wachsen immer in der Blattachsel der Tomate.

Kleine Geiztriebe bis fünf Zentimeter lassen sich einfach mit den Fingernägeln abknipsen. Größere Triebe schneidet man mit einer scharfen, desinfizierten Gartenschere ab. Wichtig: Den Trieb seitlich ausdrehen oder sauber abtrennen, niemals abreißen. So entstehen kleinere „Wunden“, die schneller heilen. Die Kontrolle sollte wöchentlich erfolgen. Größere Geiztriebe vom Juni können übrigens in einem Glas Wasser bewurzelt werden. Sie entwickeln sich zu neuen Tomatenpflanzen, die noch im selben Jahr eine ordentliche Ernte liefern können.

Tomatenblätter gezielt entfernen

Das Entblättern verbessert die Luftzirkulation und lenkt Energie in die Fruchtbildung. Auch hier gilt: Entblättern ist hauptsächlich für Stabtomaten notwendig. Beim Entblättern sollte man sich auf die unteren Blätter konzentrieren. Diese werden beim Gießen oft feucht und sind anfällig für Fäulnis. Kranke oder verfärbte Blätter müssen sofort weg. Sie verhindern die Ausbreitung von Krankheiten. Auch beim Entblättern ist es ratsam, sauberes oder idealerweise desinfiziertes Werkzeug zu verwenden.

Aber Vorsicht: Niemals mehr als ein Drittel der gesamten Blattmasse auf einmal entfernen. Ein zu radikaler Schnitt schwächt die Pflanze und beeinträchtigt den Geschmack der Früchte. Die oberen Blätter bleiben stehen. Sie sind für die Photosynthese am wichtigsten. Nur bei zu dichtem Stand oder Krankheitssymptomen werden sie entfernt.

Gurkenrückschnitt für Ernte-Höchstleistungen

Auch bei Gurken bestimmt der Wuchstyp die Schnittstrategie.

  • Rankende Gurken brauchen Führung
  • Schlangengurken (z.B. grüne Gurken) und Treibgurken entwickeln lange Triebe. Sie benötigen stabile Rankhilfen und regelmäßigen Schnitt. Ohne Kontrolle verwuchern sie schnell und werden unübersichtlich.
  • Buschgurken bleiben am Boden
  • Einlegegurken und Buschgurken wachsen kompakter. Sie breiten sich am Boden aus und brauchen wenig bis keinen Rückschnitt.

Der Zeitpunkt entscheidet über den Erfolg. Trockene, sonnige Morgenstunden sind ideal. Die Schnittstellen trocknen schnell ab und Krankheitserreger haben keine Chance. Bei feuchtem Wetter oder in der prallen Mittagssonne sollte nicht geschnitten werden. Nasse Schnittflächen sind offene Tore für Pilzsporen und Bakterien.

Gurken ausgeizen: der Kringschnitt

Es gibt mehrere Schnitttechniken für Gurken, wir empfehlen den Kringschnitt. Der Kringschnitt ist eine bewährte Schnitttechnik aus dem professionellen Gurkenanbau, die ihren Namen von der charakteristischen kreisförmigen Anordnung der Seitentriebe erhält.

  • Kringschnitt: Phase 1
  • Der Haupttrieb wird zunächst komplett frei von Seitentrieben nach oben geleitet (z.B. an einem Draht)
  • Alle Seitentriebe werden bis zu einer bestimmten Höhe entfernt (1,5 m bis 2 m)
  • Die Pflanze konzentriert ihre gesamte Energie auf das Höhenwachstum des Haupttriebs
  • Kranke oder gelbe Gurken-Blätter immer entfernen
  • Kringschnitt: Phase 2
  • Sobald der Haupttrieb die gewünschte Höhe erreicht hat, wird die Spitze gekappt
  • Jetzt dürfen 3 bis 4 kräftige Seitentriebe nach unten wachsen
  • Diese Seitentriebe bilden einen „Kring“ (Ring/Kreis) um den Haupttrieb
  • Kringschnitt: Phase 3
  • Die nach unten hängenden Seitentriebe tragen die Hauptmenge der Früchte
  • Diese werden nach 1 bis 2 Früchten oder Blättern eingekürzt, um weitere Verzweigungen anzuregen

Wichtig sind eine korrekte Rankhilfe beim Wachsen der Pflanzen in die Höhe, das regelmäßige Prüfen, ob wieder geschnitten werden muss und eine Prise Geduld. Die Früchte brauchen länger, doch die Ausbeute ist am Ende größer. Andere Techniken kürzen konsequent alle Seitentriebe, doch durch den Kringschnitt erschafft man eine produktive Etage, die von der zusätzlichen Energie aus der Pflanze profitiert. Es kann allerdings umständlich sein, eine passende Konstruktion im Garten aufzubauen.

Die Gurkenpflanzen sollten gerade nach oben wachsen.

Die Vorteile überzeugen: höhere Erträge, bessere Fruchtqualität, gesündere Pflanzen und einfachere Pflege. Wer diese Techniken beherrscht, erntet nicht nur mehr, sondern auch schmackhaftere Früchte. Der Aufwand lohnt sich – die Rekordernte ist zum Greifen nah.

Rubriklistenbild: © boonsom/Panthermedia/Imago

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