VonLara-Sabrina Kiehlschließen
Leiden Pferde unter Stress, wirkt sich dies oft auf ihren Magen aus. Ein typischer Stressfaktor sind Transporte. Doch ein einfacher Trick kann Pferd und Magen schützen.
Die Turnier- und Urlaubssaison ist in vollem Gange. Vielleicht planen auch Sie bereits die nächste Fahrt mit ihrem Pferd und fiebern dem eventuell sogar schon entgegen, weil es nicht nur für Sie nervenaufreibend ist, sondern auch für ihren Vierbeiner viel Stress bedeutet. Wie beim Menschen auch, schlägt Stress auf den Magen des Pferdes und kann die Entstehung von Magengeschwüren begünstigen. Was Stress während eines Transports im Pferdekörper auslöst, wie Sie Ihr Pferd schützen können und welche Rolle dabei die Fütterung spielt, haben Forscher genauer untersucht.
„Transport und Fasten haben definitiv einen Einfluss auf Magengeschwüre“
Die Professorin Barbara Padalino von der Universität Bologna in Italien und ihr Forscherteam sind sich sicher: „Transport und Fasten haben definitiv einen Einfluss auf Magengeschwüre“, und das sogar „mehr als nur Fasten allein“. Dem nachgegangen sind sie im Rahmen einer Studie mit insgesamt 26 Pferden, die 880 Kilometer durch Australien transportiert wurden. Aus ihrer Erkenntnis heraus geben sie Pferdebesitzern den Tipp, ihr Pferd vor der Abfahrt mit Heu zu füttern. Denn das könne Magengeschwüre verhindern.
„Das Füttern von Heu vor der Reise hilft, Magensäure zu absorbieren. Es hat also eine Art Schutzfunktion“, erklärt die Wissenschaftlerin gegenüber dem Onlineportal „TheHorse.com“. Außerdem führt es zu mehr Antioxidantien im Blut. Das hilft, freie Radikale auszugleichen. Im Idealfall sollte das Heu bis zum Verladen zur Verfügung stehen. Dass Transporte Stress bedeuten, auch wenn es nur kurze Strecken sind, ist keine neue Erkenntnis. Doch während Padalino sich mehr als ein Jahrzehnt lang den Auswirkungen des Transports auf Pferde gewidmet hat, vermutet sie, dass der Transport auf nüchternen Magen auch den sogenannten oxidativen Stress erhöhe.
Für die Studie geht es für 26 Pferde 880 Kilometer quer durch Australien
Doch was bedeutet das für den Körper? Die Anzahl der freien Radikale steigt bei oxidativem Stress an und die der schützenden antioxidativen Mechanismen nehmen ab. Dieses Ungleichgewicht könne Auswirkungen auf die Gesundheit haben, einschließlich der Entwicklung von Magengeschwüren, wie die Professorin sagt. Zu ihrer Erkenntnis verhalfen 26 Pferde im Alter zwischen vier und 20 Jahren, die die Forscher auf einen zwölfstündigen, 880 Kilometer langen Roadtrip durch Australien mitgenommen haben – ohne Zwischenstopp, Futter und Wasser. Transportbedingungen, die in Australien erlaubt sind.
Vor der Abfahrt bekam jedes Pferd 2,5 Kilogramm Luzerne-Heu. Der Zeitpunkt der Mahlzeit variierte jedoch je nach Studiengruppe. Sieben Pferden wurde das Heu eine Stunde vor der Reise gefüttert, weitere sieben Pferde erhielten es sechs Stunden vor der Reise, und die restlichen zwölf Pferde bekamen ihre letzte Mahlzeit zwölf Stunden vor Abfahrt.
Noch mehr spannende Tier-Themen finden Sie im kostenlosen Newsletter von Landtiere.de, den Sie gleich hier abonnieren können.
Pferde, die am längsten Fasten mussten, hatten am Ende die meisten Geschwüre
Vier Stunden vor dem Verladen nahmen die Forscher jedem Pferd Blut ab, um die Standardblutparameter und den antioxidativen Gesamtplasmastatus zu überprüfen. Das wiederholten sie am nächsten Morgen, nach dem Transport sowie noch einmal acht Stunden sowie zweieinhalb Tage später. Zusätzlich führte das Team bei jedem Pferd Gastroskopien durch – einen Tag vor der Reise, kurz nach der Ankunft und zweieinhalb Tage später. Dafür wurden die Pferde sediert.
Das Ergebnis der Untersuchungen: Am Ziel angekommen, wiesen 14 Pferde mittelschwere bis schwere Plattenepithelgeschwüre auf. Pferde, die vor der Abreise zwölf Stunden lang nichts zu Fressen bekamen, zeigten dabei die höchsten Werte.
Das oxidatives Gleichgewicht wird durch eine Fütterung vor der Fahrt gefördert
Die zehn außergewöhnlichsten Pferderassen – und ihre wichtigsten Eigenschaften




Darüber hinaus seien, unabhängig von der Studiengruppe, die freien Radikale direkt nach der Reise und bis zu acht Stunden später höher gewesen als vorher oder auch zwei Tage nach dem Transport. Das erstaunliche: Zum Zeitpunkt des Aufladens wiesen die Pferde, die eine Stunde vor der Fahrt gefüttert wurden, bereits einen deutlich höheren Plasma-Antioxidantienspiegel auf als diejenigen, die zwölf Stunden zuvor gefüttert wurden. Das könnte den Pferden geholfen haben, die beim Transport entstehenden freien Radikale auszugleichen, so die Wissenschaftlerin.
Die Studienergebnisse zeigen auf, dass das Futtermanagement vor einer langen Reise sowohl die Geschwürbildung als auch das oxidative Gleichgewicht beeinflussen kann, so das Team. Dazu weisen die Forscher darauf hin, dass zusätzliche Studien erforderlich seien, um ein besseres Verständnis über die Zusammenhänge zu erlangen. Ihr Rat jedoch: Bevor es auf die Reise geht, sollten Pferdebesitzer Heu füttern. Denn Heu braucht länger als Kraftfutter, um verdaut zu werden und umhüllt den Magen besser.
Rubriklistenbild: © Panthermedia/Imago

