Schock zu Weihnachten

Experte zur Nebenkostenabrechnung 2022: Mietern droht Nachzahlungs-Anstieg von über 30 Prozent

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Die Nebenkostenabrechnungen 2022 könnte Mieter am Jahresende vor Probleme stellen. Denn hohe Nachzahlungen sind möglich. Nicht immer sind die Abrechnungen korrekt.

Kassel – Mit Silvester wird nicht nur das Ende des Jahres gefeiert – in den meisten Fällen ist dann auch der Stichtag für die Nebenkostenabrechnungen, auch für das Jahr 2022. Diese können nämlich noch bis Jahresende in den Briefkasten flattern und die Feierlaune unter Umständen mächtig trüben. Denn vielen Mieterinnen und Mietern droht eine böse Überraschung – in Form einer heftigen Nebenkosten-Nachzahlung.

Nebenkostenabrechnung 2022 könnte für viele Mieter teuer werden

Der Hintergrund: Die Nebenkosten-Vorauszahlungen für 2022 haben Mieter zwar mit ihren monatlichen Abschlägen, der sogenannten „Warmmiete“, bereits geleistet. Doch für das Jahr 2022 dürften sie in vielen Fällen nicht ausreichen, um die tatsächlich verbrauchten Kosten zu decken. Denn durch den Ukrainekrieg und die damit verbundene Energiekrise sind die Kosten für Heizen und Strom im Jahr 2022 auf Rekordhöhen geschossen. Vermieter dürfen die Höhe der Vorauszahlungen zwar anpassen, aber nicht um eine beliebige Summe, sondern angelehnt an die Abrechnung aus dem Vorjahr.

Die Betriebs- und Nebenkosten sind 2022 in Rekordhöhen geschossen. Mieter könnten hohe Nachzahlungen drohen.

Nebenkostenabrechnung 2022 mit teilweise hohe Nachzahlungen wegen steigender Energiekosten

Viele Mieterinnen und Mieter müssen deshalb möglicherweise trotzdem nachzahlen, obwohl ihr monatlicher Abschlag für 2022 bereits erhöht wurde. Auch die Allgemeinkosten, die in einem Mietshaus anfallen, wie Hauswart, Versicherungen, Gartenpflege, Lichtanlagen, haben sich aus denselben Gründen erhöht. Während Mieter mit ein paar Maßnahmen ihren Verbrauch und damit ihre Heizkosten senken können, haben sie auf die allgemeinen Betriebskosten allerdings keinen Einfluss.

Mit Nachzahlungen in Höhe von durchschnittlich 581 Euro sind Mieter im Jahr 2022 konfrontiert, sagt der Geschäftsführer von Mineko, einem Unternehmen, das sich auf die Prüfung von Nebenkostenabrechnungen spezialisiert hat, der Bild-Zeitung. Das entspreche einer Erhöhung der Nebenkosten von 30 Prozent. Diesen Berechnungen liegen 20.000 Nebenkostenabrechnungen aus den letzten Wochen zugrunde.

Welche möglichen Posten beinhaltet die Nebenkostenabrechnung?

  • Heizkosten und Warmwasserkosten
  • Grundsteuer
  • Abwasser
  • Versicherungen für das Gebäude
  • Müllabführ/Straßenreinigung
  • Reinigung von Schornstein und Gebäude
  • Hausmeister
  • Breitband-Kabel

Die Hälfte der Nebenkostenabrechnungen sind fehlerhaft – und dadurch oft zu hoch

In einigen Fällen dürften die Nachzahlungen geringer, in anderen Fällen aber sogar deutlich höher ausfallen. Zu diesem Schluss kommen auch Recherchen des Rundfunks Berlin-Brandenburg (rbb): Die Verbraucherzentrale Brandenburg berichtet von Fällen, bei denen Vermieter Nachzahlungen in Höhe von 600 bis 1000 Euro einforderten.

Die Verbraucherzentralen weisen aber darauf hin, dass rund die Hälfte aller Nebenkostenabrechnungen fehlerhaft sind – und dadurch auch oft zu hoch. Für das Jahr 2022 war die Erstellung der Abrechnungen für Vermieter und Hausverwaltungen außerdem besonders schwierig, berichtet auch der rbb. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich Fehler eingeschlichen haben, welche die Mieter teuer zu stehen kommen könnten, ist dieses Mal daher noch höher. Der Grund: Beim gesetzliche Rahmen für die Betriebskostenabrechnung habe es einige Änderungen gegeben, mit denen Hausverwaltungen noch nicht zurechtkämen.

Eine gründliche Prüfung der Nebenkostenabrechnung 2022 sei deshalb besonders wichtig, zitiert die Bild-Zeitung die Experten von Mineko. Dabei sollte man besonders darauf achten, ob die sogenannte Soforthilfe des Bundes bei der Abrechnung korrekt abgerechnet wurde. Bei dieser Maßnahme aus den Entlastungspaketen, um die Bürger in der Energiekrise zu unterstützen, wurde der Abschlag für Gas und Wärme für Dezember 2022 vom Staat übernommen. Vermieter hatten dafür Gutschriften erhalten – und in vielen Fällen offenbar nicht gewusst, wie sie diese in der Abrechnung darstellen sollen.

Jobcenter! Was man tun kann, wenn man die hohe Nebenkostenabrechnung 2022 nicht bezahlen kann

Dem aktuellen Heizspiegel zufolge sind die Energiekosten für die Haushalte allerdings tatsächlich stark gestiegen – besonders beim Heizen mit Gas waren die Preise im Jahr 2022 sogar bis zu 81 Prozent höher. Wer sich die saftigen Nachzahlungen nicht leisten kann, dem raten die Verbraucherzentralen, das Gespräch mit dem Vermieter zu suchen, um etwa eine Ratenzahlung oder eine andere Lösung zu vereinbaren.

Haushalte mit geringem Einkommen können unter Umständen auch eine Kostenübernahme vom Jobcentern erhalten. Wer nicht erwerbsfähig oder im Rentenalter ist und mit einer hohen Nachzahlung finanziell überfordert ist, wendet sich an das zuständige Sozialamt. Das muss allerdings noch in dem Monat erfolgen, in dem die Rechnung fällig ist, da mögliche Ansprüche danach verfallen.

Nebenkosten für 2023 möglicherweise wieder niedriger als 2022

Für 2023 wird dem aktuellen Heizspiegel zufolge wieder mit einem leichten Rückgang der Heizkosten gerechnet. Vor allem das Heizen mit Gas wird wieder günstiger. Doch die Kosten für Wärme und Energie werden auch im laufenden Jahr noch über Vorkrisenniveau liegen.

Geht die Nebenkostenabrechnung nicht fristgerecht beim Mieter ein, ist sie allerdings hinfällig. Vermieter haben zwölf Monate nach Ende des Abrechnungszeitraums Zeit – und keinen Tag länger. Mit der Nebenkostenabrechnung ergeben sich für Mieter Möglichkeiten, Steuern einzusparen. Man sollte sie daher unbedingt gut aufbewahren.

Rubriklistenbild: © Axel Bueckert/IMAGO

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