VonJulian Mayrschließen
Für das Teilen von Tweets und Kommentaren könnten Nutzer bald zur Kasse gebeten werden. Für X-Chef Musk ist es ein notwendiger Schritt im Kampf gegen Bots.
München – Soziale Medien wie Facebook, Instagram oder TikTok sind für Verbraucher im Prinzip kostenlos. Einzig persönliche Daten der Nutzer könnten als digitale Währung und Eintrittspreis in die Welt der Social Media betrachtet werden. Viele größere Plattformen haben aber mittlerweile kostenpflichtige Extras im Angebot. Für Verifizierungen, wie farbige Haken für Meta oder X müssen Nutzer etwa einen monatlichen Beitrag entrichten.
X-Chef Elon Musk geht nun sogar einen Schritt weiter und kündigt für die ehemals als Twitter bekannte Plattform eine Gebühr für Neukunden an, um Grundfunktionen nutzen zu können. Laut Musk ist es ein notwendiger Schritt im Kampf gegen Bots.
Musk kündigt neue Gebühr für Nutzung von X an: „Einzige Möglichkeit, Ansturm der Bots einzudämmen“
„Leider ist eine geringe Gebühr für den Zugang neuer Nutzer zur Schreibfunktion die einzige Möglichkeit, den unerbittlichen Ansturm der Bots einzudämmen“, postete Musk am Montagabend (15. April) als Antwort auf einen Beitrag des Profils X Daily News. Darin wurde gemutmaßt, dass die Plattform künftig einen bestimmten Beitrag von Neukunden einstreichen könnten, bevor diese auf X interagieren könnten. Laut dem Nachrichtenprofil könnte das auch die „Gefällt-Mir“ sowie die Lesezeichenfunktion betreffen.
Welche Kosten auf Nutzer zukommen könnten, gab Musk nicht bekannt. Lediglich, dass es sich um einen „winzigen Betrag“ handeln soll. Laut ihm sei es aber der einzige Weg, Spam-Accounts in den Griff zu bekommen. Er kündigte jedoch an, dass es nur neue Nutzer betreffen würde und auch diese nach drei Monaten kostenlos Beiträge absetzen und kommentieren könnten. Bereits vor Monaten kündigte der Eigentümer von Twitter zudem ein Leselimit für nicht zahlende Nutzer an.
Musk konnte Kampf gegen Bots bisher nicht für sich entscheiden
Schon seit längerem sind Pläne Musks publik, wonach die Nutzung von X kostenpflichtig werden könnte. Im Herbst 2023 startete in Neuseeland und den Philippinen das Pilotprojekt namens „Not a Bot“. Nutzer in diesen Ländern, die sich neu auf X anmelden, müssen von nun an eine Gebühr von einem US-Dollar pro Jahr zahlen. Wer sich dagegen ausspricht, kann auf der Plattform nur mitlesen und nicht selbst schreiben und kommentieren.
IT-Experten zeigten sich aber skeptisch. Der IT-Sicherheitsexperte Marcus Hutchins hegt große Zweifel, dass sich Bot-Aktivitäten mit der Gebühr von einem Dollar pro Jahr stoppen ließen. Viel eher würde es dem Unternehmen Geld kosten: „Spammer werden gestohlene Kreditkarten verwenden – und die Kosten für Rückbuchungen werden höher sein als die Abo-Einnahmen“, schrieb Hutchins beim Konkurrenzdienst Threads des Facebook-Konzerns Meta.
Bereits vor der Übernahme von Twitter kündigte der Unternehmer an, „Spam-Bots zu besiegen oder beim Versuch dabei zu sterben.“ Bisher ist es dem Firmenchef und seinem Team jedoch, entgegen anderslautender Versprechen, nicht gelungen, das Bot-Problem in den Griff zu bekommen. Aktuelle KI-Programme könnten die gängigen Tests, mit denen Bot-Accounts entlarvt werden sollen, mit Leichtigkeit bestehen, beklagte Musk nun auf X. (jm/dpa)
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