Keinen bewiesenen Nutzen

Überflüssig bis riskant: Nahrungsergänzungsmittel fallen bei Stiftung Warentest durch

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Stiftung Warentest testet Nahrungsergänzungsmittel gegen Gelenkschmerzen. Doch alle sind überflüssig, manche enttäuschen darüber hinaus.

Frankfurt – Nahrungsergänzung sind ein sehr umstrittenes Thema, während manche darauf schwören, lassen andere die Finger davon. Vor allem für Kinder sollen sie jedoch ungeeignet sein und bei Überdosierung auch gesundheitsgefährdend. Eine ernüchternde Bewertung von Nahrungsergänzungsmitteln wurde kürzlich durch die Stiftung Warentest veröffentlicht. Die Untersuchung hat ergeben, dass die Effektivität der geprüften Produkte höchst fragwürdig ist. Das Ergebnis enttäuscht: Alle Mittel sind überflüssig, ein Teil sogar riskant.

18 Nahrungsergänzungsmittel bei der Stiftung Warentest: Hohe Kostenunterschiede

Bei den von Stiftung Warentest inspizierten Produkten handelt es 18 Nahrungsergänzungsmittel, die speziell für die Förderung der Knochen- und Knorpelfunktion sowie der allgemeinen Gelenkgesundheit beworben werden. Die Kosten für eine tägliche Dosis dieser Produkte variieren erheblich und reichen von 14 Cent bis zu 2,18 Euro.

Die Bewertung konzentrierte sich auf drei Hauptkriterien: die Präsenz essenzieller Warnhinweise auf der Verpackung, die wissenschaftliche Untermauerung der Effektivität durch Studien und die Zulässigkeit von Werbebehauptungen. Leider konnte für keines der untersuchten Mittel eine hinreichende wissenschaftliche Fundierung ihrer Wirksamkeit festgestellt werden. Somit erscheinen sie weitgehend als unnötig und stellen lediglich eine Geldverschwendung dar. Zusätzlich wurden bei 16 der 18 überprüften Produkte diverse Mängel, von geringfügig bis gravierend, identifiziert.

Orthomol-Produkt enttäuscht im Test: Überschreitet Höchstmengen

„Chondroplus“ von Orthomol steht exemplarisch für die identifizierten Mängel vieler Nahrungsergänzungsmittel. Es wurden bei diesem Produkt Überschreitungen der vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) festgelegten Höchstmengen für acht Vitamine und Mineralstoffe festgestellt, wobei der Grenzwert für Vitamin E um das Dreifache überschritten wurde. Obwohl dies nicht unmittelbar gesundheitsgefährdend ist, gibt es Bedenken, dass hohe Dosen von Vitamin E das Risiko für Prostatakrebs bei Männern über 55 Jahren erhöhen könnten. Des Weiteren wurde festgestellt, dass auf dem Produkt der erforderliche Warnhinweis fehlt.

Viele Menschen schwören auf Nahrungsergänzungsmittel. Doch oft sind sie unnötig.

Für die Zulassung von Nahrungsergänzungsmitteln ist keine spezielle Genehmigung erforderlich und die Hersteller sind nicht verpflichtet, die Wirksamkeit oder Sicherheit ihrer Produkte nachzuweisen. Es existiert für keines der untersuchten Produkte ein stichhaltiger Beweis, dass es Gelenkbeschwerden lindert oder der Entstehung von Arthrose vorbeugt.

Stiftung Warentest: Unerlaubte Werbeversprechen auf Nahrungsergänzungsmitteln gefunden

Die Stiftung Warentest hat außerdem unzulässige Werbeversprechen auf den Verpackungen einiger Produkte entdeckt. So wirbt Quiris Healthcare mit dem Slogan „mit Vitamin C für leistungsstarke Gelenke“, während Alsiroyal für sein Gelenk-Elixier mit einer klinischen Studie Reklame macht, die belegen soll, dass die darin enthaltenen Pflanzenextrakte die Gelenkbeweglichkeit positiv beeinflussen. Solche gesundheitsbezogenen Angaben bedürfen allerdings einer Genehmigung durch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit.

Des Weiteren erwecken viele Produzenten durch die Darstellung eines Gelenks auf der Verpackung den Eindruck, ihre Produkte hätten eine positive Wirkung auf die Gelenkgesundheit. Zutaten wie Chonditrin oder Glucosamin werden entweder im Produktnamen hervorgehoben oder auffällig auf der Verpackung präsentiert. Allerdings steht ein wissenschaftlicher Nachweis der Effektivität dieser Substanzen, in Bezug auf die Behandlung oder Prävention von Arthrose, noch aus.

Nahrungsergänzung bei Stiftung Warentest: Die Ergebnisse

  • Überflüssig: Nature Love: Knochen & Knorpel MSM 2000, Raab Vitalfood: Hagebutten
  • Überflüssig mit kleinen Mängeln (Gelenke auf Verpackung abgebildet): Abtei: Aktiv Kollagen 5000, Hübner: Arthoro Arthro, Salus: Salusan Ortho
  • Überflüssig mit Mängeln (entweder es fehlten Warnhinweise, es werden behördlich empfohlene Höchstwerte überschritten oder es werden nicht erlaubte Gesundheitsversprechen gemacht): Alsiroyal: Gelenk-Elixier, dm: Mivolis Glucosamin 1.250 Nährstoff-Komplex, Doppelherz: Aktiv Glucosamin 1550, Doppelherz: System Kollagen 11000 Plus, Quiris Healthcare: CH-Alpha Plus, Tetesept: Glucosamin 1550
  • Überflüssig mit erheblichen Mängeln (alle überschreiten empfohlene Höchstmengen und es fehlen Warnhinweise): Amitamin: Arthro 360, Dr. Böhm: Gelenke & Knorpel, Dr. Loges: Flexiloges Gelenknahrung, Müller: Silavit Glucosamin 1500, Orthomol: Chondroplus, Pure Encapsulations: Chondro Aktiv

Bei Arthrose und Gelenkproblemen sind Nahrungsergänzungsmittel nicht zu empfehlen. Vielmehr wird der altbekannte Rat befolgt, dass Bewegung die effektivste Behandlung darstellt. Diesen Standpunkt vertritt auch die Barmer Krankenkasse, die für Betroffene zwei bis drei Stunden Bewegung pro Woche nahelegt, mit einem Fokus auf Sportarten, die die Gelenke schonen, wie beispielsweise Nordic Walking, Aquafitness oder Fahrradfahren.

Ohne Mangel ist Nahrungsergänzung für Erwachsene nicht notwendig

Für gesunde Erwachsene sind Nahrungsergänzungsmittel in der Regel nicht erforderlich. So merkt auch das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit an: „Nahrungsergänzungsmittel sind für gesunde Personen, die sich ausgewogen und abwechslungsreich ernähren, in der Regel überflüssig. Sie sind auch kein Ersatz für eine entsprechende Ernährungsweise mit viel Obst und Gemüse. Eine einseitige, unausgewogene Ernährungsweise kann nicht durch Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln ausgeglichen werden.“ Demnach ist Nahrungsergänzung lediglich sinnvoll, wenn Menschen nicht genügend Nährstoffe in der Ernährung aufnehmen, so kann zum Beispiel die Aufnahme von Calcium für Menschen, die keine Milchprodukte essen, sinnvoll sein.„Darüber hinaus dienen Nahrungsergänzungsmittel nicht der Therapie von Krankheiten“, merkt das Bundesamt zusätzlich an.

Die Redakteurin oder der Redakteur hat diesen Artikel verfasst und anschließend zur Optimierung nach eigenem Ermessen ein KI-Sprachmodell eingesetzt. Alle Informationen wurden sorgfältig überprüft. Hier erfahren Sie mehr über unsere KI-Prinzipien.

Rubriklistenbild: © Imago/Oleksandr Latkun

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