VonLaura Knopsschließen
Ausreichend Schlaf ist für die Gesundheit besonders wichtig. Wer früh genug ins Bett geht, unterstützt damit seinen Stoffwechsel.
Im Rahmen der Chronobiologie untersuchen Wissenschaftler die Zyklen und Funktionsweisen der Inneren Uhr im menschlichen Körper. Während viele dieser Prozesse immer noch unklar sind, steht mittlerweile fest, dass äußere Umstände einen maßgeblichen Einfluss auf den Stoffwechsel und damit auf das Gewicht haben. So macht es beispielsweise nicht nur einen Unterschied, wann man isst, sondern auch, um welche Uhrzeit man zu Bett geht. Warum Sie am Abend besser auf eine ausgiebige Mahlzeit verzichten sollten und warum regelmäßige Schlafenszeiten wichtig sind, erfahren Sie hier.
Chronobiologischer Rhythmus beeinflusst Stoffwechsel, Körpertemperatur und Hormone
Zahlreiche Vorgänge im Körper sind auf den chronobiologischen Rhythmus ausgerichtet. Die innere Uhr steuert den Schlaf-Wach-Rhythmus, die Hormone, die Körpertemperatur und sogar den Stoffwechsel. Diese Zyklen haben damit auch Auswirkungen auf das Körpergewicht. Denn was und zu welcher Uhrzeit wir essen, beeinflusst, ob wir zu- oder abnehmen. „Es gibt Studien, die gezeigt haben, dass jemand, der bestimmte Nahrungsmittel am Morgen isst, kontinuierlich abnimmt, sofern man nicht zu viel davon isst. Wenn dieselbe Person das Gleiche in der gleichen Menge am Abend isst, nimmt sie aber zu“, erklärt der Chronobiologe Maximilian Moser, Physiologe an der Med-Uni Graz und Autor des Buchs „Vom richtigen Umgang mit der Zeit: Die heilende Kraft der Chronobiologie“ gegenüber dem Standard.at.
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Rund ein Drittel aller Menschen sind dem Experten zu Folge entweder ein extremer Morgen- oder ein extremer Abendmensch. Alle anderen befinden sich in der Mitte – sie gehören weder zu den sogenannten Lerchen oder Eulen. Zu welcher Gruppe jemand gehört, hat Auswirkungen auf die Ernährung. Beispielsweise tendieren Eulen dazu, etwas später zu frühstücken als Lerchen. Trotzdem sollten Abendmenschen keinesfalls erst am Abend essen. Denn die Uhrzeit, zu der eine Mahlzeit gegessen wird, beeinflusst den Stoffwechsel. Es ist daher nicht nur entscheidend, wie viel jemand isst, sondern auch wann. Am Abend ist der Körper beispielsweise mehr auf Speicher eingestellt. Späte Mahlzeiten können daher eher auf die Hüften schlagen.
Chronobiologie: Dem Körper in der Nacht Ruhe gönnen
Egal zu welchen Chrono-Typ Sie gehören, für alle gilt die alte Regel: „Frühstücken wie ein König, Abendessen wie ein Bettler“. Vor allem sollte man nicht zu spät essen. Grund dafür ist, dass der Körper am Morgen auf Verbrennen, auch Katabolie genannt, eingestellt ist. Nahrung wird in dieser Zeit in höherem Maß in Wärme umgewandelt. Am Abend befindet sich der Organismus in einer Abkühlungsphase. Der Stoffwechsel arbeitet anabol und die angebotenen Nährstoffe werden eher gespeichert. Das Frühstück am Morgen weglassen und dafür am Abend viel essen ist daher keine gute Idee.
Ist die Körpertemperatur an ihrem Tiefpunkt angekommen, ist nun der richtige Zeitpunkt zum Einschlafen, weiß der Chronobiologe Maximilian Moser. „Messungen der Körperkerntemperatur bestätigen diesen Rhythmus. Beim Morgentyp erreicht sie ihr Minimum gegen zwei Uhr früh, beim Abendtyp etwa zwei Stunden später gegen vier Uhr früh. Der Mitteltyp hat den Tiefpunkt um drei Uhr morgens. Das Maximum der Kerntemperatur ist dann jeweils zwölf Stunden später, also am Nachmittag“, sagt Maximilian Moser.
Schlaf-Rhythmus: Regelmäßiger und ausreichender Schlaf hilft beim Abnehmen
Bereits seit Jahren ist bekannt, dass zu wenig Schlaf oft mit einer Gewichtszunahme verbunden ist. Regelmäßiger und ausreichender Schlaf ist zudem meist mit geringerem Körpergewicht verbunden. „ Ein ganz wichtiger Ansatzpunkt ist es, regelmäßig und relativ früh schlafen zu gehen. Es hat sich klar gezeigt, dass regelmäßiger ausreichender Schlaf mit geringerem Körpergewicht verbunden ist. Da kann man schon einmal ohne Qual mit einfachen Mitteln eine Verbesserung erreichen“, erklärt Maximilian Moser.
Britische Wissenschaftler fanden in einer Studie heraus, dass ein Zusammenhang zwischen der durchschnittlichen Schlafdauer und gesundheitsrelevanten Faktoren wie dem BMI, dem Taillenumfang und verschiedenen Blutwerten besteht. Wie eine Studie von 2019, die im Journal of Neuroscience erschienen ist, berichtet, gibt es einen direkten Zusammenhang zwischen Schlafmangel und dem neuronalen Belohnungssystem im Gehirn: Wer zu wenig schläft, greift eher zu fettigen und süßen Lebensmitteln, anstatt sich gesund zu ernähren. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) betont jedoch, dass für eine erfolgreiche Gewichtsabnahme vor allem die gesamte Energiezufuhr über den Tag entscheidend sei.
Schlaf-Experte: Hochwertige Lebensmittel in die Ernährung integrieren
Bei der Ernährung empfiehlt der Experte darauf zu achten, möglichst viele hochwertige Lebensmittel in den Speiseplan zu integrieren. Nahrungsmittel, die einen hohen Gehalt an Omega-3-Fettsäuren haben, wirken entzündungshemmend im Körper. Da das Fettgewebe für stille Entzündungen im Körper verantwortlich ist, ist es daher sinnvoll, auf eine ausreichende Omega-3-Zufuhr zu achten. Wer nicht ganz auf das Abendessen verzichten kann, muss sich nicht quälen. Schon eine kleinere Menge mehr eiweißreiche Kost oder ein Snack aus frischem Obst können Wunder wirken.
Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren RedakteurInnen nicht beantwortet werden.
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