Mogelpackungen im Handel

Versteckte Preiserhöhung mit Mogelpackungen? So wehren sich Verbraucher am besten

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Eigentlich sind es versteckte Preiserhöhungen, wenn der Verbraucher für das gleiche Geld weniger im Einkaufs-Korb hat. Vor solchen Mogelpackungen warnen Verbraucherschützer bereits seit Jahren. Ohne Erfolg?

München ‒ Verbraucherschützerin Sabine Hülsmann kennt die Problematik nur zu gut: „Wir bekommen schon seit über zehn Jahren Beschwerden von Verbraucherinnen und Verbrauchern“, so die Expertin der Verbraucherzentrale Bayern. Geändert hat sich das Verhalten von Unternehmen allerdings nicht. Es bestehe von Herstellerseite immer wieder das Interesse, Preiserhöhungen versteckt über sogenannte Mogelpackungen an den Kunden weiterzugeben, so Hülsmann gegenüber dem Portal Chip.de.

Offenbar haben die Unternehmen damit noch immer Erfolg, obwohl sie ihren Kunden damit nichts Gutes tun. Erst kürzlich jubelte der Supermarkt-Klassiker Upfield seinen Kunden heimlich 25 Prozent Preiserhöhung bei Rama unter. Und wurde dafür prompt von Verbraucherschützern zur „Mogelpackung des Monats August“ gekürt. Das Unternehmen selbst sieht darin kein eigenes Verschulden und spielt den Ball an den Einzelhandel weiter. Der endgültige Verkaufspreis des Produkts liege immer im Ermessen des jeweiligen Einzelhändlers, so Upfield.

Besonders ärgerlich für Verbraucher sind „Mogelpackungen“, also Verpackungen, die mehr Inhalt suggerieren, als sie tatsächlich enthalten. Rechtlich ist ihnen laut Verbraucherzentrale Bayern oft schwer beizukommen. Die Reduktion des Inhaltes z. B. bei Tee, Müsli oder Kartoffelchips bei gleichbleibender Packungsgröße ist dabei ein Trick. Hersteller und Handel nehmen damit versteckte Preiserhöhungen vor. Deshalb lohne es sich, regelmäßig auf den Grundpreis am Regal zu achten, empfehlen die Verbraucherschützer. Eine Liste über gesammelte Mogelpackungen der Vergangenheit hat die Verbraucherzentrale Hamburg im Internet zusammengestellt. Verbraucher haben dort auch die Möglichkeit, „Mogelpackungen“ einzureichen, die sie im Supermarkt oder Discounter entdecken.

Mogelpackungen von Marken-Herstellern: Haribo macht die Tüte kleiner

Ein weiterer Hersteller, der seine Produktmengen pro Packung jüngst reduziert hat und denselben Preis dafür verlangt, ist das Unternehmen Haribo. Die Tüte Goldbären machte dabei einen Schrumpfkurs von 200 auf 175 Gramm. Der Preis blieb hingegen gleich - trotz weniger Inhalt. Klar, auch hierfür gibt es vonseiten des Unternehmens Gründe. Ein weiteres Täuschungsmanöver versuchte der Hamburger Marken-Hersteller Beiersdorf mit seiner Nivea-Handcreme, indem er die Füllmenge einfach reduzierte. Das führte sogar zu einer verborgenen Preiserhöhung von 33 Prozent.

Auch die Marke Miracoli hat es bereits zur Mogelpackung des Jahres der Verbraucherzentrale Hamburg geschafft.

Verbraucher, die auf diese dreiste Abzocke von bekannten Marken-Herstellern nicht hineinfallen möchten, dem raten Verbraucherschützer sich mit ein paar wirksamen Tricks zu schützen. Denn Fakt ist, nicht alle Unternehmen machen ihre Preispolitik den Verbrauchern transparent.

Tipps für Verbraucher, um Marken-Herstellern nicht auf den Leim zu gehen:

Verbraucher können gegen die Trickserei der Hersteller zwar selbst wenig ausrichten, aber sie können sich davor schützen. So sollten Verbraucher beim Einkaufen immer auf den Kilo- oder den Grundpreis der Ware achten. So käme es vor, dass ein Produkt zwar mehr koste, aber in Relation zur Menge viel günstiger sei als das vermeintlich billigere Produkt, erklärt der Lebensmittelexperte von der Verbraucherzentrale Hamburg, Armin Valet, bei Focus.de.

Kunden, die außerdem bevorzugt frische Lebensmittel kauften anstatt verpackte Ware, seien ebenfalls im Vorteil. Denn so schiebt der Kunde selbst einen Riegel vor die Mogelpackung des Herstellers. Bei Obst und Gemüse lohnt es sich, die Kilopreise zu vergleichen. Auch saisonale und regionale Waren sind in der Regel günstiger.

Doch ohne Macht ist der König Kunde natürlich nicht. Wer einmal auf die Mogelpackung eines Herstellers hereingefallen ist, wird sich das bestimmt merken und anschließend vielleicht das Konkurrenzprodukt kaufen. Inzwischen kommt es auch immer mehr zu Beschwerden bei den Verbraucherzentralen. Experte Armin Valet jedenfalls berichtet: „Wir erleben gerade die erste Welle solcher versteckten Preiserhöhungen.“ Und die Beschwerden der Kunden über Tricksereien nähmen zu.

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Rubriklistenbild: © imago

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