Niemals Daten angeben

Verdächtig günstige Strom- und Gasanbieter: Achtung bei Telefonwerbung

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Eine Seniorin hält einen Telefonhörer an ihr Ohr: Verbraucher sollten bei Anbieterwechseln über Anrufe Vorsicht walten lassen.
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Verbraucher aufgepasst: Derzeit locken Energieanbieter unter falschem Namen am Telefon mit günstigen Preisen und drängen zum Wechsel. Wir geben Tipps.

München - Die Preise steigen: Krisen, Inflation und Rohstoffknappheit haben großen Einfluss auf die Energiepreise in Deutschland und viele Verbraucher schauen sich umso genauer um, ob ein anderer Anbieter von Gas oder Strom vielleicht billiger ist. Trotzdem ist der Wechsel natürlich mit viel Unsicherheit verbunden. Das wiederum nutzen Betrüger aus, die sich als Bundesnetzagentur oder örtliche Versorger ausgeben, mit günstigen Tarifen werben, es aber eigentlich nur auf persönliche Daten abgesehen haben. Das machte die Verbraucherzentrale Niedersachsen publik - vermehrt hatten Bürger Beschwerden eingereicht.

Die Betrüger nutzen dabei meist die gleiche Masche: Sie schließen am Telefon ungewollt einen Vertrag ab oder dies wird ihnen unterstellt. Dabei geben sich die Anrufer beispielsweise als Bundesnetzagentur, Energiezentrale Berlin oder als örtliche Versorger aus, berichtet NDR. Auch die Verbraucherzentrale klärt über das Thema auf. Stets wollen die Anrufer mit dem Verbraucher über lukrative Wechseltarife sprechen.

Dubiose Energieanbieter am Telefon: „Für Betroffene nicht leicht zu durchschauen“

Das Problem: „Dass hinter solchen Anrufen fremde Anbieter stecken, die eine falsche Identität vortäuschen, ist für Betroffene nicht leicht zu durchschauen“, sagt René Zietlow-Zahl. Er ist Energierechtsexperte der Verbraucherzentrale Niedersachsen. Weiter erklärt er: „Dem Anrufer liegen meist umfassende persönliche Informationen über die Betroffenen vor, die er während des Gesprächs geschickt einsetzt.“ Auf den Verbraucher wirkt es überzeugend, wenn der Anrufer Name, Anschrift, Zählernummer oder andere Details wie seine Sprache kennt.

Das Mittel der Wahl für den Vertragsabschluss ist die SMS. Noch während oder gleich nach dem Gespräch erhalten die Opfer eine Nachricht. „Im Glauben einen guten Vertrag abzuschließen, beantworten viele direkt diese SMS und bestätigen damit den Vertragsabschluss.“ Die Kunden fühlen sich „überrumpelt“. Dabei weichen die Details im schriftlichen Liefervertrag dann oft von der Vertragsbestätigung ab und es werden deutlich höhere Preise aufgerufen.

Am Telefon keine persönlichen Daten nennen und nicht unter Druck setzen lassen

Die Tipps vom Experten: Am besten einfach auflegen. Energielieferverträge seien mündlich abgeschlossen zudem rechtswidrig und falsche Preisangaben ebenso. Dennoch: „Nichtsdestotrotz können die Verträge gültig sein, wenn Verbraucherinnen und Verbraucher den Vertrag schriftlich bestätigen. Betroffene haben dann nur noch die Möglichkeit, diesen schriftlich innerhalb von 14 Tagen zu widerrufen.“ Die Betrüger behaupten oft, die Widerrufsfrist sei bereits überschritten - diese beginnt jedoch erst mit der Belehrung über die Frist. Für Fälle dieser Art stellt die Verbraucherzentrale Niedersachsen einen Musterbrief (wichtig: schriftlich, nicht per Email) zum Widerruf bereit.

Als Grundregel gilt zudem: Am Telefon keine persönlichen Daten nennen und nicht unter Druck setzen lassen. Seriöse Anbieter lassen Ihnen Zeit, Ihre Entscheidung zu überdenken, und tauschen sich schriftlich aus. Die Verbraucherzentrale rät zudem, umgehend den bisherigen Anbieter zu kontaktieren. Gegen die „Cold Calls“ verhängte die Bundesnetzagentur übrigens schon mehrfach Bußgelder - sie können diese der Agentur melden. Die Verbraucherzentrale NRW ging bereits gegen die Stadtwerke Pforzheim, PST Europe Sales GmbH, Voxenergie GmbH und die Mivolta GmbH vor. (cgsc)

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